Zwei neue China-Marken in der MXGP – aber auch zwei neue Teams?
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KOVE und ZXMOTO steigen 2027 mit jeweils zwei Motorrädern in die MXGP ein. Vier zusätzliche Werksbikes also und endlich wieder mehr Leben hinter dem Startgatter? Ganz so einfach dürfte die Rechnung nicht aufgehen.
Dass die chinesischen Hersteller verstärkt in den internationalen Motorradrennsport drängen, ist längst zu beobachten. Nun wird es auch in der Motocross-Weltmeisterschaft konkret. KOVE und ZXMOTO haben angekündigt, ab 2027 mit eigenen Factory-Programmen in der MXGP anzutreten.
Auf dem Papier klingt das zunächst nach genau dem Zuwachs, den die Königsklasse gebrauchen könnte. Zwei Hersteller, jeweils zwei Motorräder – macht vier zusätzliche Plätze.
Nur heißt ein neuer Hersteller eben nicht automatisch, dass auch ein komplett neues Team ins Fahrerlager kommt.
Gerade bei ZXMOTO deutet derzeit einiges darauf hin, dass für 2027 eher bestehende Strukturen übernommen beziehungsweise neu genutzt werden. Und auch bei KOVE steht hinter dem Aufbau ein Mann, der die MXGP aus früheren Jahren bereits ziemlich gut kennt.
Wird aus Fantic künftig ZXMOTO?
Bei ZXMOTO ist Jesús Rincón als Racing Director für das Projekt verantwortlich. Das 450er-Motorrad existiert bereits und wird gefahren, entwickelt wird zwischen China und Europa. Der Plan sieht eine komplette MXGP-Saison 2027 und möglichst zwei Fahrer vor. Interessanter ist allerdings die Frage, wer diese Motorräder einsetzen wird.
Nach unseren Informationen deutet derzeit einiges darauf hin, dass ZXMOTO auf die Strukturen des aktuellen Fantic-Werksteams zurückgreifen wird. Das Team wird derzeit von Jacky Martens geführt. Sollte es tatsächlich so kommen, wäre das zwar ein neuer Hersteller im MXGP-Paddock, aber eben nicht automatisch ein zusätzliches Team.
Vielmehr würde die bisherige Struktur unter Martens in dieser Form verschwinden und durch das ZXMOTO-Projekt ersetzt werden.
Damit sähe die Rechnung schon anders aus: Fantic raus, ZXMOTO rein.
Für die Markenvielfalt wäre das trotzdem interessant. Für die Anzahl der Teams und damit möglicherweise auch der Fahrerplätze wäre der Gewinn dagegen überschaubar.
Gerade deshalb sollte man bei der Meldung über „zwei neue Hersteller“ etwas genauer hinschauen. Vier chinesische Werksmotorräder zusätzlich am Gatter sind erst dann vier zusätzliche Motorräder, wenn dafür nicht an anderer Stelle vier verschwinden.
KOVE holt einen alten Bekannten zurück
Bei KOVE sieht die Situation zunächst anders aus. Die Chinesen haben bereits Ende August bestätigt, 2027 mit zwei Motorrädern in der MXGP anzutreten. Verantwortlich für den Aufbau des KOVE Factory Racing Teams ist Tom Steensels.
Der Name dürfte einigen noch bekannt vorkommen. Steensels leitete zuvor das TBS Conversions KTM Team, das über mehrere Jahre in der Motocross-Weltmeisterschaft, respektive der EMX unterwegs war. Ende 2022 schloss die Mannschaft ihre Tore.
Nun steht Steensels wieder vor einem MXGP-Projekt – diesmal allerdings mit einem chinesischen Hersteller im Rücken.
Von außen betrachtet könnte man also zunächst meinen, KOVE würde für seinen Einstieg eine komplett neue Mannschaft aus dem Boden stampfen. Ganz bei null beginnt Steensels aber natürlich nicht. Er kennt die Meisterschaft, ihre Abläufe und vor allem den Aufwand, der hinter einer kompletten WM-Saison steckt.
Für KOVE dürfte genau diese Erfahrung wichtig sein.
Denn ein Motorrad zu bauen ist die eine Sache. Damit 20 Grands Prix auf mehreren Kontinenten zu bestreiten, Ersatzteile und Motoren vorzuhalten, Tests zu organisieren und gleichzeitig die Weiterentwicklung voranzutreiben, ist noch einmal etwas anderes.
Dass KOVE dafür jemanden verpflichtet, der diesen Zirkus bereits von innen kennt, ergibt durchaus Sinn.
Vier neue Motorräder sind noch lange nicht sicher
Und damit wird die ursprüngliche Rechnung langsam interessant. KOVE plant zwei Motorräder. ZXMOTO möchte ebenfalls mit zwei Fahrern antreten. Rein mathematisch wären das vier zusätzliche Plätze in der MXGP.
Sollte ZXMOTO jedoch tatsächlich die bisherige Fantic-Struktur übernehmen und Fantic gleichzeitig aus diesem Programm verschwinden, fällt ein Teil dieses vermeintlichen Zuwachses bereits wieder weg.
Noch kennen wir außerdem weder sämtliche Fahrer noch die endgültigen Teamstrukturen beider Projekte. Bei KOVE sollen Fahrer und technische Details erst später bekannt gegeben werden, während bei ZXMOTO der Aufbau ebenfalls noch nicht abgeschlossen ist.
Deshalb wäre es momentan etwas voreilig, für 2027 einfach vier zusätzliche Motorräder auf die aktuelle Starterzahl draufzurechnen.
Mehr Hersteller? Ja. Mehr Teams? Das muss sich erst noch zeigen.
Für die MXGP ist der Einstieg trotzdem bemerkenswert. Nach Triumph und Ducati kommen innerhalb kurzer Zeit zwei weitere Marken hinzu, diesmal aus China. Die Zusammensetzung des Fahrerlagers verändert sich damit erheblich.
Nur könnte ein Teil dieser Veränderung weniger nach Expansion aussehen, als die Namen KOVE und ZXMOTO zunächst vermuten lassen.
JHL macht in Shanghai den Anfang
Bevor KOVE und ZXMOTO 2027 ernst machen, gibt es an diesem Wochenende bereits einen Vorgeschmack.
Wie wir bereits berichteten, tritt JHL Factory Racing beim chinesischen Grand Prix in Shanghai mit einer Wildcard an. Brian Hsu soll dabei die JHL LX350R in der MXGP bewegen. Für einen chinesischen Hersteller ist es der erste Start bei einem MXGP-Lauf.
JHL verfolgt allerdings bislang nicht den gleichen Plan wie KOVE und ZXMOTO. Ein komplettes WM-Programm für 2027 ist nicht angekündigt. Shanghai ist zunächst ein einzelner Auftritt vor heimischem Publikum. Damit stehen innerhalb kurzer Zeit trotzdem gleich drei chinesische Motorräder beziehungsweise Projekte im Umfeld der MXGP.
Das ist eine Entwicklung, die vor wenigen Jahren noch ziemlich weit weg schien.
Ob sie gleichzeitig das zuletzt überschaubare MXGP-Feld wieder deutlich größer macht, steht allerdings auf einem anderen Blatt. Gerade das mögliche Zusammenspiel zwischen dem bisherigen Fantic-Team und ZXMOTO zeigt, warum man Hersteller und Teams nicht miteinander verwechseln sollte.
2027 könnten also tatsächlich zwei neue chinesische Marken am Startgatter stehen. Ob deshalb auch zwei zusätzliche Teams dahinter stehen, ist eine ganz andere Frage.
