Wie souverän war Garcias EMX-250-Titelgewinn wirklich?
Stolz zeigt Francisco Garcia sein goldenes Plate für den Titelgewinn der EMX250 Saison 2026
Francisco Garcia ist EMX250-Europameister 2026. Der Spanier machte den Titel bereits im ersten Lauf von Arnhem klar, obwohl sein Wochenende keineswegs so sauber verlief, wie es ein zweiter Platz am Samstag und ein weiterer am Sonntag zunächst vermuten lassen. Vor allem das Duell mit dem späteren Grand-Prix-Sieger Nicolai Skovbjerg hatte es in sich.
Garcia kam zudem nicht bei 100 Prozent nach Arnhem. Seine Verletzung hatte ihn die komplette Runde in Lommel gekostet, bevor er eine Woche zuvor in Schweden mit zwei Laufsiegen zurückkehrte. Die Geschwindigkeit war also wieder da, körperlich war die Sache aber noch nicht ausgestanden.
War der Blockpass gegen Skovbjerg zu viel?
Im ersten Moto kämpften Garcia und Skovbjerg um die Spitze, als der Kawasaki-Pilot einen Blockpass setzte. Der Spanier zog innen hinein, beide Fahrer kollidierten und gingen zu Boden. Skovbjerg reagierte schneller. Der Däne brachte sein Bike zuerst wieder in Gang und setzte das Rennen vor Garcia fort. Den entstandenen Rückstand konnte der Tabellenführer nicht mehr schließen.
Skovbjerg gewann den Lauf, Garcia wurde Zweiter. Und genau dieser zweite Platz reichte ihm, um die EMX250-Meisterschaft bereits vor dem Saisonfinale zu entscheiden.
Über den Blockpass kann man trotzdem diskutieren. Hartes Racing gehört dazu, gerade wenn es um einen Titel geht. Wenn bei einem Blockpass aber beide Fahrer am Boden liegen, war zumindest klar, dass Garcia ordentlich Risiko genommen hatte – obwohl er das für die Meisterschaft zu diesem Zeitpunkt eigentlich gar nicht mehr nötig hatte.
Seine eigene Reaktion nach dem Wochenende passt dazu. „Ich war gestern ein wenig von mir selbst enttäuscht. Nicht nur wegen meiner Geschwindigkeit, sondern auch wegen der Spielchen, die ich auf der Strecke gespielt habe“, erklärte Garcia.
Ob er mit den „Spielchen“ konkret diesen Blockpass meinte, sagte er nicht. Nach dem Verlauf des ersten Motos liegt die Verbindung allerdings nahe.
Titel sicher – und trotzdem wollte Garcia den Sieg
Am Sonntag war die Ausgangslage eine andere. Der Titel war erledigt, Garcia konnte ohne Blick auf die Meisterschaft versuchen, den Grand Prix zu gewinnen. Wenige Kurven nach dem Start übernahm er die Führung und setzte sich rund drei Sekunden ab. Lange sah es so aus, als würde der neue Europameister seinem Titelgewinn noch einen Laufsieg hinterherschieben.
Doch mit zunehmender Renndauer bekam er körperliche Probleme. Der tiefe Sand von Arnhem kostete Kraft und sein Vorsprung begann zu schrumpfen. In den letzten Runden musste Garcia die Führung abgeben. Aufstecken wollte er trotzdem nicht. In der Schlussrunde versuchte er noch einmal heranzukommen, für einen Angriff reichte es aber nicht mehr. Wieder Platz zwei, damit auch Rang zwei im Overall.
„Ich hatte gehofft, heute mit dem Titel bereits in der Tasche etwas entspannter fahren und um den Sieg kämpfen zu können. Aber körperlich war es im Sand wieder ein sehr schwieriges Rennen für mich“, erklärte Garcia.
Damit bekam auch seine Leistung vom Wochenende etwas mehr Kontext. Von außen standen zweimal Platz zwei auf dem Papier. Garcia selbst wusste aber ziemlich genau, dass sein Körper ihm momentan Grenzen setzt.
Wie angeschlagen ist Garcia noch?
Genau diese Frage dürfte nun wichtiger sein als das Ergebnis beim Saisonfinale. Garcia hat den EMX250-Titel sicher und muss in der Türkei niemandem mehr etwas beweisen.
Seine vergangenen Wochen waren ohnehin ungewöhnlich. Erst zwang ihn die Verletzung zum kompletten Verzicht auf Lommel, dann kehrte er in Schweden zurück und gewann beide Motos. Nur eine Woche später machte er in Arnhem die Meisterschaft klar.
Dass diese Resultate nicht automatisch bedeuten, dass er wieder vollständig fit ist, sah man im zweiten Lauf. Garcia sprach nach dem Rennen selbst davon, dass ihm die Belastung im Sand körperlich große Probleme bereitet habe. Deshalb steht selbst sein Start beim Finale noch nicht fest. „Morgen werde ich meinen Arzt aufsuchen und schauen, ob ich überhaupt in der Türkei fahren kann, nachdem ich jetzt bereits als Champion feststehe.“
Und warum sollte man jetzt unnötig etwas erzwingen? Garcias nächste Aufgabe wird deutlich größer.
Ist Garcia bereit für die MX2-Weltmeisterschaft?
Kawasaki hat die Entscheidung längst getroffen. 2027 wechselt der Spanier von Venum Bud Racing Kawasaki ins Kawasaki Racing Team MX2 und wird dort an der Seite von Mathis Valin antreten.
Garcia wird erst im Oktober 19 Jahre alt. Der Schritt kommt also früh, aber seine EMX250-Saison liefert genügend Argumente dafür. Selbst eine komplett verpasste Runde konnte ihn nicht daran hindern, die Meisterschaft vorzeitig zu entscheiden.
Was in der MX2 passiert, ist allerdings eine andere Frage. Die Geschwindigkeit aus der EMX250 mitzunehmen ist das eine. Sie über ein komplettes GP-Wochenende gegen die besten 250er-Piloten der Welt abzurufen, etwas anderes.
Genau deshalb dürfte es wenig Sinn ergeben, die noch nicht vollständig ausgeheilte Verletzung wegen eines sportlich bedeutungslosen EMX250-Finales zu reizen. Garcia selbst hat den Blick ohnehin bereits nach vorne gerichtet: „Jetzt möchte ich mich darauf konzentrieren, für meinen Wechsel zu KRT und in die MX2-GPs im nächsten Jahr bereit zu sein.“
Kawasaki hat noch einen zweiten Grund zum Feiern
Garcias Punkte aus Arnhem entschieden auch die Herstellerwertung. Kawasaki liegt vor der letzten Runde 60 Zähler vor dem nächsten Verfolger, während in der Türkei maximal noch 50 Punkte zu holen sind.
Venum Bud Racing Kawasaki holt damit innerhalb von drei Jahren zum zweiten Mal den EMX250-Fahrertitel. Das Team verliert seinen Champion nach der Saison zwar an das MX2-Werksteam, bleibt aber innerhalb desselben Herstellerprogramms ein wichtiger Teil seiner weiteren Karriere.
Jake Cannon kann das Jahr für Bud Racing beim Finale noch abrunden. Garcias Teamkollege arbeitete sich in Arnhem nach einem Start im Mittelfeld bis auf Rang neun nach vorne und reist als Gesamtdritter in die Türkei.
Sein Polster auf Platz vier beträgt 50 Punkte. Ein einziger weiterer Zähler reicht dem Australier, um Rang drei endgültig abzusichern – während bei Garcia zunächst der Arzt entscheidet, ob seine EMX250-Saison überhaupt noch ein letztes Rennen bekommt.
