Simon Längenfelder sucht nach Antworten
Simon Längenfelder bei der 15. Runde der FIM MX2 Motocross Weltmeisterschaft 2026 im niederländischen Arnhem
Simon Längenfelder kam beim MXGP of The Netherlands in Arnhem nicht über Rang sechs hinaus. Mit den Plätzen sieben und sechs blieb der Red-Bull-KTM-Pilot deutlich hinter dem zurück, was er sich für das Wochenende vorgenommen hatte. Noch schwerer dürfte wiegen, dass er selbst keine klare Erklärung dafür hatte, warum ihm auf dem tiefen Sandkurs das Tempo fehlte.
Gerade nach den vergangenen Wochen war das so nicht unbedingt zu erwarten. Längenfelder hatte zuletzt wieder häufiger um die vorderen Positionen gekämpft und am Samstag in Arnhem mit Platz sechs im Qualifying Race zumindest eine solide Ausgangsposition geschaffen.
Am Sonntag sah die Sache anders aus.
„Ich war einfach nicht schnell genug“
Im ersten Moto fand Längenfelder keinen richtigen Rhythmus und musste sich mit Rang sieben zufriedengeben. Während Sacha Coenen vorne 16 der 19 Runden führte und schließlich Zweiter wurde, fehlte dem Deutschen die Pace, um in diesen Kampf einzugreifen.
Längenfelder suchte hinterher gar nicht erst nach großen Ausreden. „Ich war nicht schnell genug. Vielleicht bin ich nicht genügend Risiko eingegangen oder war einfach etwas zu langsam“, beschrieb er seinen ersten Lauf.
Gerade auf einer Strecke wie Arnhem macht das einen großen Unterschied. Der Sand wurde mit jeder Runde ausgefahrener, die Löcher tiefer und die Linien schwieriger. Wer dort ein paar Prozent zurücksteckt, verliert schnell den Anschluss.
Holeshot brachte nicht die erhoffte Wende
Im zweiten Moto bekam Längenfelder dann genau die Ausgangslage, die er gebraucht hätte. Der KTM-Pilot holte den Holeshot und hatte freie Fahrt vor sich. Lange konnte er daraus allerdings keinen Vorteil ziehen. Die Konkurrenz fand schneller ihren Rhythmus und zog vorbei. Aus der Führung wurde schließlich Rang sechs.
„Ich habe im zweiten Lauf den Holeshot geholt und dachte, dass ich dadurch vielleicht etwas Momentum aufbauen kann. Aber die anderen waren schneller als ich und ich musste mich mit Platz sechs zufriedengeben“, sagte der Deutsche.
Das dürfte ihn besonders beschäftigen. Ein schlechter Start lässt sich als Erklärung heranziehen, wenn man sich anschließend durch das Feld arbeiten muss. Wer mit dem Holeshot in ein Moto geht, bekommt dagegen zunächst die freie Strecke und kann seine eigenen Linien fahren.
Genau das reichte in Arnhem nicht.
Hat Längenfelder schon alles ausprobiert?
Interessanter als die beiden Ergebnisse war deshalb seine Aussage darüber, wie er die aktuelle Situation einschätzt. Längenfelder möchte bei den letzten drei Grands Prix noch etwas verändern, scheint aber selbst nicht genau zu wissen, wo er dafür ansetzen soll.
„Ich würde für die letzten Rennen gerne noch ein paar Dinge herumdrehen, aber ich habe auch das Gefühl, dass ich bereits jeden Trick aus dem Buch ausprobiert habe, um meine Positionen zu verbessern.“
In diese Aussage kann man einiges hineininterpretieren. Längenfelder spricht weder von einem konkreten Problem mit dem Bike noch macht er sein Setup für Arnhem verantwortlich. Er sagt vielmehr offen, dass er nach Möglichkeiten sucht, wieder weiter nach vorne zu kommen – und dass die offensichtlichen Stellschrauben offenbar schon ausprobiert wurden.
Das passt zu einer Saison, in der die Abstände an der Spitze der MX2 extrem klein geworden sind. Guillem Farres, Sacha Coenen und Camden McLellan haben das Niveau in den vergangenen Monaten hoch gehalten. Ein Wochenende, an dem ein paar Zehntel pro Runde fehlen, reicht inzwischen schnell für Platz sechs oder sieben statt für einen Podiumsplatz.
75 Punkte fehlen auf Farres
Auch in der WM-Tabelle hat Arnhem Spuren hinterlassen. Längenfelder liegt drei Grands Prix vor Saisonende auf Rang vier und hat 75 Punkte Rückstand auf Red-Plate-Träger Guillem Farres. Noch sind 180 Punkte zu vergeben. Rein rechnerisch ist damit weiterhin einiges möglich, doch mit Ergebnissen wie in Arnhem wird es schwer, noch einmal entscheidend in den Titelkampf einzugreifen.
Längenfelder weiß das selbst, will die letzten drei Wochenenden aber nicht abschreiben. „Man weiß nie, was bei den nächsten GPs passiert. Deshalb werde ich weiter versuchen, mein Bestes zu geben.“
Die nächste Gelegenheit bekommt er am 5. und 6. September in Afyon. Danach folgen China und das Saisonfinale in Australien. Vor allem die Türkei dürfte zeigen, ob Längenfelder nach dem schwierigen Wochenende von Arnhem noch eine Antwort auf die momentan entscheidende Frage findet: Wo holt er die fehlende Pace für die letzten drei Grands Prix her?
