Coenen-Brüder wechseln 2027 in die USA

Die Coenen Brüder wechseln 2027 in die USA

Die Coenen Brüder wechseln 2027 in die USA

Lucas und Sacha Coenen werden 2027 nicht mehr im MXGP-Paddock stehen. Die belgischen Zwillinge haben ihre Verträge mit Red Bull KTM Factory Racing langfristig verlängert, wechseln innerhalb der KTM-Struktur aber in die USA. Lucas tritt künftig in der 450SX und 450MX an, Sacha startet in der 250SX und 250MX.

Ganz überraschend kommt dieser Schritt nicht. Wer die beiden in den vergangenen Jahren verfolgt hat, dürfte mitbekommen haben, dass Amerika immer wieder ein Thema war. Spätestens mit ihrem gemeinsamen Ausflug zu den AMA Pro Motocross Nationals in Thunder Valley bekam die Sache allerdings eine andere Richtung.

Aus einem Wildcard-Einsatz wird nun ein kompletter Wechsel.

War Thunder Valley bereits der Testlauf?

Lucas und Sacha bekamen in Colorado die Gelegenheit, sich unter echten Rennbedingungen mit dem amerikanischen Motocross auseinanderzusetzen. Keine Trainingsstrecke, kein lockerer Testtag, sondern ein National mit allem, was dazugehört.

Gerade Lucas kam mit der 450er schnell zurecht. Sein Speed aus der MXGP funktionierte auch auf amerikanischem Boden, und offenbar gefiel ihm nicht nur das Racing. „Als wir in Thunder Valley waren, war es großartig“, sagt der Belgier rückblickend.

Dann folgt der Satz, der ziemlich gut erklärt, warum KTM diesen Schritt mitgeht: „2027 wird eine große Veränderung für die ganze Familie, aber dieser Wechsel ist ein Traum für mich.“

Damit geht es nicht darum, dass Lucas in der MXGP keine Perspektive mehr hätte. Eher das Gegenteil ist der Fall.

Nach zwei Jahren in der MX2 wechselte Coenen 2025 in die Königsklasse, wurde direkt Vizeweltmeister und war zeitweise der jüngste Grand-Prix-Sieger der MXGP-Geschichte. 2026 trug er bereits das Red Plate und gewann mehrere Grands Prix, bevor ihn die Probleme an der linken Hüfte ausbremsten.

Sportlich gäbe es also genügend Gründe, noch einige Jahre in Europa zu bleiben. Lucas will trotzdem den nächsten Schritt machen.

Sacha bekommt die vielleicht größere Aufgabe

Bei seinem Bruder sieht die Ausgangslage etwas anders aus. Sacha bleibt 2027 auf der 250er, muss sich aber erstmals ernsthaft mit Supercross beschäftigen.

Und genau da wird die Sache interessant. Seine Starts und sein Sprint-Speed gehören seit einiger Zeit zu seinen größten Waffen in der MX2. Wer Sacha fahren sieht, weiß allerdings auch, dass sein Stil ziemlich kompromisslos ist. Das funktioniert auf einem GP-Kurs häufig sehr gut, eine 250SX verlangt aber noch einmal andere Abläufe.

Whoops, Rhythm Sections, kurze Rennen und wenig Zeit, um Fehler wieder auszubügeln – daran muss er sich gewöhnen. Ob er an der East oder West Coast antreten wird, hat KTM noch nicht entschieden.

Sacha selbst macht aus der bevorstehenden Lernphase keinen großen Hehl: „Es wird viel zu lernen geben, aber genau das wollen wir machen. Es ist sehr cool, diese Möglichkeit zu bekommen. Ich kann es jetzt schon kaum erwarten.“

Vorher hat er allerdings noch etwas in Europa zu erledigen. Nach seinem Sieg in Schweden und Platz vier beim MXGP of The Netherlands befindet sich der Belgier weiterhin im MX2-Titelkampf. Sein Fokus liegt deshalb vorerst auf den letzten drei Grands Prix der Saison.

Warum lässt KTM beide ziehen?

Eigentlich müsste die Frage andersherum lauten: Warum sollte KTM sie nicht gehen lassen, wenn man sie trotzdem im eigenen Programm halten kann?

Lucas gehört bereits zur Spitze der MXGP, Sacha kämpft in der MX2 um den Titel. Andere Hersteller dürften zwei junge Fahrer mit diesem Speed ebenfalls ziemlich interessant finden. KTM bindet beide langfristig und kann ihnen gleichzeitig genau die Perspektive bieten, die sie offenbar suchen.

KTM-Offroad-Racing-Direktor Robert Jonas beschreibt diesen Punkt als Stärke der eigenen Struktur. Der Hersteller könne erfolgreichen Nachwuchsfahrern Möglichkeiten in unterschiedlichen Meisterschaften anbieten, ohne dass sie dafür die Marke wechseln müssen.

Damit bleibt auch ein möglicher Widerspruch aus. Die Coenens verlassen nicht KTM, weil sie etwas anderes suchen. Sie wechseln die Meisterschaft und bleiben trotzdem beim Hersteller, mit dem sie ihre bisherigen Erfolge eingefahren haben.

Ist der Wechsel vielleicht sogar früher als erwartet?

Bei Lucas kann man darüber zumindest diskutieren. Er ist noch am Anfang seiner 450er-Karriere und könnte in den kommenden Jahren mehrere Anläufe auf den MXGP-Titel nehmen. Sein bisheriger Weg spricht nicht dafür, dass er sportlich bereits alles erreicht hätte, was in Europa möglich ist.

Auf der anderen Seite wartet in Amerika eine Aufgabe, die nicht beliebig lange aufgeschoben werden muss. Wer ernsthaft eine Supercross-Karriere anstrebt, profitiert kaum davon, erst mit Mitte oder Ende 20 damit anzufangen.

Lucas wird 2027 direkt in die 450SX geworfen. Das ist ein ziemlich großer Sprung. Motocross-Speed allein reicht dort nicht, denn zwischen einem MXGP und einem 450SX-Main-Event liegen fahrerisch einige Welten.

Sacha bekommt über die 250er etwas mehr Zeit, um sich an das System zu gewöhnen. Einfach wird es deshalb nicht.

Erst müssen beide ihre MXGP-Saison beenden

Bis zum Umzug in die USA bleibt noch einiges zu tun. Lucas arbeitet weiterhin daran, seine Hüftprobleme in den Griff zu bekommen. In Arnhem versuchte er die Rückkehr auf seine KTM 450 SX-F und fuhr im Free Practice sogar die viertschnellste Zeit, musste den Grand Prix wegen der Beschwerden anschließend aber abbrechen.

Sacha kämpft derweil weiter um den MX2-Titel. Drei Grands Prix stehen noch aus, bevor die Saison in Australien endet.

Danach beginnt für die Familie Coenen eine ziemlich große Umstellung. Neue Strecken, andere Rennformate, Supercross und ein komplett anderes Fahrerlager warten auf die Zwillinge. Wie schnell beide dort zurechtkommen, lässt sich aus ihrem bisherigen Motocross-Speed noch nicht ableiten.

Thunder Valley hat allerdings zumindest einen ersten Hinweis geliefert, warum Lucas und Sacha diesen Weg unbedingt ausprobieren wollen.