Türkei: Was die Fahrer wirklich sagten
Start der MX2 beim MXGP der Türkei 2026. / Foto: Ray Archer
Ein Weltmeister, der schon über 2027 spricht. Ein Tom Vialle, der sich nicht mehr mit guten MXGP-Ergebnissen zufriedengibt. Ein Romain Febvre, der sein Problem ziemlich eindeutig auf die ersten 100 Meter reduziert. Und ein Simon Längenfelder, der nach Wochen voller Fragezeichen plötzlich wieder gewinnt.
Der MXGP der Türkei lieferte reichlich Stoff für einen genaueren Blick auf die Aussagen der Fahrer. Denn manches klingt zunächst nach dem üblichen Rennwochenende – bekommt im Zusammenhang mit den vergangenen Wochen aber eine ganz andere Bedeutung.
Herlings: Der sechste Titel ist für ihn offenbar kein Schlusspunkt
Jeffrey Herlings hat in Afyon nicht einfach nur einen weiteren Grand Prix gewonnen. Mit seinem sechsten WM-Titel hat er eine Saison vollendet, die zwischenzeitlich keineswegs danach aussah, als würde sie mit ihm ganz oben enden.
Dass Tom Vialle ihn im zweiten Lauf bis zum Schluss beschäftigte, machte den Sonntag nicht einfacher. Herlings hielt dem Druck stand, machte keinen entscheidenden Fehler und erledigte genau das, was in dieser Phase der Saison zählt. „Tom hat es mir im zweiten Lauf definitiv nicht leicht gemacht. Aber es war ein großartiger Grand Prix. Den GP zu gewinnen, meinen sechsten WM-Titel zu holen und meine Siegesserie fortzusetzen, macht mich sehr glücklich.“
Der eigentlich interessante Teil folgte danach. „Ich bin schon jetzt motiviert, das in den letzten beiden Läufen fortzusetzen – und auch im nächsten Jahr.“
Das klingt nicht nach einem Fahrer, der nach dem Titel erst einmal innerlich abschaltet. Im Gegenteil. Herlings verbindet den aktuellen Lauf bereits mit der kommenden Saison.
Und genau das dürfte für die Konkurrenz fast unangenehmer sein als der sechste Titel selbst. Der Niederländer wirkt derzeit nicht wie jemand, der gerade einen Höhepunkt erreicht hat und anschließend einen Gang zurückschalten möchte. Er scheint vielmehr das Gefühl zu haben, wieder dort angekommen zu sein, wo er sich selbst sieht.
Vialle: Ein Podium reicht ihm nicht mehr
Tom Vialles Entwicklung lässt sich inzwischen sehr gut an seiner Wortwahl erkennen. Zu Beginn seiner Rückkehr nach Europa ging es zwangsläufig darum, sich wieder an die MXGP, die 450er und die europäischen Strecken zu gewöhnen. Inzwischen klingt das völlig anders.
Vialle will gewinnen.
Im zweiten Lauf blieb er an Herlings dran und wartete auf einen Fehler des Niederländers. Der kam nicht. „Ich habe im zweiten Lauf alles gegeben, um zu gewinnen, aber Jeffrey hat einfach keine Fehler gemacht.“ Das Entscheidende daran: Vialle spricht nicht davon, überrascht gewesen zu sein, überhaupt mit Herlings mithalten zu können.
Er hatte damit gerechnet. „Ich denke, ich habe gezeigt, dass ich nah dran bin. Wir haben noch sechs Rennen, um den Sieg zu holen. Das ist mein Ziel in China und Australien.“
Damit verschiebt sich sein Anspruch deutlich. Ein Podium ist inzwischen keine außergewöhnliche Belohnung für ein gutes Wochenende mehr. Vialle möchte den nächsten Schritt.
Sein größtes Hindernis sieht er momentan bei den Starts. Die Sprünge aus dem Gatter seien gut gewesen, trotzdem kam er nicht vorne genug durch die ersten Kurven. Gegen einen nahezu fehlerfreien Herlings bedeutet das, schon in den ersten Sekunden Arbeit aufgebrummt zu bekommen.
Der erste MXGP-Laufsieg wirkt mittlerweile weniger wie eine Frage des Ob als des Wann.
Febvre: Sein Problem beginnt, bevor das eigentliche Rennen losgeht
Romain Febvres Aussage gehört zu den interessantesten des Wochenendes, weil er seine Situation ungewöhnlich klar beschreibt. Er hält sich selbst für schnell genug, um Rennen zu gewinnen. Seine Ergebnisse zeigen das momentan aber nicht.
„Wenn ich vorne starten könnte, könnte ich um den Sieg kämpfen. Aber mit den Starts, die ich hier wieder hatte, bin ich mit Rang drei zufrieden.“
Febvre sieht das Problem nicht in seinem Renntempo. Er verliert die entscheidende Zeit bereits am Start und in den ersten Kurven. Danach beginnt eine Aufholjagd, deren Grenzen er ebenfalls ziemlich genau benennt. „Bis ich auf Rang drei angekommen bin, sind sie weg. Die Ergebnisse zeigen nicht, was ich kann.“
Und genau dort liegt das Dilemma. Langsamere Fahrer kann Febvre überholen. Sobald er bei Gegnern angekommen ist, die ähnlich schnell fahren, kostet jede Position erheblich mehr Zeit. Währenddessen können die Fahrer an der Spitze ihre Linien fahren und den Vorsprung verwalten.
Febvre sagt damit indirekt auch: Am Motorrad und am grundsätzlichen Speed zweifelt er nicht. Er muss endlich das erste Problem des Rennens lösen. Denn ein Fahrer kann über 30 Minuten noch so schnell sein – wenn Herlings und Vialle bereits vorne freie Fahrt haben, reichen ein paar schnelle Runden nicht mehr.
Gajser: Der Speed ist zurück, der Körper noch nicht
Tim Gajsers Aussagen muss man ebenfalls im Zusammenhang mit seiner körperlichen Situation betrachten. „Wenn man bedenkt, in welchem Zustand ich bin, war dieses Wochenende nicht so schlecht. Der Speed war da, aber ich bin mit starken Schmerzen gefahren.“
Das Entscheidende sind dabei die drei Worte: Der Speed war da.
Gajser hatte im zweiten Lauf Rang drei unter Kontrolle, bevor er neben die Strecke geriet und zwei Positionen verlor. Danach versuchte er noch einmal zu attackieren, machte einen weiteren Fehler und merkte gleichzeitig, dass die Schmerzen stärker wurden.
Also nahm er Rang vier. Normalerweise wäre ein verpasstes Podium für Gajser kaum zufriedenstellend. Unter diesen Voraussetzungen sieht die Sache anders aus.
Sein Problem ist derzeit nicht, wieder Geschwindigkeit finden zu müssen. Er muss körperlich in einen Zustand kommen, in dem er diese Geschwindigkeit über ein komplettes Rennen nutzen kann.
Dass er trotzdem vom verdienten Podium spricht, zeigt, wie gut sein Gefühl grundsätzlich gewesen sein muss.
Fernández: Ein Wochenende im Schadensbegrenzungsmodus
Rubén Fernández ging nach dem Zwischenfall vom Samstag bereits mit einem klaren Nachteil in den Sonntag. „Ich wusste, dass ich einfach einen guten Start brauchte und dann so lange wie möglich durchhalten musste.“ Das ist eine Aussage, die eigentlich schon alles über seinen Renntag verrät.
Fernández plante nicht, wann er attackieren könnte. Er plante, wie lange er körperlich durchhalten würde.
Unter diesen Umständen bekommt ein Ergebnis knapp außerhalb der Top Ten eine andere Bedeutung. Es ging nicht darum, das maximale sportliche Ergebnis herauszufahren, sondern möglichst viele Punkte aus einem Wochenende mitzunehmen, das bereits vor den Wertungsläufen beschädigt war.
Jonass: Gut reicht ihm nicht mehr
Pauls Jonass holte seinen dritten Top-Fünf-Platz der Saison. Das klingt zunächst nach einem Wochenende, mit dem man zufrieden nach Hause fliegen kann.
Jonass schaut allerdings bereits weiter. „Wir müssen noch etwas arbeiten, um bei den ersten Vier bleiben zu können.“ Das ist eine ziemlich präzise Standortbestimmung. Der Kawasaki-Pilot hat inzwischen mehrfach gezeigt, dass er in die Top Fünf fahren kann. Damit verschiebt sich automatisch der Maßstab. Die Frage lautet nicht mehr, ob ein fünfter Platz möglich ist, sondern was noch fehlt, um die Fahrer davor dauerhaft unter Druck zu setzen.
In Afyon halfen ihm zwei gute Starts dabei, sein Tempo überhaupt auszuspielen. Auch seine Aussage bestätigt damit, was Febvre wesentlich deutlicher formulierte: In der aktuellen MXGP ist die Ausgangsposition nach der ersten Kurve enorm wichtig.
Adamo: Er erwartet inzwischen mehr von sich auf der 450
Andrea Adamo war mit Platz fünf im ersten Lauf und seinem gesamten Wochenende nicht wirklich zufrieden. „Irgendwie hat mir diese Strecke nicht wirklich gelegen und mir hat etwas Speed gefehlt, um mit den Jungs vorne mitzufahren. Ich hätte näher dran sein müssen.“
Der letzte Satz ist entscheidend.
Adamo bewertet seine 450er-Auftritte inzwischen nicht mehr ausschließlich unter dem Gesichtspunkt, dass er noch lernt. Er erwartet, näher an der Spitze zu sein. Vor wenigen Wochen konnte man schwierige Sandrennen noch relativ einfach mit fehlender 450er-Erfahrung erklären. Inzwischen wird Adamo selbst anspruchsvoller.
Afyon passte weder fahrerisch noch beim Gefühl mit dem Motorrad richtig zusammen. Genau deshalb will er vor China noch an einigen Dingen arbeiten.
Der Lernprozess läuft weiter – aber der Welpenschutz ist in seinem eigenen Kopf offenbar bereits vorbei.
Forato: Das Comeback beantwortete trotzdem eine wichtige Frage
Alberto Foratos Wochenende war vom Ergebnis her tatsächlich bittersüß. Der entscheidende Teil seiner Rückkehr passierte aber bereits im ersten Lauf. Platz sieben.
„Es war großartig, zurück zu sein, auch wenn das Wochenende von den Ergebnissen her etwas bittersüß war. Im ersten Lauf hatte ich ein richtig gutes Rennen, wurde Siebter und habe mich auf dem Motorrad wohlgefühlt.“ Damit war die wichtigste Frage nach seiner Rückkehr eigentlich beantwortet: Forato kann sofort wieder in einem Bereich fahren, in dem er vor seiner Pause erwartet worden wäre.
Der zweite Lauf lässt sich dagegen kaum sinnvoll bewerten. Nach seiner Aussage wurde das Motorrad kurz nach dem Start von einem Stein getroffen. Das daraus entstandene Problem hinderte ihn daran, normal zu pushen.
Forato fuhr trotzdem weiter. Das Ergebnis des zweiten Laufs ist deshalb deutlich weniger interessant als die Erkenntnis aus Moto eins: Die grundlegende Geschwindigkeit ist noch da.
Talviku: Das Potenzial ist sichtbar, die Stabilität fehlt
Bei Jörgen-Matthias Talviku muss man genauer hinschauen, weil die Resultate allein sein Wochenende ziemlich schlecht aussehen lassen.
Seine ersten Runden waren teilweise stark. Im ersten Lauf befand er sich am Ende der ersten Runde sogar in den Top Acht. Dann stürzte er heftig.
Bereits im Qualifikationsrennen war ihm Ähnliches passiert. Das Problem ist deshalb momentan nicht unbedingt, überhaupt auf die Geschwindigkeit zu kommen. Talviku schafft es noch nicht, diese Ansätze über ein komplettes Rennen zu stabilisieren. „Ich bin diese Bedingungen noch nicht so gewohnt, aber ich habe in den vergangenen Wochen mit dem Team viel gelernt. Natürlich möchte ich bessere Ergebnisse, aber solche Dinge passieren nicht über Nacht.“
Der letzte Satz ist wahrscheinlich auch eine Erinnerung an sich selbst.
Nach zwei frühen Stürzen fehlte ihm im letzten Rennen das Vertrauen. Genau das ist bei einem Fahrer in einer neuen Umgebung besonders teuer: Statt weitere Erfahrungen zu sammeln, verbringt er die entscheidenden Runden damit, wieder Sicherheit aufzubauen.
Talviku zeigt momentan einzelne Abschnitte, die deutlich besser aussehen als seine Gesamtresultate. Jetzt müssen daraus komplette Rennen werden.
Vlaanderen: Wenn „durchschnittlich“ schon die eigene Bewertung ist
Calvin Vlaanderen brauchte nach Gesamtrang neun nicht viele Worte. „In den Rennen war meine Fahrweise durchschnittlich. Mir hat das Gefühl gefehlt, das ich gestern hatte.“ Das klingt fast härter als jede Analyse von außen.
Vlaanderen wusste nach dem Samstag offenbar, dass mehr möglich gewesen wäre. Genau deshalb ist Rang neun für ihn kein Ergebnis, das sich einfach mit einem schwierigen Wochenende erklären lässt.
Der Ducati-Pilot macht weder die Strecke noch das Motorrad verantwortlich. Ihm fehlte am Sonntag das eigene Gefühl. Manchmal ist die Analyse tatsächlich so einfach – und gleichzeitig so schwierig zu lösen.
Längenfelder: Dieser Sieg kam zum richtigen Zeitpunkt
Bei Simon Längenfelder lohnt sich der Blick zurück nach Arnhem. Dort hatte er nach einem enttäuschenden Wochenende noch erklärt, gefühlt bereits jeden Trick ausprobiert zu haben, um wieder bessere Positionen zu erreichen.
Eine Woche später gewinnt er wieder einen MX2-Lauf. „Die vergangenen Grands Prix waren ziemlich hart für mich, deshalb hat sich dieser Sieg gut angefühlt. Ich habe im ersten Rennen alles gegeben und es war mein erster Sieg seit Sardinien. Das ist lange her.“
Dieser Sieg war deshalb mehr als nur 25 Punkte. Längenfelder brauchte eine Bestätigung, dass das Tempo für ganz vorne weiterhin vorhanden ist. Nach mehreren Rennen, in denen er selbst nach Antworten gesucht hatte, bekam er sie in Afyon zumindest teilweise auf der Strecke.
Der zweite Lauf verhinderte allerdings das perfekte Wochenende. Auf Rang drei würgte er den Motor ab. Danach waren die Positionen weitgehend verteilt.
Gesamtrang zwei ist ordentlich. Viel wichtiger dürfte für Längenfelder aber sein, wieder erlebt zu haben, wie es sich anfühlt, ein Rennen zu gewinnen.
Farres: Nicht nur schnell – sondern kontrolliert
Guillem Farres‘ Aussage klingt zunächst relativ unspektakulär. „Im zweiten Lauf hatte ich ein deutlich besseres Tempo als im ersten und konnte den Vorsprung bis zum Sieg kontrollieren.“
Gerade das Wort kontrollieren macht den Unterschied. Farres musste den Sieg nicht mit einem letzten Angriff erzwingen. Er hatte die Geschwindigkeit, setzte sich ab und konnte anschließend auf den Abstand reagieren.
Das ist eine andere Qualität als ein einzelner schneller Lauf oder ein überraschender Sieg.
Vor allem nach den Rückschlägen der vergangenen Wochen zeigt Farres damit, dass er nicht nur schnell genug ist, um vorne mitzufahren. Wenn Start und Gefühl passen, kann er ein Rennen von vorne bestimmen.
McLellan: Eine ungewöhnlich nüchterne Grenze
Camden McLellan war ebenfalls bemerkenswert eindeutig. „Dritter und Vierter waren heute das Maximum.“ Für einen Fahrer mit seinem Anspruch klingt das zunächst wenig kämpferisch. Tatsächlich spricht es eher für eine realistische Einschätzung seines Wochenendes.
Afyon gehört nicht zu den Strecken, auf denen McLellan sich besonders wohlfühlt. Am Sonntag war sein Gefühl besser als am Vortag, trotzdem fehlte ihm etwas auf die Spitze.
Statt daraus ein großes Problem zu machen, akzeptierte er die Punkte. Das kann in dieser Phase der Saison durchaus wertvoll sein. Nicht an jedem Wochenende lässt sich ein Sieg erzwingen.
China und Australien sieht McLellan offenbar als bessere Gelegenheiten, wieder mehr aus sich herauszuholen.
Sacha Coenen: Diesmal war das Rennen nebensächlich
Eine Woche zuvor hatte Sacha Coenen nach Arnhem noch ziemlich kämpferisch geklungen. In der Türkei war davon verständlicherweise nichts übrig. „Ich kann froh sein, dass ich mich bei diesem Crash nicht verletzt habe. Ein Wochenende zum Vergessen, und wir versuchen es wieder.“
Schon am Morgen fühlte sich Coenen nicht gut. Konzentration und Blickführung bereiteten ihm Probleme. Unter diesen Umständen war der heftige Sturz beinahe die logische Warnung, dass an diesem Tag nicht viel zusammenpasste.
Dass er unverletzt blieb, war wichtiger als jedes Ergebnis. Afyon sollte man bei ihm deshalb auch nicht überbewerten. Es war weniger ein sportlicher Rückschritt als ein Wochenende, an dem Fahrer und Strecke nie wirklich zusammenfanden.
Janis Reisulis: Viel Speed, aber noch zu viele verlorene Chancen
Bei Janis Reisulis zeigt die Ergebnisliste kaum, was tatsächlich möglich gewesen wäre.
Im ersten Lauf stürzte er bereits in der ersten Runde und kam anschließend vom letzten Platz bis auf Rang sechs zurück. „Mein Speed und meine Intensität waren wirklich, wirklich gut.“ Das ist angesichts dieser Aufholjagd keine übertriebene Selbsteinschätzung.
Im zweiten Lauf folgte allerdings wieder ein Sturz in Runde eins. Diesmal brach der Kupplungshebel. Weil Reisulis das Motorrad anschließend nicht ohne fremde Hilfe starten konnte, folgte die Disqualifikation. „Ich weiß, dass ich den Speed habe und dass alles da ist.“
Genau darin liegt momentan aber auch sein Problem. Der Speed ist vorhanden. Er muss nur häufiger zu einem kompletten Ergebnis werden. Zwei Stürze in der ersten Runde desselben Renntages lassen sich irgendwann nicht mehr nur unter Pech verbuchen. Reisulis muss die Geschwindigkeit jetzt mit der nötigen Ruhe in den ersten Rennminuten verbinden.
Karlis Reisulis: Diesmal lag es nicht am Motorrad
Karlis Reisulis war in seiner Einschätzung ebenfalls ziemlich selbstkritisch. „Ich hatte an diesem Wochenende Probleme und habe mich auf dem Motorrad überhaupt nicht wie ich selbst gefühlt.“
Im ersten Lauf fehlte ihm nach eigener Aussage sogar die Konzentration auf das Renngeschehen. Fehler folgte auf Fehler. Bemerkenswert ist, dass er nicht versucht, die Ursache beim Team oder beim Motorrad zu suchen.
Im zweiten Lauf wurde es besser, aber nicht gut genug, um entscheidend nach vorne zu kommen. Seine Schlussfolgerung ist deshalb passend: „Es war kein Wochenende, auf das ich stolz sein kann, aber definitiv eines, aus dem ich lernen kann.“
Für Karlis geht es vor China weniger darum, das Motorrad neu zu erfinden. Er muss wieder zu dem Gefühl zurückfinden, das ihn normalerweise auszeichnet.
Karssemakers: Gute Starts verändern plötzlich das ganze Wochenende
Kay Karssemakers brachte seine Erleichterung bereits mit dem ersten Satz auf den Punkt. „Endlich zwei gute Läufe an einem Tag.“ Nach mehreren Rückschlägen ist das für ihn wichtiger, als es zunächst klingt.
Karssemakers sieht sein grundsätzliches Tempo nicht als Problem. Seine Aussage zeigt vielmehr, wie stark seine Ergebnisse davon abhängen, ob er sich früh genug im richtigen Teil des Feldes befindet.
Diesmal gelangen zwei brauchbare Starts. Plötzlich konnte er zeigen, was möglich ist. Im ersten Lauf kostete ihn ein kleiner Sturz beim Angriff auf Julius Mikula einige Plätze. Im zweiten arbeitete er sich schnell von sieben auf fünf nach vorne. Selbst eine Phase mit Armpump brachte ihn nicht komplett aus dem Rhythmus.
Für ihn war Afyon deshalb vor allem eine Bestätigung: Wenn die Ausgangsposition stimmt, gehört er weiter nach vorne, als einige seiner vergangenen Resultate vermuten lassen.
Die Aussagen erzählen mehr als die Ergebnisliste
Afyon war ein gutes Beispiel dafür, warum Fahrerstatements interessanter werden, wenn man sie nicht nur als nachträgliche Beschreibung der Rennen liest.
Herlings spricht unmittelbar nach seinem sechsten WM-Titel bereits davon, den Lauf bis ins kommende Jahr mitzunehmen. Vialle betrachtet einen starken zweiten Platz nicht mehr als Erfolg an sich, sondern als Beweis dafür, dass der erste Sieg greifbar ist. Febvre ist überzeugt, dass ihm nicht der Speed, sondern der Start bessere Resultate nimmt.
In der MX2 bekam Längenfelder nach Wochen des Suchens endlich die Bestätigung eines Laufsiegs. Farres zeigte, dass er ein Rennen nicht nur gewinnen, sondern kontrollieren kann. Und bei Janis Reisulis wird immer deutlicher, dass Geschwindigkeit momentan nicht sein Problem ist – sondern daraus zuverlässig Ergebnisse zu machen.
Hier unterscheiden sich die Situationen. Bei einigen Fahrern fehlt Speed. Bei anderen Gesundheit, Starts, Konstanz oder schlicht Vertrauen. Und bei Jeffrey Herlings? Der hat gerade seinen sechsten WM-Titel gewonnen – und klingt trotzdem schon wieder so, als wäre ihm das nächste Ziel wichtiger als das gerade erreichte.
