Sextons Problem ist nicht die Kawasaki

Chase Sexton ist nach Runde 2 der Pro Motocross Meisterschaft 2026 weiterhin Gesprächsthema

Chase Sexton ist nach Runde 2 der Pro Motocross Meisterschaft 2026 weiterhin Gesprächsthema. / Foto: MX Sports Pro Racing, Inc

Seit Chase Sextons Wechsel zu Kawasaki wird nahezu jedes durchwachsene Ergebnis auf das Motorrad geschoben. Nach der zweiten AMA Pro Motocross Runde in Hangtown bekommt diese Sichtweise jedoch Gegenwind – und zwar von zwei Fahrern, deren Meinung im amerikanischen Motocross Gewicht hat.

Ryan Villopoto und Ricky Carmichael sehen die Ursachen für Sextons aktuelle Situation nicht in erster Linie bei der KX450.

Villopoto fährt die KX450 selbst

Villopoto machte iim Tite 24-Podcast keinen Hehl daraus, dass er die Kritik am Motorrad für überzogen hält. Der ehemalige Kawasaki-Werksfahrer sitzt nach eigenen Angaben regelmäßig auf einer serienmäßigen KX450. Abgesehen von seinem Lenker fährt er das Motorrad praktisch im Auslieferungszustand.

Für ihn steht deshalb fest, dass mit der Kawasaki deutlich mehr möglich ist als die Ergebnisse zuletzt vermuten lassen.

Vor allem die wiederkehrenden Stürze sieht Villopoto nicht als reines Motorradproblem. Irgendwann müsse ein Fahrer akzeptieren, welche Eigenschaften ein Motorrad mitbringt und seinen Fahrstil entsprechend anpassen.

Carmichael erinnert an frühere Meisterschaften

Auch Ricky Carmichael widerspricht der Vorstellung, dass ein Motorrad perfekt sein muss, um Rennen zu gewinnen. Der Rekordchampion erinnerte daran, dass viele Titel auf Motorrädern gewonnen wurden, die ihre Schwächen hatten. Entscheidend sei nicht, ob Probleme existieren, sondern wie Fahrer und Team damit umgehen.

Diesen Punkt sehen beide ähnlich: Wer lange genug auf einem Motorrad sitzt, kennt dessen Grenzen. Ab diesem Punkt geht es nicht mehr nur um technische Änderungen, sondern auch darum, die vorhandenen Stärken bestmöglich zu nutzen.

Marchbanks liefert das Gegenargument

Besonders interessant war dabei Villopotos Verweis auf Garrett Marchbanks. Während sich die Diskussionen rund um Sexton und die Kawasaki Woche für Woche wiederholen, fuhr Marchbanks in Hangtown mit Platz 6 und 5 auf Rang fünf der Tageswertung.

Natürlich wird niemand behaupten, dass Marchbanks aktuell auf dem Niveau eines Chase Sexton unterwegs ist. Trotzdem zeigt sein Wochenende, dass die Kawasaki nicht automatisch ein Hindernis für konkurrenzfähige Ergebnisse darstellt.

Genau hier setzt ihre Argumentation an.

Die Kritik trifft nicht Kawasaki

Dass die Kawasaki noch Entwicklungspotenzial besitzt, bestreitet niemand. Das gilt allerdings für nahezu jedes Motorrad im Fahrerlager. Bemerkenswert an den Aussagen von Villopoto und Carmichael ist vielmehr, dass beide die Verantwortung inzwischen stärker beim Fahrer sehen als beim Material.

Eine Position, die nicht jeder teilen wird.

Im Fahrerlager dürfte die Diskussion damit jedenfalls weitergehen. Villopoto und Carmichael stellen sich jedoch damit klar gegen die weit verbreitete Theorie, dass die Kawasaki allein für Sextons Probleme verantwortlich sei.