Alex Salvini: Warum ein gutes Setup mehr zählt als zusätzliche PS
Alex Salvini Warum Fahrwerksarbeit oft unterschätzt wird. / Foto: Fantic
13 italienische Meistertitel, Erfolge in der Enduro-Weltmeisterschaft und Starts bei der Rallye Dakar: Alex Salvini kennt den Offroad-Sport aus nahezu jeder Perspektive. Heute arbeitet der Italiener als Enduro Racing Manager bei Fantic, begleitet die Entwicklung neuer Motorräder und beschäftigt sich intensiv mit Fahrwerksabstimmungen. Im Gespräch spricht Salvini über die Bedeutung eines funktionierenden Setups, seine langjährige Zusammenarbeit mit der Andreani Group und darüber, warum moderne Technik den Fahrer nicht ersetzen kann.
Eine Zusammenarbeit über viele Jahre
Die Verbindung zwischen Salvini und der Andreani Group reicht weit zurück. Bereits als junger Fahrer kam er erstmals mit Firmengründer Giuseppe Andreani in Kontakt.
Später arbeitete er während seiner Zeit bei Honda Brasilien intensiv mit Produkten und Technikern des Unternehmens zusammen. Die Erfahrungen waren offenbar so positiv, dass Salvini die Zusammenarbeit auch bei späteren Projekten aktiv unterstützte.
Heute ist Andreani in zahlreiche Entwicklungsarbeiten rund um Fantic eingebunden und begleitet regelmäßig Testprogramme sowie Fahrwerksabstimmungen.
Andreani als fester Bestandteil des Motorsports
Die Andreani Group wurde vor mehr als 40 Jahren in Italien gegründet und hat sich auf Fahrwerkssysteme und technische Lösungen für Motorräder, Automobile und Fahrräder spezialisiert.
Das Unternehmen ist in zahlreichen internationalen Rennserien vertreten und arbeitet dort eng mit Teams, Fahrern und Herstellern zusammen. Neben dem Vertrieb bekannter Fahrwerksmarken entwickelt Andreani auch eigene Komponenten und technische Werkzeuge. Hinzu kommen Serviceleistungen wie Fahrwerksüberholungen, Streckenbetreuung bei Rennveranstaltungen und Schulungsprogramme für Werkstätten und Techniker.
Gerade dieser technische Austausch ist für Salvini ein wichtiger Bestandteil der Zusammenarbeit.
Fahrwerk vor Motorleistung
Viele Fahrer beschäftigen sich zuerst mit Motorleistung, Mapping oder Auspuffanlagen. Für Salvini liegt die Priorität jedoch an anderer Stelle. „Die ersten Dinge, die ich an einem Motorrad anpasse, sind immer Fahrwerk und Ergonomie“, erklärt er.
Ein leistungsstarker Motor bringe wenig, wenn der Fahrer dem Motorrad nicht vertraut oder die Kraft nicht kontrolliert auf den Boden bringen kann. Deshalb beginnt für ihn jedes Setup bei der Sitzposition, den Fußrasten, dem Lenker und dem Fahrwerk.
Enduro stellt besondere Anforderungen
Während Motocross-Fahrer häufig auf ähnliche Streckenbedingungen treffen, sieht die Situation im Enduro deutlich anders aus. Innerhalb eines Renntages wechseln oft Sand, Steine, Wurzeln, ausgefahrene Spurrillen und harte Böden. Dadurch wird die Suche nach der richtigen Abstimmung deutlich komplexer.
„Man sucht nicht nach dem perfekten Setup für eine Situation, sondern nach einer Abstimmung, die unter möglichst vielen Bedingungen funktioniert“, sagt Salvini. Ein Motorrad müsse in jeder Situation berechenbar bleiben und dem Fahrer Vertrauen vermitteln.
Warum das Vorderrad so wichtig ist
Wenn Salvini über Vertrauen spricht, landet er schnell beim Vorderrad. Je höher das Tempo wird, desto wichtiger wird für ihn das Gefühl an der Front. Dort entscheidet sich oft, ob ein Fahrer eine Linie angreifen kann oder lieber etwas Sicherheitsreserve einplant.
Deshalb misst er der Fahrwerksabstimmung an der Frontpartie eine besondere Bedeutung bei. Für viele Hobbyfahrer sei genau dieser Bereich oft interessanter als zusätzliche Motorleistung.
Wissen weitergeben
Neben der Entwicklung von Komponenten setzt Andreani seit Jahren auf Schulungen und technische Weiterbildung. Diesen Ansatz verfolgt auch Salvini in seiner eigenen Ride Academy. Dort geht es nicht nur um Fahrtechnik, sondern auch darum, Fahrern die Zusammenhänge zwischen Motorrad, Fahrwerk und Fahrverhalten verständlich zu machen.
Wer versteht, warum ein Motorrad auf bestimmte Einstellungen reagiert, könne gezielter arbeiten und schneller Fortschritte erzielen.
Der Fahrer macht den Unterschied
Trotz aller technischen Entwicklungen sieht Salvini den größten Einfluss weiterhin beim Fahrer selbst. „Ein guter Fahrer kann ein durchschnittliches Fahrwerk eher kompensieren als ein durchschnittlicher Fahrer ein perfektes Fahrwerk nutzen kann.“
Moderne Motorräder bewegen sich heute auf einem sehr hohen Niveau. Unterschiede entstehen deshalb häufig nicht durch einzelne Bauteile, sondern durch das Zusammenspiel aus Fahrer, Motorrad und Abstimmung.
Hier liegt für Salvini die eigentliche Herausforderung – und gleichzeitig der Grund, warum Themen wie Fahrwerk und Setup im Offroad-Sport seit Jahren an Bedeutung gewinnen.
