Oriol Oliver widmet erstes MX1-Podium verstorbenen Freund
Oriol Oliver widmete sein erstes MX1-Podium seinem kürzlich verstorbenen Freund Enzo Badenas. / Foto: Oliver
Der erste große Formcheck der Saison wurde für Oriol Oliver gleich zu einem echten Statement. Bei den Internazionali d’Italia EICMA Series 2026 in Alghero überzeugte der Spanier bei seinem Debüt auf der 450ccm-Maschine mit einer reifen, abgeklärten Leistung – und machte deutlich, dass er in der Königsklasse nicht nur zum Lernen angetreten ist.
Dabei begann das Wochenende zunächst unscheinbar. Im Zeittraining fand Oliver keinen wirklich sauberen Rhythmus, blieb ohne freie Runde und musste sich mit Rang zwölf zufriedengeben. Auf dem Papier ein Rückstand, der größer wirkte, als er tatsächlich war. Denn sobald das Gatter fiel, zeigte sich ein ganz anderes Bild.
Starke Starts als Schlüssel
Auf der durch Regen aufgeweichten Strecke von Alghero waren Starts entscheidend – und genau hier spielte Oliver seine Stärke aus. In beiden Wertungsläufen kam er hervorragend aus dem Gatter, positionierte sich früh im Vorderfeld und konnte seinen Speed auf einer Strecke zeigen, auf der Überholen zur Geduldsprobe wurde.
Im ersten Lauf kämpfte der Spanier – wie viele seiner Konkurrenten – mit Arm-Pump, brachte das Rennen aber kontrolliert ins Ziel und sicherte sich einen starken dritten Platz. Gerade für ein erstes Rennen auf der 450er unter diesen Bedingungen ein Ergebnis mit Aussagekraft.
Auch im zweiten Durchgang gelang ihm erneut ein guter Start. Nach einem kleinen Positionsverlust in der ersten Kurve musste Oliver mehr arbeiten als noch im ersten Lauf, blieb jedoch ruhig, nutzte Fehler anderer Fahrer und fand schnell wieder seinen Rhythmus. Platz vier im Ziel rundete einen konstanten Auftritt ab.
Platz drei gesamt – und viel mehr als nur Zahlen
Mit den Plätzen drei und vier beendete Oliver den Tag auf Rang drei der Gesamtwertung, punktgleich mit dem fünffachen Weltmeister Tim Gajser. Noch bemerkenswerter als das Resultat selbst war die Art und Weise, wie es zustande kam. Oliver wirkte weder überfordert noch hektisch, sondern kontrolliert, fokussiert und bemerkenswert souverän auf dem großen Bike.
Eine besondere Bedeutung hatte für ihn dabei auch seine neue Startnummer. 2026 tritt der Spanier mit der Nummer 83 an – eine bewusste Wahl, die für ihn persönlich viel bedeutet. Entsprechend emotional fiel auch sein Fazit aus. Er sprach von einem sehr positiven Auftakt, von der harten Arbeit in der Vorbereitung, die sich ausgezahlt habe, und von einem Motorrad, mit dem er sich auf Anhieb wohlfühle.
Sein Dank galt dabei nicht nur dem Team und seiner Familie, sondern auch seinem kürzlich verstorbenen Freund Enzo Badenas, dem er dieses Rennen widmete – ein persönlicher Moment, der dem sportlichen Erfolg zusätzliche Tiefe verlieh.
Ein Einstand mit Signalwirkung
Natürlich bleibt Alghero ein Vorbereitungslauf. Doch unter schwierigen Bedingungen, auf tiefem Boden und gegen erfahrene Konkurrenz zeigte Oriol Oliver genau das, was man sich von einem gelungenen 450ccm-Einstieg erhofft: starke Starts, konstante Rennpace und die Fähigkeit, auch dann ruhig zu bleiben, wenn nicht alles perfekt läuft.
Wenn dieser erste Auftritt ein Hinweis darauf ist, was 2026 möglich ist, dann dürfte man den Namen Oriol Oliver in der MX1-Klasse schon sehr bald deutlich häufiger im vorderen Bereich lesen.
