MXGP of Italy: Fahrer rechnen mit Montevarchi ab

Zahlreiche Zuschauer feierten mit den Siegern des MXGP of Italy in Montevarchi

Zahlreiche Zuschauer feierten mit den Siegern des MXGP of Italy in Montevarchi

Der MXGP of Italy sollte die Rückkehr eines traditionsreichen Austragungsortes feiern. Stattdessen sorgte Montevarchi über das gesamte Wochenende für Diskussionen. Während die Rennen sportlich ihren Verlauf nahmen, wurde die Kritik an den Streckenbedingungen von Tag zu Tag lauter.

Bereits im Zeittraining hatten zahlreiche Fahrer mit Staub und schlechter Sicht zu kämpfen. Spätestens nach den Rennen war klar, dass die Probleme nicht nur einzelne Fahrer betrafen.

„Wir hätten gar nicht hierher kommen sollen“

Die deutlichsten Worte fand Sacha Coenen. Der KTM-Pilot hatte bereits am Samstag kein Verständnis für die Bedingungen und sparte nach dem Wochenende nicht mit Kritik. „Ich war wirklich nicht glücklich über die Streckenbedingungen.“

Doch dabei beließ es der Belgier nicht. „Ich denke, wir hätten gar nicht hierher kommen sollen.“ Eine bemerkenswerte Aussage eines Fahrers, der am Ende selbst auf dem Podium stand. Coenen kritisierte dabei nicht nur den Zustand der Strecke, sondern auch den Umgang mit den Hinweisen der Fahrer.

„Ich habe versucht ihnen zu erklären, was gefährlich ist. Wir haben zwei Fahrer stürzen sehen, aber für Sonntag wurde nichts geändert.“ Deutlicher lässt sich die Unzufriedenheit eines Spitzenfahrers kaum formulieren.

Vlaanderen: „Die Strecke war ein Witz“

Noch schärfer äußerte sich Calvin Vlaanderen. Der Ducati-Pilot nahm nach dem Wochenende kein Blatt vor den Mund und bezeichnete die Bedingungen offen als unzureichend. „Ehrlich gesagt war die Strecke ein Witz.“

Besonders das Zeittraining sorgte bei ihm für Kopfschütteln. „Teilweise konnte ich keine zehn Meter weit sehen.“ Gerade in einer Weltmeisterschaft, in der Fahrer mit Geschwindigkeiten von weit über 60 km/h um jede Zehntelsekunde kämpfen, sind solche Aussagen alarmierend.

Vlaanderen stellte anschließend sogar die grundsätzliche Eignung Montevarchis als Grand-Prix-Strecke infrage. „Persönlich würde ich nicht hierher zurückkommen wollen.“ Ein vernichtendes Urteil für einen Veranstaltungsort, der erst nach vielen Jahren wieder in den WM-Kalender zurückgekehrt ist.

Herlings sieht Probleme abseits der Spitze

Auch Montevarchi Grand-Prix-Sieger Jeffrey Herlings sprach die Schwächen der Strecke offen an. Der Niederländer machte deutlich, dass die Bedingungen vor allem für Fahrer problematisch wurden, die sich durch das Feld kämpfen mussten.

„Wenn du den Holeshot holst und führst, ist es eine schöne Strecke. Wenn nicht, ist es eine schreckliche Strecke.“ Herlings verwies dabei auf zwei Probleme, die sich durch das gesamte Wochenende zogen: Steine und mangelnde Überholmöglichkeiten. „Die Steine tun weh.“ und „Es ist sehr schwierig zu überholen.“

Vor allem im Mittelfeld mussten viele Fahrer permanent mit herumfliegenden Steinen kämpfen. Wer keinen perfekten Start erwischte, bezahlte dafür häufig mit eingeschränkter Sicht und zusätzlichen Risiken.

Renaux: Technisch, aber grenzwertig

Maxime Renaux formulierte seine Kritik zwar diplomatischer, doch auch der Yamaha-Pilot beschrieb die Bedingungen als problematisch. „Die Strecke war extrem technisch und ziemlich heikel.“

Vor allem die Kombination aus hartem Untergrund, tiefen Rillen, Steinen und der Leistung moderner MXGP-Motorräder habe die Fehlerquote deutlich erhöht.

Renaux gehörte damit zu den Fahrern, die weniger die Streckenführung selbst kritisierten, sondern die Art und Weise, wie sich die Bedingungen im Laufe des Wochenendes entwickelten.

Kritik auf der Strecke, andere Eindrücke am Bildschirm

Interessant ist dabei, dass die Wahrnehmung außerhalb des Fahrerlagers teilweise deutlich anders ausfiel.

In Gesprächen mit mehreren Journalistenkollegen, die die Rennen ausschließlich am Bildschirm verfolgt hatten, überwogen eher positive Eindrücke. Gelobt wurden die Streckenführung als auch die Tatsache, dass fahrerische Fehler unmittelbar bestraft wurden. Aus Zuschauersicht bot Montevarchi teilweise genau das, was viele Fans von einer klassischen Motocross-Strecke erwarten.

Genau darin liegt jedoch der Unterschied zwischen der Perspektive vor dem Fernseher und jener der Fahrer auf der Strecke.

Während Zuschauer vor allem die Linienwahl, Überholmanöver und den sportlichen Wettbewerb wahrnehmen, erleben die Fahrer die Bedingungen unmittelbar. Staub, herumfliegende Steine und eingeschränkte Sicht lassen sich über Fernsehbilder nur bedingt transportieren. Dass ausgerechnet Fahrer wie Jeffrey Herlings, Sacha Coenen, Maxime Renaux oder Calvin Vlaanderen nach dem Wochenende derart deutliche Worte fanden, zeigt deshalb, dass die Kritik nicht allein auf subjektivem Empfinden beruhte.

Mehr als nur ein Wetterproblem

Natürlich spielte die Hitze eine Rolle. Doch die Kritik der Fahrer richtete sich nicht allein gegen die sommerlichen Temperaturen. Mehrere Fahrer verwiesen darauf, dass Montevarchi bereits beim Streckenrundgang auffällig trocken gewesen sei. Auch aus der MX2-Klasse kamen ähnliche Stimmen. Noél Zanocz erklärte, dass die Strecke bei früheren Veranstaltungen deutlich besser vorbereitet gewesen sei.

Genau hier beginnt die eigentliche Diskussion. Staub lässt sich bei sommerlichen Bedingungen nie vollständig vermeiden. Wenn jedoch mehrere Spitzenfahrer einer Weltmeisterschaft von mangelnder Sicht, Sicherheitsproblemen und unzureichender Präparation sprechen, geht die Debatte weit über gewöhnliche Fahrerbeschwerden hinaus.

Schwierige Fragen für die Zukunft

Die Rückkehr Montevarchis wurde im Vorfeld als Erfolgsgeschichte verkauft. Nach dem Rennwochenende bleiben jedoch einige unbequeme Fragen zurück.

Wenn Fahrer von einer „Witz-Strecke“ sprechen, erklären, man hätte „gar nicht hierher kommen sollen“, oder offen sagen, dass sie nicht zurückkehren möchten, dann ist das mehr als die übliche Kritik nach einem schwierigen Rennwochenende.

Der Miravalle-Kurs besitzt zweifellos Geschichte. Doch die Aussagen der Fahrer zeigen, dass Tradition allein nicht genügt. Eine moderne Motocross-Weltmeisterschaft stellt Anforderungen, die weit über einen bekannten Namen im Kalender hinausgehen. In Montevarchi entstand an diesem Wochenende bei vielen Beteiligten der Eindruck, dass genau diese Anforderungen nicht überall erfüllt wurden.