Loket: Was die Fahrer wirklich sagten

Start der MXGP Klasse beim Grand Prix in Loket

Start der MXGP Klasse beim Grand Prix in Loket

Die Ergebnislisten verraten, wer gewonnen hat. Die Aussagen danach erzählen meist die spannendere Geschichte. Nach dem Grand Prix von Loket ging es nur selten um die Platzierungen selbst. Stattdessen sprachen die Fahrer über Schmerzen, Selbstvertrauen, Entwicklungsarbeit oder kleine Fehler mit großen Folgen. Liest man die Statements genauer, zeigt sich, wo die Teams derzeit wirklich stehen.

Herlings bleibt trotz des Red Plate auf dem Boden

Jeffrey Herlings hätte kaum mehr aus dem Wochenende herausholen können. Sieg im Qualifikationsrennen, zwei Laufsiege und damit die Führung in der Weltmeisterschaft.

Wer nun erwartet hatte, dass der Niederländer vom Titel spricht, wurde enttäuscht. „Ich weiß, dass ich jetzt das Red Plate habe, aber ich weiß auch, dass das im Moment eigentlich nichts bedeutet. Ich muss in den letzten sechs Rennen weiter solche Leistungen zeigen.“

Diese Aussage passt zu Herlings. Er weiß aus eigener Erfahrung, wie schnell sich eine Weltmeisterschaft drehen kann. Deshalb bewertet er nicht die Tabellenführung, sondern seine Leistung. Erst wenn am Saisonende die Goldene Startnummer feststeht, misst er dem Ganzen Bedeutung bei.

Ebenso interessant war seine Einschätzung zur Honda. „Die Honda funktioniert auf diesem harten Untergrund richtig gut. Mit drei guten Starts wurde mein Leben natürlich deutlich einfacher.“

Für Herlings war Loket deshalb kein Wochenende spektakulärer Überholmanöver, sondern eines, in dem er das Geschehen von der Spitze aus kontrollieren konnte.

Febvre denkt weiter nur an seine eigene Leistung

Romain Febvre musste sich seinen Podiumsplatz hart erarbeiten.

Nach Rang zwei im ersten Lauf geriet er im zweiten Rennen direkt in der ersten Kurve in einen Massensturz. „Mein Motorrad war zwischen anderen Motorrädern eingeklemmt. Es hat ungefähr zwanzig Sekunden gedauert, bis ich wieder weiterfahren konnte.“ Dass er sich trotzdem noch bis auf Platz fünf nach vorne kämpfte, machte ihn fast stolzer als das Podium selbst.

Noch wichtiger war aber seine Aussage zur Weltmeisterschaft. „An meiner Herangehensweise im Titelkampf hat sich nichts geändert. Ich versuche immer, so gut wie möglich zu fahren. Nur so kann man um die Weltmeisterschaft kämpfen.“

Während andere bereits rechnen, bleibt Febvre seiner Linie treu. Er beschäftigt sich nicht mit Punkteständen, sondern ausschließlich mit seiner eigenen Leistung.

Lucas Coenen kämpft derzeit gegen die Schmerzen

Bei Lucas Coenen fiel das Statement deutlich kürzer aus. „Ich habe alles versucht, um für Loket bereit zu sein – Physiotherapie, Massagen … Aber ich hatte den ganzen Tag Schmerzen.“

Mehr musste der Belgier kaum sagen. Seine Geschwindigkeit war an diesem Wochenende nicht das Problem. Vielmehr setzt ihm die Verletzung weiterhin zu. Deshalb richtet sich sein Blick bereits auf Lommel – in der Hoffnung, dort körperlich einen Schritt weiter zu sein.

Gajser erkennt endlich Fortschritte

Tim Gajser verließ Loket zwar nicht mit dem Ergebnis, das er sich erhofft hatte, seine Aussagen klangen dennoch deutlich optimistischer als zuletzt. „Wir haben an diesem Wochenende viele verschiedene Dinge ausprobiert. Vor dem zweiten Lauf haben wir große Änderungen vorgenommen, und das hat definitiv geholfen.“

Der Yamaha-Pilot sprach erstmals seit längerer Zeit davon, dass eine Veränderung tatsächlich den gewünschten Effekt brachte. Die Geschwindigkeit stimmte im zweiten Lauf deutlich eher, Herlings war in Reichweite und gleichzeitig konnte sich Gajser vom Rest des Feldes lösen.

Die Probleme sind damit nicht verschwunden – aber Yamaha scheint endlich eine Richtung gefunden zu haben.

Fernández gibt sich mit Platz vier nicht zufrieden

Rubén Fernández landete erneut direkt hinter den Podiumsplätzen. „Ich würde natürlich gerne auf dem Podium stehen. Es sind aber noch sechs Grand Prix übrig und ich bin entschlossen, es bis zum Saisonende noch zu schaffen.“

Fernández akzeptiert seine Rolle als erster Verfolger der Spitzengruppe nicht mehr. Seine Aussagen zeigen deutlich, dass Platz vier für ihn inzwischen eher Ansporn als Erfolg ist.

Vialle sieht seine Arbeit bestätigt

Tom Vialle stand nach schwierigen Wochen wieder auf dem Podium. „Ich habe extrem hart gearbeitet und jetzt zahlt sich diese Arbeit aus.“ Der Franzose erinnerte gleichzeitig daran, dass dies seine erste Saison zurück in der MXGP und auf einer 450er ist. Gerade deshalb bewertet er das Ergebnis als wichtigen Schritt.

Mit seinen zuletzt starken Starts sieht Vialle noch weiteres Potenzial.

Farres fährt inzwischen wie ein Titelkandidat

Vier Grand-Prix-Siege in Folge kommen nicht zufällig zustande. Bemerkenswert war vor allem, wie Guillem Farres den zweiten Lauf analysierte. „Ich habe versucht, das Tempo von Liam Everts mitzugehen, aber er ist wirklich sehr gut gefahren. Deshalb habe ich mich mit Platz zwei zufriedengegeben und den Gesamtsieg gesichert.“

Diese Aussage zeigt, wie sehr sich der Triumph-Pilot verändert hat. Statt jeden Lauf um jeden Preis gewinnen zu wollen, denkt er inzwischen an das Gesamtbild. Genau diese Ruhe zeichnet aktuell seine Serie aus.

Everts holt sich das, was ihm gefehlt hat

Liam Everts erlebte zwei völlig unterschiedliche Rennen. Nach dem Sturz in der ersten Kurve des ersten Laufs kämpfte er sich noch bis auf Platz zwölf nach vorne. Im zweiten Rennen übernahm er früh die Führung und ließ sich den Sieg nicht mehr nehmen. „Das war genau das, was ich für mein Selbstvertrauen gebraucht habe.“

Mit Blick auf den Heim-Grand-Prix in Lommel dürfte dieses Erfolgserlebnis kaum zu überschätzen sein.

Längenfelder sieht die Ursache bei sich selbst

Simon Längenfelder gewann das Qualifikationsrennen und kämpfte auch am Sonntag um die Spitze. Sein Fazit fiel trotzdem kritisch aus. „Der Sieg im Qualifikationsrennen war ein guter Start ins Wochenende und rückblickend wahrscheinlich der Höhepunkt.“

Im ersten Lauf kostete ihn ein kleiner Fehler mehrere Positionen. Im zweiten Rennen versuchte er, Guillem Farres hinter sich zu halten. „Ich habe versucht, Farres zu blockieren, aber dann habe ich einen Fehler gemacht.“ Auffällig ist dabei, dass Längenfelder an keiner Stelle seine Geschwindigkeit infrage stellte.

Zum Abschluss sagte er: „Ich muss jetzt neu starten, mich neu fokussieren und in Lommel wieder angreifen.“

McLellan kennt seine größte Baustelle

Camden McLellan stand zwar wieder auf dem Podium, wirklich zufrieden war er dennoch nicht. „Meine Starts waren einfach nicht gut genug. Daran müssen wir arbeiten.“

Für den Triumph-Piloten ist klar, wo er Zeit verliert. Nicht das Tempo bereitet ihm Sorgen, sondern die Ausgangsposition nach dem Start.

Adamo ärgert sich über einen einzigen Fehler

Andrea Adamo war überzeugt, dass in Loket ein Podiumsplatz möglich gewesen wäre. „Ich wusste, dass ich die Geschwindigkeit, die Starts und den Rhythmus hatte.“ Der Sturz in der zweiten Kurve des zweiten Laufs änderte alles. „Ich habe heute wieder etwas gelernt – ein dummer Fehler in der zweiten Kurve.“

Nicht das Ergebnis frustrierte den Italiener, sondern die Tatsache, dass er seine gute Ausgangslage selbst verspielt hatte.

Sacha Coenen spricht offen über seine Verfassung

Nur zehn Tage nach seiner Operation überhaupt in Loket anzutreten, war bereits bemerkenswert. Sacha Coenen machte keinen Versuch, seine Situation schönzureden. „Mir fehlte Energie und ich habe einfach versucht zu überleben.“

Mehr Ehrlichkeit geht kaum.

Die Reisulis-Brüder erleben ein besonderes Wochenende

Karlis Reisulis erklärte seinen Leistungssprung mit Veränderungen am Motorrad. „Unser Fahrwerkstechniker hat die richtigen Anpassungen vorgenommen.“ Mit dem neuen Gefühl auf dem Motorrad gelangen ihm zwei starke Läufe.

Sein Bruder Janis dachte nach dem Rennen zunächst gar nicht an sich selbst. „Glückwunsch an meinen Bruder zum Podium. Ich freue mich wirklich sehr für ihn.“ Erst anschließend sprach er darüber, dass ihn Armpump im zweiten Lauf eingebremst hatte.

Doensen fühlt sich endlich bestätigt

Für Gyan Doensen bedeutete Gesamtrang neun deutlich mehr als ein ordentliches WM-Ergebnis. „Ich freue mich sehr, das Potenzial gezeigt zu haben, von dem ich weiß, dass ich es habe.“ Nach einer schwierigen Saison fühlt sich seine Entwicklung erstmals auch in den Resultaten bestätigt.

Spies meldet sich stärker zurück als erwartet

Maximilian Spies überraschte nach seiner langen Pause sogar sich selbst. „Ich hatte nach der langen Rennpause nicht damit gerechnet, direkt wieder so gut dabei zu sein – ich bin stärker zurückgekommen als gedacht.“ Vor allem die verbesserten Starts und die Fortschritte am Motorrad machen ihm Mut. Gleichzeitig ärgerte er sich darüber, dass ihm gegen Rennende die Kraft fehlte und ein Sturz ein mögliches Top-15-Ergebnis verhinderte.

Van Doninck und Renaux fehlt das Rennglück

Brent Van Doninck sah ein Top-Ten-Ergebnis bereits vor Augen. „Ein anderer Fahrer stürzte direkt vor mir. Ich traf sein Motorrad und ging ebenfalls zu Boden.“ Trotzdem blickt der Belgier mit Vorfreude auf seinen Heim-Grand-Prix in Lommel.

Maxime Renaux musste dagegen erneut einen Rückschlag verkraften. „Ich habe an diesem Wochenende wieder alles gegeben.“ Nach seinem Sturz im ersten Lauf war das Motorrad zu stark beschädigt, um weiterzufahren. Rang sechs im zweiten Lauf war unter diesen Umständen das Maximum.

Loket zeigte, worauf es jetzt ankommt

Die Stimmen aus Loket machten deutlich, dass die Unterschiede an der Spitze inzwischen oft nur noch in Nuancen liegen.

Jeffrey Herlings denkt trotz des Red Plate noch lange nicht an den Titel. Romain Febvre bleibt seiner Linie treu und konzentriert sich ausschließlich auf seine Leistung. Lucas Coenen kämpft derzeit vor allem gegen die Schmerzen. Guillem Farres überzeugt mit einer Gelassenheit, die an einen Titelkandidaten erinnert, während Simon Längenfelder weiß, dass ihm nicht die Geschwindigkeit fehlt, sondern die letzten fehlerfreien Runden.

Loket war damit mehr als nur ein weiterer Grand Prix. Die Aussagen der Fahrer zeigen, wer mit wachsendem Selbstvertrauen nach Lommel reist, wer noch Antworten sucht – und wer längst verstanden hat, dass eine Weltmeisterschaft oft nicht mit spektakulären Siegen entschieden wird, sondern mit möglichst wenigen Fehlern.