Jago Geerts: Warum Platz sieben für ihn mehr wert ist als mancher Podestplatz

Jago Geerts beim Grand Prix in Loket

Jago Geerts beim Grand Prix in Loket

Vor nicht allzu langer Zeit gehörte Jago Geerts zu den prägenden Gesichtern der MX2-Weltmeisterschaft. 25 Grand-Prix-Siege, viermal Vizeweltmeister und über Jahre einer der konstantesten Fahrer im Feld – der Belgier schien für eine erfolgreiche Zukunft in der MXGP-Klasse bestens gerüstet.

Die Realität sah jedoch anders aus.

Verletzungen bremsten den Aufstieg aus, das erste Jahr in der Königsklasse verlief weit unter den eigenen Erwartungen und auch der Wechsel ins MRT Beta Factory Team brachte zunächst nicht den erhofften Aufschwung. Statt um Podestplätze kämpfte Geerts häufig darum, überhaupt in die Top Ten vorzustoßen.

Der Grand Prix von Loket könnte nun ein erster Hinweis darauf sein, dass sich die harte Arbeit langsam auszahlt.

Ein Ergebnis, das auf den ersten Blick unscheinbar wirkt

Wer ausschließlich auf die Ergebnisliste schaut, entdeckt dort lediglich einen siebten Gesamtrang. Für Geerts steckt hinter diesem Resultat jedoch deutlich mehr als eine Platzierung.

Zum ersten Mal seit seinem Wechsel zu Beta gelang ihm der Sprung in die Top Ten eines Grand Prix. Gleichzeitig sammelte der Belgier so viele WM-Punkte wie an keinem anderen Rennwochenende der laufenden Saison. Vor Loket hatte er nie mehr als 15 Zähler an einem Grand Prix mitgenommen. In Tschechien kamen 28 Punkte hinzu.

Noch wichtiger war allerdings die Art und Weise, wie dieses Ergebnis zustande kam.

Konstanz statt eines einzelnen Ausreißers

In den vergangenen Monaten blitzte das Potenzial des Belgiers immer wieder auf. Einzelne schnelle Runden oder gute Rennabschnitte wechselten sich jedoch regelmäßig mit Rückschlägen ab. In Loket gelang ihm erstmals ein nahezu fehlerfreies Wochenende.

Bereits im Qualifikationsrennen fuhr Geerts auf Rang acht. Am Sonntag bestätigte er diese Leistung mit einem achten und einem neunten Platz in den beiden Wertungsläufen. Statt eines einzelnen guten Rennens lieferte der 25-Jährige drei konstante Ergebnisse gegen die starke Konkurrenz der MXGP-Klasse ab.

Genau diese Konstanz hatte ihm seit seinem Aufstieg aus der MX2 häufig gefehlt.

Der Weg zurück ist länger als viele erwartet hatten

Kaum ein Fahrer musste nach dem Wechsel in die MXGP-Klasse einen schwierigeren Neustart verkraften als Geerts.

Nach Jahren als Titelkandidat in der MX2 trafen ihn zunächst mehrere Verletzungen. Der Rhythmus ging verloren, das Selbstvertrauen litt und die Ergebnisse blieben hinter den Erwartungen zurück. Auch das Ende seiner langjährigen Zusammenarbeit mit Yamaha bedeutete einen tiefen Einschnitt.

Mit Beta begann praktisch ein neues Kapitel.

Der Hersteller arbeitet erst seit kurzer Zeit auf höchstem Niveau in der MXGP-Weltmeisterschaft. Entsprechend geht es nicht nur darum, den Fahrer wieder an die Spitze heranzuführen, sondern gleichzeitig auch das Motorrad kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Auch Beta sammelt wichtige Erkenntnisse

Dass Geerts inzwischen der einzige Fahrer des MRT Beta Factory Teams in der MXGP-Klasse ist, verleiht seinen Ergebnissen zusätzliches Gewicht. Jedes starke Wochenende liefert wertvolle Daten für die Entwicklung der italienischen Maschine. Gleichzeitig zeigt sich immer häufiger, dass Beta den Abstand zu den etablierten Werksteams Schritt für Schritt verkleinert.

Loket war bislang das deutlichste Zeichen dieser Entwicklung.

Auch wenn Platz sieben noch weit von den Ansprüchen entfernt ist, die Geerts aus seiner erfolgreichen MX2-Zeit kennt, bestätigt das Wochenende, dass Fahrer und Motorrad zunehmend harmonieren.

Das Heimrennen kommt zum richtigen Zeitpunkt

Viel Zeit zum Durchatmen bleibt dem Belgier allerdings nicht. Bereits am kommenden Wochenende gastiert die Motocross-Weltmeisterschaft in Lommel. Kaum eine Strecke kennt Geerts besser. Der tiefe Sand zählt seit Jahren zu seinen Stärken, dazu kommt die Unterstützung der heimischen Fans.

Entsprechend positiv fiel auch sein Fazit nach dem Grand Prix in Tschechien aus. „Ich bin mit meinem Wochenende in Loket sehr zufrieden. Ich habe mich das gesamte Wochenende über auf dem Motorrad wohlgefühlt und sowohl am Samstag als auch in beiden Läufen am Sonntag die Top 10 erreicht. Platz sieben im Overall ist ein richtig gutes Ergebnis. Jetzt möchte ich diese Form mit zu meinem Heim-Grand-Prix in Lommel nehmen.“

Ob Loket tatsächlich den Beginn einer sportlichen Trendwende markiert, werden die nächsten Wochen zeigen. Nach einer langen Phase voller Rückschläge wirkt es jedoch so, als hätte Geerts endlich wieder eine Basis gefunden, auf der sich aufbauen lässt. Für einen Fahrer, der in den vergangenen beiden Jahren immer wieder Rückschläge verkraften musste, dürfte genau das derzeit wichtiger sein als jeder einzelne Tabellenplatz.