KMP Honda – Wenn plötzlich mehr als das halbe Team fehlt
Jordi Tixier ist einer der verletzten KMP-Honda Piloten
Drei Rennen sind in der ADAC MX Masters Saison 2026 erst gefahren. Bei KMP-HONDA-RACING BY DVAG fühlt es sich trotzdem bereits nach einer kompletten Krisensaison an.
Fünf Fahrer sind verletzungsbedingt ausgefallen. Eine Entwicklung, die inzwischen selbst für den Motocross-Sport außergewöhnlich wirkt. Denn natürlich gehören Verletzungen seit jeher dazu. Doch wenn innerhalb weniger Wochen gleich mehrere Fahrer wegbrechen, trifft das irgendwann nicht mehr nur die Ergebnislisten. Es verändert das komplette Team.
„Momentan stehen wir nur noch mit einer kleinen Mannschaft im Paddock“, beschreibt Teamchef Alex Karg die aktuelle Lage. Eine Aussage, die deutlich macht, wie schnell sich die Dynamik innerhalb eines Teams verändern kann.
Wo zu Saisonbeginn mehrere Fahrer, Mechaniker und Motorräder für volle Rennwochenenden sorgen sollten, geht es inzwischen häufig darum, den normalen Ablauf überhaupt noch aufrechtzuerhalten.
Wenn aus Rennbetrieb plötzlich Krisenmanagement wird
Gerade im ADAC MX Masters lebt vieles von Rhythmus. Fahrer pushen sich gegenseitig. Daten werden verglichen. Mechaniker arbeiten unter permanenter Belastung. Ein Team funktioniert dabei oft wie ein eingespieltes System.
Fallen jedoch immer mehr Fahrer aus, gerät genau dieses System ins Wanken.
„Du planst eine Saison komplett anders“, erklärt Karg. „Plötzlich geht es nicht mehr darum, wo du sportlich noch angreifen kannst, sondern erst einmal darum, überhaupt noch handlungsfähig zu bleiben.“
Trainingspläne verlieren an Bedeutung. Entwicklungsarbeit wird unterbrochen. Gleichzeitig verschiebt sich der Fokus automatisch weg von Meisterschaftszielen hin zu Reha, Heilungsverläufen und der Frage, wann überhaupt wieder Fahrer zurückkehren können.
Am schwersten traf das Team bislang der Ausfall von Jordi Tixier. Der Franzose, der vor der Saison Titelambitionen zeigte, muss nach seiner Daumenverletzung weiterhin pausieren. Ob ein Start bei der vierten Runde in Tensfeld möglich sein wird, sollen erst weitere ärztliche Untersuchungen in den kommenden Wochen zeigen.
Gerade Tixier galt innerhalb der Mannschaft als wichtiger Baustein für die Saison. Sein Ausfall trifft das Team deshalb nicht nur sportlich, sondern auch strukturell.
Irgendwann trifft es auch die Stimmung im Team
Vor allem mental scheint die aktuelle Situation Spuren zu hinterlassen. Denn mit jedem weiteren Ausfall wächst automatisch die Unsicherheit innerhalb einer Mannschaft.
„Natürlich zieht dich das irgendwann runter“, beschreibt Karg offen. „Wenn ständig neue Verletzungen dazukommen, musst du trotzdem versuchen, als Team positiv zu bleiben.“
Gerade das scheint momentan eine der größten Herausforderungen zu sein. Denn ein Motocross-Team lebt normalerweise von Energie, Konkurrenz und Bewegung im Fahrerlager. Fehlen plötzlich große Teile der Mannschaft, verändert sich automatisch auch die Atmosphäre an den Rennwochenenden.
Ruhiger. Kleiner. Deutlich angespannter.
Selbst erfahrene Teamchefs wirkt die Situation extrem
Interessant ist dabei vor allem, dass selbst langjährige Leute im Fahrerlager die aktuelle Entwicklung als ungewöhnlich beschreiben. Die Leistungsdichte im ADAC MX Masters ist hoch, das Risiko permanent präsent. Gleichzeitig werden Zweikämpfe härter geführt und Fehler schneller bestraft als noch vor einigen Jahren.
„Verletzungen gehören im Motocross dazu“, sagt Karg. „Aber in dieser Häufung fühlt es sich aktuell schon extrem an.“
Vor allem deshalb, weil sich solche Phasen nur bedingt beeinflussen lassen. Teams können Training anpassen, Belastungen steuern oder Abläufe optimieren – eine echte Kontrolle über Verletzungen gibt es im Motocross trotzdem nie.
Der Fokus verschiebt sich automatisch
Natürlich bleiben sportliche Ziele weiterhin wichtig. Doch irgendwann verändern sich automatisch die Prioritäten. „Aktuell hoffen wir einfach erstmal, dass unsere Fahrer gesund zurückkommen“, erklärt Karg. „Alles andere wird man danach sehen.“
Genau dieser Satz beschreibt die aktuelle Situation vermutlich am treffendsten.
Denn momentan wirkt KMP Honda weniger wie ein Team im Kampf um Meisterschaftspositionen – sondern eher wie eine Mannschaft, die versucht, eine ungewöhnlich schwierige Saisonphase gemeinsam zu überstehen.
