Jeffrey Herlings: „Für mich war es Zeit für etwas Neues“

Jeffrey Herlings bei der Siegerehrung des MXGP of Portugal 2026.

Jeffrey Herlings bei der Siegerehrung des MXGP of Portugal 2026.

Jeffrey Herlings sprach nach seinem Sieg beim MXGP of Portugal nicht nur über seinen 117. Grand-Prix-Erfolg. In der Pressekonferenz wurde der Honda-Pilot auch auf seinen Wechsel von KTM zu Honda angesprochen – und erklärte ungewöhnlich offen, warum er sich nach so vielen Jahren für einen Neuanfang entschieden hat.

Dabei machte der Niederländer deutlich, dass seine Entscheidung nicht auf mangelndes Vertrauen in die KTM zurückzuführen war.

Kein Abschied wegen des Motorrads

Über viele Jahre war Herlings eng mit KTM verbunden. Zahlreiche Grand-Prix-Siege und Weltmeistertitel feierte er auf der österreichischen Marke. Umso überraschender kam für viele Beobachter der Wechsel zu Honda.

Dass das Motorrad der Grund gewesen sei, wies Herlings jedoch klar zurück. „Die KTM ist ein wirklich gutes Motorrad.“

Als Beleg nannte er die zahlreichen Erfolge der Marke. Ob Antonio Cairoli, Jorge Prado oder Lucas Coenen – aus seiner Sicht habe KTM in den vergangenen Jahren immer wieder bewiesen, dass das Material konkurrenzfähig ist. Auch Simon Längenfelder gewann im vergangenen Jahr den MX2-Weltmeistertitel auf einer KTM.

Veränderungen im Team

Der eigentliche Grund lag für Herlings an anderer Stelle. Nach seiner Einschätzung veränderte sich das Umfeld innerhalb des Teams in den vergangenen Jahren zunehmend. „Immer mehr gute Leute haben das Team verlassen.“

Gerade im Spitzensport seien es häufig die Menschen hinter den Kulissen, die den Unterschied ausmachen. Für Herlings spielte deshalb nicht nur das Motorrad selbst eine Rolle, sondern auch die Struktur, mit der täglich gearbeitet wird.

Er hatte das Gefühl, dass sich das Umfeld, in dem er viele Jahre erfolgreich war, Schritt für Schritt veränderte.

Der richtige Zeitpunkt

Hinzu kam, dass Herlings den Wechsel nicht weiter aufschieben wollte. Mit inzwischen fast 32 Jahren sei ihm bewusst gewesen, dass sich die Gelegenheit für einen Neuanfang nicht beliebig oft bieten würde. „Wenn ich noch einmal etwas verändern wollte, dann musste ich es jetzt tun.“

Diese Überlegung habe letztlich den Ausschlag gegeben. Nicht, weil er mit seiner bisherigen Situation unzufrieden gewesen sei, sondern weil er noch einmal ein neues Kapitel aufschlagen wollte.

Neue Menschen, neue Impulse

Bei Honda fand Herlings genau das, wonach er gesucht hatte. Er beschreibt den Wechsel weniger als technischen Fortschritt, sondern vielmehr als Veränderung des gesamten Arbeitsumfeldes. „Es ist einfach eine neue Gruppe von Menschen und ein neues Abenteuer.“

Ob die Honda grundsätzlich besser sei als seine frühere KTM, wollte Herlings gar nicht beantworten. „Beide Motorräder sind gut.“ Für ihn gehe es vielmehr um das Gesamtpaket. Neue Arbeitsabläufe, andere Herangehensweisen und frische Impulse hätten ihm neue Motivation gegeben.

Der Erfolg gibt ihm recht

Dass die Entscheidung richtig war, zeigt sich inzwischen auch auf der Strecke. Mit dem Sieg in Portugal erhöhte Herlings seine Bilanz auf 117 Grand-Prix-Siege. Bereits in seiner ersten Saison mit Honda gehört der Niederländer wieder regelmäßig zu den Sieganwärtern.

Gleichzeitig machte er deutlich, dass er sich auf den bisherigen Erfolgen nicht ausruhen möchte. Die Saison ist erst zur Hälfte absolviert und sein Fokus liegt darauf, weitere Rennen zu gewinnen und möglichst viele Podiumsplätze einzufahren.

Der Wechsel zu Honda war für Jeffrey Herlings deshalb weit mehr als ein Markenwechsel. Es war die bewusste Entscheidung für ein neues Umfeld – und bislang scheint genau dieser Schritt neue Kräfte freigesetzt zu haben.