Hunter Lawrence triumphiert in RedBud

Hunter Lawrence gewinnd das RedBud National 2026

Hunter Lawrence gewinnd das RedBud National 2026. / Foto: HRC

Bis wenige Stunden vor dem ersten Training war nicht einmal sicher, ob das RedBud National überhaupt stattfinden würde. Heftige Regenfälle hatten die traditionsreiche Strecke in Michigan komplett aufgeweicht. Teilweise stand das Wasser auf dem Gelände, selbst ein beliebter Campingbereich musste vorübergehend gesperrt werden. Zahlreiche Fans wurden auf ein Ausweichgelände umgeleitet.

Die Organisatoren arbeiteten bis spät in die Nacht daran, die Strecke und das gesamte Veranstaltungsgelände wieder in einen fahrbaren Zustand zu bringen – mit Erfolg. Am Samstag präsentierte sich RedBud zwar extrem anspruchsvoll, bot den Fahrern aber dennoch die Bühne für einen weiteren Klassiker der AMA Pro Motocross Championship.

Am Ende setzte sich Hunter Lawrence durch und feierte seinen dritten Gesamtsieg in der 450er-Klasse. Neben ihm standen Jorge Prado und Jett Lawrence auf dem Podium.

Hunter Lawrence dreht das Wochenende noch um

Dabei hatte der Tag für Hunter Lawrence alles andere als perfekt begonnen. Im ersten Lauf wurde der Honda-Pilot zwar als Sieger gewertet, zufrieden war er damit aber überhaupt nicht. Für ihn fühlte sich der Erfolg nicht wie ein echter Sieg an. Erst nachdem Jett Lawrence durch Sand beziehungsweise einen blockierten Kettenbereich entscheidende Zeit verlor, rückte Hunter an die Spitze.

Im zweiten Lauf machte er dann genau das, was er sich vorgenommen hatte. Nach keinem optimalen Start arbeitete er sich Stück für Stück nach vorne, schloss die Lücke zu Jorge Prado und setzte sich schließlich entscheidend ab. „Nach dem ersten Lauf war ich richtig enttäuscht. Ich hatte das Gefühl, alles richtig gemacht zu haben und trotzdem nicht gewonnen zu haben. Im zweiten Lauf wollte ich das wieder geraderücken.“

Besonders zufrieden war er mit seinem Tempo in der zweiten Rennhälfte. „Als ich Jorge eingeholt hatte, wusste ich, dass ich geduldig bleiben muss. Die letzten 15 Minuten sind normalerweise meine stärkste Phase.“

Auch die Strecke verlangte den Fahrern einiges ab. „Sie hatte wirklich alles – Sand, Schlamm, Hartboden und rutschige Stellen. Einen richtigen Rhythmus gab es eigentlich nie.“

Mit seinem dritten Pro-Motocross-Gesamtsieg übernimmt Hunter Lawrence gleichzeitig die Führung in der Meisterschaft.

Jorge Prado zeigt seine bislang stärkste Leistung

Auch Jorge Prado konnte RedBud mit einem guten Gefühl verlassen. Der Spanier führte den zweiten Lauf lange an und präsentierte sich so konkurrenzfähig wie bislang noch nie seit seinem Wechsel in die USA. „Wir haben die Pause genutzt und am Motorrad gearbeitet. Die Änderungen haben funktioniert und ich habe mich deutlich wohler gefühlt.“

Vor allem im zweiten Lauf passte für den KTM-Piloten vieles zusammen. „Ich hatte das Gefühl, wieder mehr ich selbst zu sein. Es war schön, endlich wieder vorne zu fahren und einige Runden anzuführen.“

Erst beim Überrunden verlor Prado entscheidend an Boden. Mehrere langsamere Fahrer kosteten ihn wertvolle Sekunden, wodurch Hunter Lawrence den Anschluss herstellen konnte. „Ich habe dort viel Zeit verloren. Einige Fahrer blieben einfach auf der Ideallinie. Hunter kam immer näher und als er vorbei war, hatte ich keine Antwort mehr.“

Trotzdem blickt Prado optimistisch nach vorne. Die Richtung stimme und das Motorrad entwickle sich Schritt für Schritt weiter. Mit Southwick wartet nun ein Kurs, der dem vierfachen Weltmeister deutlich besser liegen dürfte.

Jett Lawrence kämpft mehr mit sich als mit der Konkurrenz

Für Jett Lawrence verlief das Wochenende deutlich schwieriger, als es das Ergebnis vermuten lässt. Der Australier machte nach dem Rennen keinen Hehl daraus, dass ihn seine Fußverletzung inzwischen erheblich einschränkt. „Normalerweise liebe ich solche Bedingungen. Heute habe ich aber vor allem mit meinem Fuß gekämpft.“

Vor allem in den tiefen Spurrillen fehlte ihm die nötige Stabilität. „Fast das komplette Gewicht liegt auf meinem linken Bein. Dadurch fehlt mir die Balance.“ Auch beim Bremsen merkt der Honda-Pilot die Folgen deutlich. „Normalerweise arbeite ich viel mit dem Hinterrad. Im Moment bekomme ich das einfach nicht so hin. Ehrlich gesagt fahre ich gerade fast nur mit einem Bein.“

Die Verletzung wirkt sich inzwischen sogar auf das Training unter der Woche aus. Radfahren sei zwar möglich, der Fuß schwelle danach aber regelmäßig an. Laufen komme gar nicht infrage und selbst beim Schwimmen bereite jede kräftige Bewegung Probleme.

Trotzdem kommt ein Aufgeben für den Australier nicht infrage. „Ich bin jetzt so weit gekommen. Jetzt höre ich sicher nicht auf.“ Mit Rang drei büßte Jett allerdings die Red Plate ein und liegt nun drei Punkte hinter seinem Bruder.

Europäischen Wildcard-Piloten hinterließen ordentlichen Eindruck

Für Roan van de Moosdijk verlief das Wochenende mit Höhen und Tiefen. Der Kosak-KTM-Pilot hatte bei seinem Debüt in der AMA Pro Motocross Championship im ersten Lauf mit technischen Problemen zu kämpfen und kam lediglich auf Rang 35 ins Ziel. Im zweiten Rennen lief es deutlich besser. Dort fuhr der Niederländer auf einen starken zehnten Platz und verpasste die Top Ten nur knapp.

Ebenfalls erstmals in dieser Saison in den USA am Start war Antonio Cairoli auf der Ducati Desmo450 MX. Der neunfache Weltmeister zeigte zwei konstante Rennen, belegte in beiden Läufen Rang zwölf und sicherte sich Platz zwölf in der Tageswertung.

Das Titelrennen nimmt Fahrt auf

Nach RedBud könnte die Meisterschaft kaum spannender sein. Hunter Lawrence reist als neuer Spitzenreiter nach Southwick. Jorge Prado scheint endlich den Anschluss an die Spitze gefunden zu haben und Jett Lawrence wird alles daran setzen, sich trotz seiner Verletzung die Führung schnell zurückzuholen.

Nach einem Rennwochenende, das wegen der Wetterbedingungen beinahe ausgefallen wäre, ist der Titelkampf in der 450er-Klasse enger denn je.

Ergebnis des RedBud National 2026