Guillem Farres schlägt in Afyon zurück

Guillem Farres mit Triumph Teamchef Thierry Chizat Suzzoni

Guillem Farres mit Triumph Teamchef Thierry Chizat Suzzoni. / Foto: Ray Archer

War Afyon für Guillem Farres genau das Wochenende, das er im Kampf um den MX2-Titel gebraucht hat? Nach den schwierigen Wochen seit seinem Sturz in Uddevalla meldete sich der Triumph-Pilot beim MXGP of Türkiye mit einem Gesamtsieg zurück. Farres gewann bereits am Samstag das Qualifying Race und legte am Sonntag mit 2-1 nach. Simon Längenfelder wurde mit einem Laufsieg und Rang drei Zweiter der Tageswertung, Liam Everts komplettierte das Podium.

Gerade bei Farres war interessant, wie deutlich er nach dem Rennen über die vergangenen Wochen sprach. Die Pause nach Arnhem kam für ihn offenbar zum richtigen Zeitpunkt. „Mein Körper hat diese Pause wirklich gebraucht. Die Wochen nach dem Sturz in Uddevalla waren hart, und auch Arnhem war für mich ein schwieriges Rennen“, erklärte Farres.

In Afyon sah das wieder anders aus. Farres war von Beginn an vorne dabei, machte über das komplette Wochenende kaum größere Fehler und hatte vor allem im zweiten Moto wieder jene Kontrolle, die man von einem WM-Leader erwartet.

Ganz ohne Gegenwehr ging es allerdings nicht.

Längenfelder war im ersten Moto einfach schneller

Farres führte den ersten Lauf zunächst an und versuchte sofort, sich abzusetzen. Dahinter arbeitete sich Längenfelder heran. Der Deutsche ging vorbei und konnte anschließend eine Lücke herausfahren.

Farres suchte nach dem Überholmanöver noch nach einer Antwort, fand aber keine. „Ich wollte unbedingt gewinnen. Simon hat mich dann überholt und ich habe versucht, ihm zu folgen und mir ein paar seiner Linien anzuschauen. Aber er konnte sich von mir absetzen“, sagte Farres.

Für einen Fahrer mit DAS Red Plate wäre es leicht gewesen, diesen zweiten Platz anschließend mit WM-Taktik zu erklären. Genau das tat Farres aber nicht. Längenfelder war schneller, also nahm er Rang zwei mit.

Im zweiten Moto drehte sich das Bild.

Farres brachte sich wieder früh in eine gute Position, fand diesmal seinen Rhythmus und konnte sich Stück für Stück absetzen. Keine wilden Aktionen, keine unnötigen Fehler. Als die Lücke da war, verwaltete er sie. „Ich habe mich von Beginn an in eine gute Position gebracht. Danach bin ich mein Tempo gefahren, habe mich wohlgefühlt und keine Fehler gemacht. Ich konnte eine Lücke herausfahren und das Rennen anschließend kontrollieren.“

Mit 2-1 war der GP-Sieg erledigt.

Die WM fährt bei Farres natürlich mit

Farres führt die Meisterschaft weiterhin an, und zwei Grands Prix vor Saisonende lässt sich das Red Plate kaum noch ausblenden. Er versucht es auch gar nicht erst. „Natürlich fühlt es sich großartig an, die Meisterschaft anzuführen. Aber ich gehe jedes Rennen wie ein neues Rennen an. Die WM ist immer irgendwo im Hinterkopf, aber sobald ich aufs Motorrad steige, versuche ich zu gewinnen.“

Der Sonntag in Afyon passte ziemlich genau zu dieser Aussage. Im ersten Moto versuchte er gegen Längenfelder zu gewinnen, erkannte aber irgendwann, dass der KTM-Pilot an diesem Punkt schneller war. Im zweiten bekam Farres seine nächste Chance und nutzte sie.

Gerade nach seinem Sturz in Schweden ist das nicht ganz unwichtig. Farres musste nicht nur wieder Geschwindigkeit finden, sondern auch ein Wochenende ohne größere Fehler zusammenbringen. Afyon lieferte beides.

Längenfelder versteht seine Schwankungen selbst nicht

Hinter Farres meldete sich Simon Längenfelder zurück. Sein Sieg im ersten Moto war der erste seit Sardinien und kam nach einigen GPs, in denen beim Deutschen sichtbar nicht alles zusammenpasste.

Wie groß der Unterschied zu den vergangenen Wochen war, machte Längenfelder selbst deutlich. „Die letzten GPs waren ziemlich hart für mich. Mir haben Intensität und Geschwindigkeit gefehlt, eigentlich hat von allem etwas gefehlt. Ich dachte irgendwann selbst: Was ist denn hier los? Deshalb hat sich dieser Sieg im ersten Lauf richtig gut angefühlt.“

Warum es ausgerechnet in Afyon wieder funktionierte?

Darauf hatte auch Längenfelder keine richtige Antwort: „Ich weiß es nicht. Ich glaube, das weiß niemand.“

Im zweiten Moto kostete ihn dann ein eigener Fehler die Chance, noch einmal ganz vorne einzugreifen. Längenfelder lag auf Rang drei, würgte seine KTM ab und verlor den Anschluss. Auf der schwieriger werdenden Strecke waren die Abstände anschließend weitgehend gesetzt.

Mit 1-3 reichte es trotzdem zu Gesamtrang zwei.

Der Titelkampf ist für ihn nach eigener Aussage vorbei. Die wiedergefundene Geschwindigkeit könnte für die letzten beiden GPs trotzdem noch eine Rolle spielen – vor allem für Farres.

Everts bleibt auf dem Podium

Liam Everts landete als Dritter zum dritten Mal in Folge auf dem Gesamtpodium. Wirklich zufrieden war der Husqvarna-Pilot damit allerdings nicht.

Im ersten Moto fehlten ihm nach eigener Einschätzung Intensität und einige der kleinen Dinge, die auf diesem Niveau schnell Positionen kosten. Vor dem zweiten Lauf nahm er kleinere Änderungen vor und fühlte sich anschließend besser. Platz zwei brachte ihm schließlich den nächsten Podestplatz. „Natürlich bin ich sehr froh, wieder auf dem Podium zu stehen, aber es war jetzt auch nichts wahnsinnig Besonderes.“

Farres dürfte seinen Sonntag etwas anders einordnen. Nach den schwierigen Wochen seit Uddevalla gewinnt er Qualifying Race und Grand Prix und reist weiter mit DAS Red Plate.

Noch sind zwei GPs zu fahren. Aber in Afyon hat Farres vor allem eines gezeigt: Nach seinem Sturz und den anschließenden schwierigen Rennen ist er wieder in der Lage, ein komplettes Wochenende vorne zu kontrollieren.

Die Ergebnisse des MXGP der Türkei findest Du in unserer gewohnten Übersicht