Fahrerstimmen aus Kegums: Jubel, Frust und verpasste Chancen

Start der MXGP Klasse beim Grand Prix in Kegums.

Start der MXGP Klasse beim Grand Prix in Kegums.

Die offiziellen Fahrerstimmen nach dem MXGP von Lettland lieferten auch diesmal weit mehr als die reinen Ergebnisse. Zwischen den Zeilen wurde deutlich, welche Themen die Fahrer tatsächlich bewegten: große Erfolge, technische Rückschläge, Heimdruck und die Erkenntnis, dass gute Leistungen nicht immer mit den entsprechenden Resultaten belohnt werden.

Die Coenen-Brüder sorgen für das Wochenende der Familie

Das große Thema des Wochenendes waren ohne Zweifel die Brüder Coenen. Während Sacha Coenen in der MX2-Klasse sämtliche Rennen gewann, legte Lucas Coenen in der MXGP nach und sicherte sich den Gesamtsieg.

„Sacha hat es geschafft, also musste ich nachziehen“, erklärte Lucas nach dem Rennen. Der Belgier machte dabei keinen Hehl daraus, wie sehr ihn der Erfolg seines Bruders zusätzlich motiviert hatte. Im zweiten Lauf setzte er bewusst auf Kontrolle statt Risiko und sprach davon, auf der anspruchsvollen Strecke klug gefahren zu sein.

Sacha wiederum führte seinen Erfolg vor allem auf seine Starts zurück. „Gute Starts waren der Schlüssel“, erklärte der KTM-Pilot nach seinem perfekten Wochenende. Drei Rennsiege an einem Wochenende sprechen für sich.

Herlings verliert erneut durch die Technik

Die wohl größte Enttäuschung des Wochenendes erlebte Jeffrey Herlings. Der Niederländer war erneut schnell genug, um um den Sieg zu kämpfen, verließ Kegums aber trotzdem mit leeren Händen.

„Es gibt nicht viel zu sagen. Schwer zu akzeptieren, wenn so etwas passiert.“

Hinter dieser knappen Aussage steckt deutlich mehr Frust, als die wenigen Worte vermuten lassen. Denn Herlings verlor nicht etwa durch einen Fahrfehler oder mangelnde Geschwindigkeit. Vielmehr wurde er erneut von einem technischen Problem gestoppt. Besonders bitter: Bereits wenige Tage zuvor hatte ihn ein Defekt um ein mögliches Spitzenergebnis beim Grand Prix in Teutschenthal gebracht.

Besonders bitter ist die Situation mit Blick auf die Meisterschaft. Herlings verlor nicht nur die Chance auf einen möglichen Grand-Prix-Sieg, sondern büßte auch erneut wichtige Punkte auf Lucas Coenen ein. Der Honda-Pilot reist nun mit bereits 62 Punkten Rückstand auf den WM-Leader nach Italien.

Heimrennen mit besonderen Emotionen

Für die lettischen Fahrer war Kegums weit mehr als nur ein weiterer Grand Prix.

Pauls Jonass sprach von einem Wochenende, an dem sich die Arbeit des Teams endlich ausgezahlt habe. Besonders die Fortschritte am Fahrwerk hätten ihm geholfen, sich auf der Strecke deutlich wohler zu fühlen. Der vierte Platz im zweiten Lauf und das erste Top-Fünf-Ergebnis der Saison wurden entsprechend positiv aufgenommen.

Noch emotionaler fielen die Aussagen der Reisulis-Brüder aus. Karlis Reisulis berichtete davon, die Zuschauer praktisch in jeder Runde und in jeder Kurve gehört zu haben. Trotz eines Fehlers im zweiten Lauf überwog für ihn die Freude über seine Leistung.

Sein Bruder Janis überraschte sogar mit einem bemerkenswerten Fazit. Obwohl die Ergebnisse hinter seinen Erwartungen zurückblieben, bezeichnete er Kegums als eines seiner schönsten Rennwochenenden des Jahres. Der Grund lag weniger in den Resultaten als in der Atmosphäre rund um die Strecke.

Wenn die Technik wichtiger wird als die Leistung

Nicht nur Herlings wurde von technischen Problemen ausgebremst.

Calvin Vlaanderen schied nach einem Sturz aus, weil dabei der Gaszug seines Motorrads beschädigt wurde. Maxime Renaux kämpfte sich nach einem schwierigen Wochenende zurück, ehe ihn ein technischer Defekt im zweiten Lauf endgültig stoppte. Auch Oriol Oliver verlor durch ein Motorradproblem die Chance auf ein starkes Gesamtergebnis.

Gemeinsam hatten alle drei Fahrer eine ähnliche Botschaft: Mit ihrer Leistung waren sie durchaus zufrieden. Entscheidend waren am Ende Faktoren, die sie selbst nicht beeinflussen konnten.

Starke Leistungen, die das Ergebnis kaum widerspiegelt

Besonders interessant waren die Aussagen einiger MX2-Piloten, deren Resultate ihre tatsächliche Leistung nur teilweise widerspiegelten.

Triumph-Pilot Camden McLellan sah zahlreiche positive Aspekte. Geschwindigkeit, Fitness und Rennpace hätten gestimmt. Das eigentliche Problem waren die Starts. Nach mehreren starken Aufholjagden blieb bei ihm das Gefühl zurück, deutlich mehr Potenzial ungenutzt gelassen zu haben.

Ähnlich äußerte sich Teamkollege Guillem Farres. Zweimal kämpfte sich der Spanier nach schwierigen Situationen durch das Feld zurück auf Rang vier. Entsprechend fiel sein Fazit aus: solide Ergebnisse, aber gleichzeitig das Gefühl, dass ein deutlich stärkeres Wochenende möglich gewesen wäre.

Auch Valerio Lata gehörte in diese Kategorie. Der Italiener war auf seiner Honda im ersten Lauf auf Top-Fünf-Kurs unterwegs, bevor ihn ein Sturz aus dem Rennen nahm. Im zweiten Durchgang zeigte er mit Rang fünf erneut seine Geschwindigkeit und sprach von einem Wochenende voller positiver Ansätze, auch wenn die Endergebnisse dies nicht vollständig widerspiegelten.

Zufrieden – aber nicht glücklich

Interessant war auch, dass selbst einige Fahrer mit starken Ergebnissen nicht vollständig zufrieden wirkten.

Romain Febvre sicherte sich wichtige Meisterschaftspunkte und einen weiteren Podestplatz. Trotzdem sprach der Franzose über kleine Fehler, die ihn im ersten Lauf Positionen gekostet hatten.

Andrea Adamo bezeichnete sein Wochenende als „solide“, machte aber gleichzeitig deutlich, dass ein sechster Gesamtrang nicht seinem eigentlichen Anspruch entspricht. Auch Simon Längenfelder konzentrierte sich nach dem Rennen eher auf die verpassten Möglichkeiten als auf die positiven Aspekte seines Wochenendes. Trotz guter Starts verhinderten Fehler und ein Sturz ein besseres Ergebnis.

Die Pause kommt für viele zur richtigen Zeit

Auffällig war, wie oft die Fahrer bereits den Blick nach vorne richteten. Maxime Renaux sprach davon, die Probleme aufzuarbeiten. Alberto Forato hofft auf Fortschritte durch weitere Tests. Tim Gajser will die freie Zeit vor allem zur Regeneration nutzen.

„Die letzten drei Wochen waren sehr fordernd“, erklärte der Slowene, der trotz schwieriger Ergebnisse zumindest Fortschritte im zweiten Lauf erkennen konnte.

Damit endet das Kapitel Kegums für die Fahrer bereits wieder deutlich früher als für die Fans. Während die Zuschauer noch über Siege, Defekte und Aufholjagden diskutieren, richtet sich der Fokus im Fahrerlager längst auf den nächsten Grand Prix in Montevarchi.