Ducati Desmo450 EDS im Test: Mehr als nur ein Crosser mit Licht

Unser Testfahrer Sebastian Wolter testete die Ducati Desmo450 EDS

Unser Testfahrer Sebastian Wolter mit der Ducati Desmo450 EDS. / Foto: Alex Photo

Mit der Desmo450 EDS bringt Ducati seine erste Sportenduro auf den Markt. Dabei haben es sich die Italiener nicht leicht gemacht. Statt die bekannte Motocross-Version lediglich mit Beleuchtung, weicheren Federelementen und einem Sechsganggetriebe auszustatten, wurde das Motorrad gezielt für den Enduroeinsatz weiterentwickelt.

Unser Testfahrer Sebastian „Busty“ Wolter testete die neue Ducati auf drei unterschiedlichen Sektionen rund um die Motocross-Strecke von Faenza. Auf dem Programm standen ein Crosstest, eine klassische Enduro-Passage und ein engeres Spielgelände mit künstlichen Hindernissen.

Keine umgebaute Motocross-Maschine

Die Basis der Desmo450 EDS stammt zwar vom 450er-Motocrosser, doch Ducati hat zahlreiche Bereiche neu abgestimmt. Rahmen und Showa-Fahrwerkskomponenten wurden übernommen, erhielten aber eine eigene Enduro-Abstimmung.

Auch beim Motor blieb es nicht bei kleinen Änderungen. Der Ansaugtrakt wurde neu gestaltet, der Durchmesser der Drosselklappe von 44 auf 42 Millimeter reduziert und auch Schwungmasse, Kurbelwelle sowie Nockenwellen wurden an den neuen Einsatzzweck angepasst.

Dazu kommt ein Sechsganggetriebe. Der erste Gang fällt sehr kurz aus, während der zweite und dritte Gang besonders vielseitig nutzbar sein sollen. Der lange sechste Gang ist für schnelle Passagen, Straßenstücke und Überführungsetappen gedacht.

Motor überzeugt auf ganzer Linie

Der Motor gehörte beim Test zu den stärksten Seiten der Ducati. Die Leistungsentfaltung fällt ausgesprochen weich aus, gleichzeitig steht bereits bei niedrigen Drehzahlen viel Drehmoment zur Verfügung. Dadurch lässt sich die 450er auch in engen Kurven mit einem höheren Gang fahren, ohne dass sie sich verschluckt oder träge wirkt.

Trotz der sanften Gasannahme fehlt es im oberen Drehzahlbereich nicht an Leistung. Der Einzylinder dreht weit aus und bleibt dabei vergleichsweise ruhig. Gerade bei hohen Drehzahlen entstehen deutlich weniger unangenehme Vibrationen, als man es von manchen anderen 450ern kennt.

Diese breite Nutzbarkeit macht den Motor besonders für klassische Enduro-Sonderprüfungen interessant. Langsames, kontrolliertes Fahren ist ebenso möglich wie kräftiges Beschleunigen auf schnellen und offenen Passagen.

Elektronik gehört zu den größten Stärken

Ducati bietet zwei vorinstallierte Motormappings, die über die Smartphone-App weiter angepasst werden können. Zusätzlich lassen sich Motorbremse, Traktionskontrolle und Quickshifter einstellen beziehungsweise aktivieren.

Unter den trockenen und rutschigen Bedingungen in Faenza funktionierte das sanftere Mapping besonders gut. Der Motor sprach sehr weich an und ließ sich sogar allein über die Kupplung anfahren, ohne zusätzlich Gas geben zu müssen.

Die Traktionskontrolle ist in vier Stufen einstellbar und arbeitet sehr unauffällig. Je nach gewählter Einstellung greift sie stärker oder schwächer ein, ohne das Gefühl für das Hinterrad zu nehmen. Der Fahrer kann sich so genau den Unterstützungsgrad suchen, der zu seinem Fahrstil und den jeweiligen Streckenbedingungen passt.

Auch der Quickshifter erleichtert das Fahren. Da beim Hochschalten weniger mit der Kupplung gearbeitet werden muss, wird die linke Hand entlastet. Gerade auf längeren Sonderprüfungen kann das einen spürbaren Unterschied machen.

Fahrwerk reagiert deutlich auf kleine Änderungen

Zu Beginn des Tests war die Balance des Motorrads nicht optimal. Der Negativfederweg lag über dem empfohlenen Wert. Nach der Korrektur fühlte sich die Ducati deutlich ausgeglichener an und ließ sich besser in Spurrillen führen.

Grundsätzlich liegt die Desmo450 EDS auf schnellen Passagen stabil und kommt auch in engen Kurven gut zurecht. Dennoch gibt es 450er, die noch etwas handlicher wirken, während andere bei hohem Tempo noch mehr Ruhe vermitteln.

Bei der Ducati lohnt es sich deshalb, Zeit in die Abstimmung zu investieren. Schon kleine Änderungen am Durchhang, an der Gabelhöhe oder an den Klickern verändern das Fahrgefühl spürbar. Auch unterschiedliche Umlenkhebellängen könnten für ambitionierte Fahrer interessant sein.

Die Showa-Komponenten bieten jedenfalls eine gute Grundlage. Entscheidend ist, das Motorrad sauber auf Fahrergewicht, Tempo und Einsatzzweck einzustellen.

Ergonomie überwiegend gelungen

Die Bewegungsfreiheit auf der Ducati passt. Das Motorrad wirkt weder auffällig lang noch besonders kurz, und auch größere Fahrer sitzen nicht zu gedrungen.

Etwas gewöhnungsbedürftig ist die Linie zwischen Sitzbank und Tank. Im vorderen Bereich steigt die Form stärker an als bei einigen Konkurrenten. Wer sich in engen Kurven weit nach vorne setzen möchte, muss deshalb aktiver arbeiten und sich bewusst in diese Position bringen.

Auch der lange Schalthebel fiel beim Test auf. Mit Schuhgröße 43 musste Busty den Fuß teilweise ungewöhnlich weit nach vorne schieben, um sauber schalten zu können. Eine Veränderung der Hebelposition brachte nur eine begrenzte Verbesserung. Zudem liegen Schalthebel und Fußbremse nicht ganz symmetrisch zueinander.

Deutlich besser gefielen die integrierten Rahmenprotektoren. Ihre griffige Oberfläche unterstützt den Halt am Motorrad. Über das Zubehörprogramm sollen zudem weitere Varianten mit unterschiedlicher Griffigkeit angeboten werden.

Hochwertige Serienausstattung

Bei der Ausstattung setzt Ducati auf bekannte Komponenten. Verbaut sind unter anderem Brembo-Bremsen, Galfer-Bremsscheiben, ein Oversize-Lenker, Domino-Lock-on-Griffe, Metzeler-Six-Days-Extreme-Reifen und ein 18-Zoll-Hinterrad.

Der transparente Tank fasst 8,5 Liter. Serienmäßig sind außerdem eine Motorschutzplatte, Handprotektoren sowie Schutzabdeckungen für Kupplungs- und Zündungsdeckel montiert. Ein Umlenkungsschutz war zum Zeitpunkt des Tests noch nicht erhältlich, befindet sich aber ebenso wie weitere Protektoren in Entwicklung.

Lange Serviceintervalle

Ducati gibt vergleichsweise großzügige Wartungsintervalle an. Öl und Ölfilter sollen alle 15 Betriebsstunden gewechselt werden. Der erste Kolbenwechsel ist frühestens nach 90 Stunden vorgesehen, bei geringerer Belastung kann sich dieser Zeitraum weiter verlängern.

Eine größere Motorrevision ist nach rund 180 Stunden angesetzt. Auch hier hängt der tatsächliche Zeitpunkt davon ab, wie hart das Motorrad eingesetzt wird. Für eine moderne 450er-Sportenduro sind das praxisfreundliche Werte, die den Wartungsaufwand überschaubar halten sollen.

Fazit

Die Ducati Desmo450 EDS ist deutlich mehr als eine Motocross-Maschine mit Licht und Seitenständer. Motor, Getriebe, Elektronik und Fahrwerksabstimmung wurden gezielt an den Enduroeinsatz angepasst.

Besonders stark präsentiert sich der Motor. Er lässt sich weich und kontrolliert fahren, bietet viel Drehmoment und dreht trotzdem weit aus. Dazu kommt eine Elektronik, die nicht nur auf dem Datenblatt gut aussieht, sondern auf rutschigem Untergrund tatsächlich unterstützt.

Beim Fahrwerk lohnt sich eine sorgfältige Abstimmung. Schon kleine Änderungen können die Balance deutlich verbessern. Auch bei der Ergonomie gibt es mit der ansteigenden Sitzbank-Tank-Linie und dem langen Schalthebel noch Punkte, die nicht jedem Fahrer sofort passen werden.

Unterm Strich ist die Desmo450 EDS ein hochwertig ausgestattetes und breit einsetzbares Sportenduro. Ihre Stärken liegen vor allem auf schnellen Sonderprüfungen, klassischen Enduro-Runden und weitläufigen Strecken. Für extremes Hard Enduro wäre eine 450er ohnehin selten die erste Wahl.