Beta RX 250 4T (2027) im Test: Viel mehr als nur ein neues Motorrad
Unser Tester Sebastian „Busty“ Wolter testete die Beta RX 250 4T des Jahrgangs 2027. / Foto: Massimo Di Trapani
Mit der RX 250 4T steigt Beta erstmals in die hart umkämpfte Klasse der 250er-Viertakt-Motocrossmaschinen ein. Entsprechend groß war die Spannung vor dem ersten Praxistest. Unser Tester, Sebastian „Busty“ Wolter, konnte das neue Motorrad bereits unter anspruchsvollen Bedingungen fahren – und die machten der Italienerin den Einstieg alles andere als leicht.
Der Testtag präsentierte sich mit hohen Temperaturen und der MXGP-Strecke in Montevarchi, die den Fahrern einiges abverlangte. Mal sorgte loser Boden für wenig Grip, an anderen Stellen war der Untergrund durch das viele Wässern extrem rutschig. Keine einfachen Voraussetzungen, um ein komplett neues Motorrad kennenzulernen.
Motor: Solider Einstand mit Luft nach oben
Der komplett neu entwickelte Viertaktmotor ist zweifellos das Herzstück der RX 250 4T. Beta setzt auf einen modernen DOHC-Motor mit Titanventilen, zwei Einspritzdüsen sowie elektronischen Fahrhilfen wie Traktionskontrolle, Quickshifter und Launch Control. Technisch bringt die RX damit alles mit, was man von einem aktuellen Wettbewerbsmotorrad erwartet.
Auf der Strecke hinterlässt das Aggregat einen insgesamt positiven Eindruck. Die Leistungsentfaltung ist gut kontrollierbar und der Motor dreht sauber bis in hohe Drehzahlen aus.
Ganz ohne Kritik kommt Busty allerdings nicht aus. „Das erste 250er-Viertakt-Motocross-Triebwerk von Beta ist ein guter erster Wurf. Mir persönlich hat aber in allen Drehzahlbereichen ein bisschen der Punch und die Spritzigkeit gefehlt.“
Vor allem im unteren Drehzahlbereich hätte er sich mehr Drehmoment gewünscht. Gerade beim Herausbeschleunigen aus engen Kurven müsse häufiger mit der Kupplung gearbeitet werden als bei einigen etablierten Konkurrenten. Auch im mittleren Drehzahlbereich fehle etwas Durchzug.
Positiv bewertet Busty dagegen, dass der Motor sehr weit ausdreht. Dennoch sieht er insbesondere für ambitionierte Rennfahrer noch Entwicklungspotenzial. Für Hobbyfahrer fällt sein Urteil dagegen deutlich positiver aus. „Für einen Hobbyfahrer, der Regionalmotocross fährt, ist das Motorrad absolut konkurrenzfähig.“
Elektronik: Moderne Ausstattung mit kleinen Einschränkungen
Mit der RX 250 führt Beta gleich mehrere elektronische Assistenzsysteme ein. Neben zwei Motormappings gehören Traktionskontrolle, Launch Control und erstmals auch ein Quickshifter zur Serienausstattung.
Das aggressive Mapping war Busty bereits fast etwas zu zahm. Das zweite Mapping arbeitet nochmals sanfter.
Beim Quickshifter machte er unterschiedliche Erfahrungen. Während das System an einem Motorrad nicht zuverlässig funktionierte, arbeitete es auf einem zweiten Testbike deutlich besser. „Unter Volllast konnte ich ohne Kupplung und ohne Gaswegnehmen schalten. Es war aber etwas hakelig, die Gänge mussten schon mit Nachdruck eingelegt werden.“
Positiv überraschten dagegen Launch Control und Traktionskontrolle. Beide Systeme arbeiteten auf der rutschigen Strecke spürbar, ohne den Fahrer zu bevormunden. Gerade die stärker eingreifende Traktionskontrolle vermittelte zusätzlichen Grip, ohne den natürlichen Fahreindruck zu verfälschen.
Fahrwerk: Komfort steht im Vordergrund
Beim Fahrwerk verfolgt Beta eine eher komfortorientierte Abstimmung. Die serienmäßigen KYB-Federelemente sprechen sensibel an und bieten viel Komfort.
Auf einer anspruchsvollen Grand-Prix-Strecke zeigte sich allerdings schnell die Kehrseite. „Für mein Tempo war das Fahrwerk zu weich.“ Vor allem beim harten Anbremsen tauchte die Gabel tief ein, wodurch man wenig Gefühl für das Vorderrad hatte. Einige Klicks an der Druckstufe verbesserten das Verhalten bereits spürbar.
Busty ist überzeugt, dass schnelle Fahrer das Serien-Setup anpassen oder professionell abstimmen lassen sollten. Für Hobbyfahrer bewertet er die komfortable Grundabstimmung dagegen ausdrücklich nicht als Nachteil.
Ergonomie und Handling überzeugen
Sehr zufrieden zeigte sich Busty mit der Ergonomie der neuen RX. Das Motorrad wirkt schlank, flach und angenehm lang, ohne dabei an Handlichkeit einzubüßen. Richtungswechsel gelingen leicht, enge Kurven lassen sich präzise anfahren und selbst bei höherem Tempo vermittelt die Beta viel Vertrauen.
Lediglich das weiche Fahrwerk beeinträchtigte diesen positiven Eindruck teilweise.
Auch die Anbauteile hinterließen einen guten Eindruck. Lenkerposition, Kupplung, Bremsen und Gasgriff funktionierten unauffällig und gaben keinen Anlass zur Kritik.
Fazit
Mit der RX 250 4T liefert Beta einen gelungenen Einstieg in die kleine Viertaktklasse ab. Das Motorrad fährt sich unkompliziert, bietet eine angenehme Ergonomie und überzeugt mit einem gutmütigen Fahrverhalten.
Ganz vorne im Feld sieht Busty den neuen Motor allerdings noch nicht. Vor allem bei Drehmoment und Durchzug fehle gegenüber den Klassenprimussen noch etwas Leistung. Auch das Fahrwerk richtet sich serienmäßig eher an Hobbyfahrer als an ambitionierte Racer.
Unterm Strich fällt das Urteil dennoch positiv aus.
Die Beta RX 250 4T ist kein Motorrad, das sofort neue Maßstäbe setzt. Sie ist aber eine gelungene Basis, die zeigt, dass Beta im Motocross angekommen ist. Für ambitionierte Hobbyfahrer bringt sie bereits alles mit, was ein modernes Wettbewerbsmotorrad ausmacht. Wer auf höchstem Niveau Rennen fahren möchte, wird bei Motor und Fahrwerk noch etwas Feinarbeit investieren müssen.
