Triumph auf Erfolgskurs: Warum der MXGP-Einstieg 2027 trotzdem bei null beginnt
Die Triumph Factory Piloten Guillem Farres (99) und Camden McLellan (8) beim MXGP in Loket
Vor drei Jahren startete Triumph sein Werkseinsatzprogramm in der Motocross-Weltmeisterschaft. Heute kämpft der britische Hersteller mit Guillem Farres und Camden McLellan um Rennsiege, Podestplätze und sogar um die Fahrer- und Konstrukteursweltmeisterschaft in der MX2. Die Entwicklung verlief deutlich schneller, als viele Beobachter erwartet hatten. Dennoch bleibt das Team auf dem Boden und betrachtet den geplanten Einstieg in die MXGP-Klasse 2027 als völlig neues Kapitel.
Farres und McLellan waren keine Selbstverständlichkeit
Aus Sicht von Teammanager Vincent Bereni ist der sportliche Erfolg eng mit den beiden aktuellen Fahrern verbunden. Als Triumph Guillem Farres und Camden McLellan verpflichtete, standen beide noch längst nicht bei den großen Werksteams auf dem Wunschzettel. Das Team war jedoch überzeugt, dass beide das Potenzial besitzen, sich an der Weltspitze zu etablieren.
Diese Einschätzung scheint sich inzwischen zu bestätigen. Beide Fahrer trugen in dieser Saison bereits das Red Plate, Farres führt aktuell sogar die MX2-Weltmeisterschaft an. Für Triumph ist das eine Bestätigung der eigenen Nachwuchsarbeit und der Fähigkeit, Talente frühzeitig zu erkennen.
Die Starts bleiben McLellans größte Baustelle
Während Farres regelmäßig starke Starts gelingt, verliert McLellan häufig schon auf den ersten Metern entscheidende Positionen. Obwohl beide Fahrer mit demselben Motorrad unterwegs sind, sieht Triumph durchaus Möglichkeiten, die Abstimmung noch besser an McLellans Fahrstil anzupassen.
Gleichzeitig möchte das Team vermeiden, den Fokus ausschließlich auf dieses Thema zu legen. Wer sich nur noch mit den Starts beschäftigt, läuft Gefahr, andere wichtige Bereiche zu vernachlässigen. Deshalb arbeitet Triumph weiter an Lösungen, ohne daraus das alleinige Entwicklungsziel zu machen.
Interessant ist dabei auch, dass das Team derzeit auf keine spezielle Startabstimmung setzt. Stattdessen konzentriert man sich vor allem darauf, den Fahrer möglichst optimal beim Startvorgang zu unterstützen.
Der größte Entwicklungsschritt gelang im Winter
Obwohl Triumph bereits im ersten Jahr konkurrenzfähig war, verlief die zweite Saison nach eigener Einschätzung nicht ganz so erfolgreich wie erhofft. Deshalb investierte das Team über den vergangenen Winter noch einmal deutlich mehr Zeit in die Weiterentwicklung des Motorrads.
Besonders intensiv wurde am Fahrwerk gearbeitet. Zusammen mit zahlreichen kleineren Änderungen am Gesamtpaket sorgten diese Anpassungen dafür, dass sich die Maschine in dieser Saison deutlich konstanter präsentiert.
Dass Triumph inzwischen sogar die Konstrukteurswertung anführt, bewertet Bereni als außergewöhnlichen Erfolg. Schließlich misst sich das Team mit Herstellern wie Honda, Yamaha oder KTM, die auf jahrzehntelange Erfahrung im Motocross zurückgreifen können.
Erfolg ist keine Garantie
Trotz der aktuellen Ergebnisse sieht sich Triumph keineswegs am Ziel. Innerhalb des Teams herrscht die Überzeugung, dass sich die Kräfteverhältnisse im Motocross jederzeit verändern können. Genau deshalb möchte man die aktuelle Phase nutzen und gleichzeitig weiter konsequent entwickeln.
Die Verantwortlichen wissen, dass es im Motorsport keine Garantien gibt. Was heute funktioniert, kann im kommenden Jahr bereits nicht mehr ausreichen.
MXGP wird eine völlig neue Herausforderung
Parallel zum Titelkampf in der MX2 laufen die Vorbereitungen auf den Einstieg in die MXGP-Klasse.
Fest steht inzwischen, dass Mikkel Haarup 2027 ins Werksteam zurückkehren wird. Der Däne gehörte bereits zu den ersten Fahrern des Triumph-Projekts und sammelt derzeit in den USA wichtige Erfahrungen auf der 450er-Maschine. Nach aktuellem Stand soll Triumph außerdem mit einem zweiten Fahrer in der MXGP antreten.
Trotz aller Vorbereitungen sieht das Team den Wechsel in die Königsklasse als kompletten Neustart. Die Erfahrungen aus der MX2 seien zwar wertvoll, dennoch warten in der MXGP neue Herausforderungen. Dort trifft Triumph erneut auf Hersteller, die seit Jahrzehnten in dieser Kategorie aktiv sind und entsprechend viel Know-how aufgebaut haben.
Die USA liefern wertvolle Erkenntnisse
Dass Haarup aktuell in der amerikanischen Motocross-Meisterschaft unterwegs ist, bringt dem Projekt zusätzliche Vorteile. Vor allem bei der Motorenentwicklung fließen zahlreiche Daten direkt in die Arbeit der Ingenieure ein.
Gleichzeitig macht das Team aber deutlich, dass sich die Bedingungen in Europa deutlich von denen in den USA unterscheiden. Strecken wie Lommel oder andere klassische europäische Sand- und Hartbodenkurse stellen völlig andere Anforderungen an Fahrer und Motorrad.
Deshalb rechnet Triumph trotz der positiven Erkenntnisse aus den USA damit, in der ersten MXGP-Saison noch viel lernen zu müssen.
Mit Rückenwind in die nächste Ausbaustufe
Drei Jahre nach dem Einstieg in die Motocross-Weltmeisterschaft hat sich Triumph innerhalb kürzester Zeit zu einem Titelkandidaten entwickelt. Die Fortschritte der vergangenen Monate bestätigen den eingeschlagenen Weg, gleichzeitig bleibt das Team realistisch.
Während Guillem Farres und Camden McLellan in dieser Saison um die entscheidenden Punkte in der MX2 kämpfen, richtet sich der Blick bereits auf 2027. Dann beginnt für Triumph mit dem Einstieg in die MXGP-Klasse das nächste große Kapitel – und obwohl die Ausgangslage heute deutlich besser ist als noch vor drei Jahren, betrachtet das Team diesen Schritt bewusst als neuen Anfang.
