ADAC MX Masters: Das sagten die Fahrer vor Gaildorf
Neben Max Spies waren Tom Koch, Roan van de Moosdijk, Jerre Havisto, Jörgen Mathias Talviku und Sven Wolpert Gäste in der Pressekonferenz des ADAC MX MAsters Gaildorf 2026
Die Sommerpause ist vorbei, das ADAC MX Masters biegt auf die entscheidende Phase der Saison ein. Entsprechend groß war das Interesse an der Pressekonferenz vor dem fünften Saisonlauf in Gaildorf. Mit Tabellenführer Roan van de Moosdijk, Maximilian Spies, Tom Koch, Jere Haavisto und Jörgen-Matthias Talviku saßen gleich fünf Fahrer aus den Top Sechs gemeinsam auf dem Podium. Komplettiert wurde die Runde von MSC-Gaildorf-Sportleiter Sven Wolpert, der anlässlich des 100-jährigen Vereinsjubiläums auch einen Blick auf die Geschichte und Zukunft des Traditionsvereins warf.
Sven Wolpert: „MXGP ist für uns aktuell kein Diskussionsthema“
100 Jahre MSC Gaildorf sind ein besonderer Meilenstein. Entsprechend wurde Sportleiter Sven Wolpert zunächst auf die Geschichte des Vereins angesprochen. Er erinnerte an die großen Rennen der 70er- und 80er-Jahre sowie an das Motocross der Nationen und die vielen Jahre, in denen Gaildorf internationale Veranstaltungen ausgerichtet hat.
Auf die Frage, ob eine Rückkehr der Motocross-Weltmeisterschaft denkbar sei, wurde Wolpert allerdings deutlich „Für mich ist MXGP im Moment kein Diskussionsthema.“
Als Hauptgrund nannte er die inzwischen enorm gestiegenen Kosten für die Ausrichtung eines Grand Prix. Der letzte MXGP in Gaildorf im Jahr 2011 sei ohnehin nur unter besonderen Umständen zustande gekommen. Stattdessen wolle man die bestehenden Veranstaltungen weiterentwickeln. Eine Idee sei es sogar, die Fahrtrichtung der Strecke künftig wieder zu ändern – so wie in früheren Jahren.
Van de Moosdijk: ADAC MX Masters teilweise stärker als AMA?
Für Tabellenführer Roan van de Moosdijk drehte sich vieles um seine Sommerpause. Der Niederländer erfüllte sich einen Traum und startete bei mehreren Rennen der AMA Pro Motocross Championship.
Zwar verhinderten zwei technische Defekte bessere Resultate, sportlich zog er dennoch ein positives Fazit. Besonders interessant war seine Einschätzung zum Niveau der amerikanischen Serie. „Ich habe das Gefühl, dass die ersten fünf oder sechs Fahrer dort unglaublich schnell sind. Dahinter ist das Niveau im Bereich der Top Ten aber sogar schwieriger als in der AMA.“
Ebenso auffällig empfand er den Ablauf der Rennwochenenden. „Dort läuft alles viel entspannter ab. Es ist ein Ein-Tages-Format und insgesamt wirkt alles deutlich lockerer.“ Trotz seines Vorsprungs in der Meisterschaft denkt van de Moosdijk noch nicht an den Titel. Sein Ansatz bleibt unverändert. „Ich möchte jedes Rennen so fahren, wie ich es die ganze Saison gemacht habe.“
Spies und Koch: Nur ein Punkt trennt die beiden
Ein weiteres großes Thema der Pressekonferenz war der enge Kampf um Rang drei der Meisterschaft. Zwischen Maximilian Spies und Tom Koch liegt vor Gaildorf lediglich ein Punkt. Beide feierten zuletzt in Tensfeld jeweils einen Laufsieg und sehen sich für die zweite Saisonhälfte gut aufgestellt.
Spies berichtete, dass er die lange Sommerpause unter anderem für Dreharbeiten und Filmprojekte genutzt habe, bevor er in Loket und Lommel wieder MXGP-Luft schnupperte. Eine Erkrankung machte ihm dort allerdings zu schaffen. „Die Geschwindigkeit ist da. Ich musste mich einfach neu sammeln und fühle mich jetzt wieder fit.“
Tom Koch nutzte die Pause ebenfalls für Grand-Prix-Einsätze sowie Läufe zur Deutschen Meisterschaft. Gaildorf zählt seit Jahren zu seinen Lieblingsstrecken. „Ich mag die Strecke wirklich. Ich bin auf einem ähnlichen Boden aufgewachsen. Das Layout mit den Sprüngen und Wellen gefällt mir sehr.“
Haavisto gewinnt an Selbstvertrauen
Auch Jere Haavisto blickte auf eine erfolgreiche Entwicklung in den vergangenen Wochen zurück. Nach kleineren Verletzungen während der Vorbereitung fehlten ihm zu Saisonbeginn wichtige Trainingsstunden. Inzwischen habe sich das Zusammenspiel mit Motorrad und Team jedoch deutlich verbessert.
Der Laufsieg in Tensfeld und der EM-Titel hätten zusätzliches Selbstvertrauen gebracht. Sein Ziel für Gaildorf formulierte der Finne entsprechend knapp: „Es wäre schön, wieder auf das Podium zu fahren.“
Talviku über seine Werkschance: „Solche Möglichkeiten bekommt man vielleicht nur einmal“
Für Jörgen-Matthias Talviku stand naturgemäß seine neue Rolle als Fantic-Werksfahrer im Mittelpunkt. Nach der Verletzung von Alberto Forato erhielt der Este kurzfristig die Chance, in der MXGP für das Werksteam anzutreten. Am Wochenende sitzt er in Gaildorf allerdings wieder auf seiner Yamaha des SHR Motorsports-Teams.
Talviku machte deutlich, wie überraschend diese Entwicklung für ihn kam. „Ich hätte nicht erwartet, dass diese Chance so früh kommt.“ Den Wechsel wollte er deshalb unbedingt annehmen. „Solche Chancen bekommt man vielleicht nur einmal im Leben.“
Besonders dankbar zeigte er sich gegenüber SHR-Teamchef Stefan Hünecke und den Sponsoren, die ihm den kurzfristigen Einsatz beim Werksteam ermöglichten. „Ich weiß das wirklich zu schätzen.“
Der Titelkampf bleibt spannend
Die Pressekonferenz machte deutlich, dass vor Gaildorf vieles in Bewegung ist. Max Nagls verletzungsbedingter Ausfall verändert die Ausgangslage im Titelkampf, van de Moosdijk reist mit Selbstvertrauen aus den USA an und dahinter liefern sich Spies, Koch, Haavisto und Talviku ein enges Rennen um die Spitzenplätze.
Spätestens nach den Aussagen in der Pressekonferenz dürfte klar sein: Die zweite Saisonhälfte der ADAC MX Masters verspricht reichlich Spannung – und Gaildorf könnte dabei bereits eine entscheidende Rolle spielen.
