DMX-Finale in Thurm: Technikdrama entscheidet den 250er-Titel
Fritz Greiner entschied die DMX Meisterschaft 2026 in der DMX250 für sich. / Foto: ADAC
Das letzte DMX-Wochenende des Jahres hatte in Thurm einiges zu bieten. Mehrere Meisterschaften waren vor dem Saisonabschluss noch offen, dazu mischten sich mit Jeremy Sydow, Stefan Ekerold und Noah Ludwig einige bekannte Namen unter die Starter. Für die größte Geschichte sorgte am Ende aber ausgerechnet ein Hinterrad.
Besonders eng war die Ausgangslage in der Deutschen Jugend Motocross Meisterschaft bis 250 ccm. Linus Jung kam mit gerade einmal neun Punkten Vorsprung auf Fritz Greiner nach Westsachsen. 50 Zähler waren noch zu vergeben – genügend also, um die Reihenfolge noch einmal komplett umzudrehen.
Zunächst sah alles danach aus, als würde Jung die Sache zu seinen Gunsten entscheiden. Im ersten Lauf gewann er vor Jeremy Sydow, der kurzfristig mit seiner Triumph 250 angetreten war. Auch Stefan Ekerold tauchte nach längerer Motocross-Abstinenz wieder hinter einem Startgatter auf und wurde Dritter. Sydow und Ekerold fuhren als Gaststarter allerdings außerhalb der DM-Wertung.
Greiner kam als Fünfter ins Ziel und verlor damit zunächst weiter an Boden. Jungs Vorsprung wuchs auf 14 Punkte. Eigentlich eine ziemlich komfortable Ausgangslage für den letzten Lauf der Saison. Eigentlich.
Ein Hinterrad kostet Jung die Meisterschaft
Im entscheidenden Rennen traf Jung das wohl bitterste Problem, das man in einer solchen Situation haben kann. An seinem Hinterrad verabschiedeten sich Speichen, der Defekt bedeutete das Aus. Damit war der sicher geglaubte Titel plötzlich weg.
Greiner musste seinerseits kein Rennen gewinnen, um die Gelegenheit zu nutzen. Er wurde erneut Fünfter im Lauf und Dritter innerhalb der DM-Wertung. Das reichte, um Jung auf den letzten Metern der Saison noch abzufangen und sich die Meisterschaft zu sichern.
Den zweiten Lauf gewann Sydow. Hinter ihm kam mit Leon Rudolph aus Crimmitschau ein Fahrer des gastgebenden MSC Thurm als Zweiter ins Ziel. In der DM-Tageswertung setzte sich Oskar Luis Romberg vor Rudolph durch. Für Jung blieb dagegen eine dieser Niederlagen, die besonders lange hängenbleiben dürften. Nicht ein Fehler oder mangelndes Tempo entschieden den Titelkampf, sondern ein technischer Defekt im denkbar ungünstigsten Moment.
Sydow tauscht Enduro wieder gegen Motocross
Für Jeremy Sydow ging es in Thurm um deutlich weniger. Nach seinem Wechsel ins Enduro-Lager 2022 hatte der ehemalige WM-Pilot schlicht wieder Lust auf ein Motocross-Rennen.
Mit den Plätzen zwei und eins funktionierte das ziemlich ordentlich. „Das hat mal wieder echt Spaß gemacht, so wie ich mir das auch vorgestellt hatte. Aber klar, mit den Plätzen zwei und eins in den Rennen hat das auch von der sportlichen Seite her Spaß gemacht.“ Ganz ohne Ehrgeiz geht es bei Sydow eben auch dann nicht, wenn „just for fun“ auf dem Plan steht.
Seine Enduro-WM-Saison war bereits Anfang August beendet, während bis zum deutschen Enduro-Finale noch einige Wochen Zeit blieben. Thurm passte deshalb gut in den Kalender. Und offenbar hat Sydow wieder etwas Geschmack am Motocross gefunden. „Wenn es sich wieder mal ergibt, bin ich der Letzte, der nein sagt.“
Weitere Einsätze sind ohnehin geplant. Am 10. Oktober dürfte Sydow beim Stoppelcross Zumroda antreten, anschließend steht Ende Oktober das Enduro-EM-Finale in Woltersdorf auf seinem Programm.
Hänel beendet seine 85er-Saison ohne Niederlage
Deutlich entspannter konnte Tom Sönke Hänel das Finale angehen. Der 85er-Titel war bereits vor Thurm vergeben. Langweilig machte Hänel das Wochenende deshalb nicht. Mit den Laufplätzen eins und zwei holte er auch beim achten Saisonrennen den Tagessieg. Damit gewann er tatsächlich alle acht Tageswertungen der Saison.
Für ihn geht es nun weiter zu den 125ern.
Hinter dem bereits feststehenden Champion war dagegen noch offen, wer sich Platz zwei in der Meisterschaft sichert. Felix Siegl, Nick de Jong und mit deutlich geringeren Chancen auch Jamiro Peters kamen dafür infrage.
Siegl legte mit Platz zwei im ersten Lauf gut vor und führte im zweiten Heat längere Zeit, ehe ihn ein technisches Problem zurückwarf. Mehr als Rang zehn war danach nicht mehr drin. Für den Vizetitel reichte es trotzdem.
Gohlke macht bei den 50ern die perfekte Saison voll
Noch konsequenter verlief das Jahr von Melvin Gohlke. Der Fahrer aus Kaltennordheim war mit 36 Punkten Vorsprung zum Finale gekommen und hatte bis dahin jeden einzelnen Lauf der 50-ccm-Klasse gewonnen.
Auch Thurm änderte daran nichts. Bereits nach dem ersten Lauf war Gohlke Meister, anschließend machte er seine makellose Bilanz komplett. Kein einziger Heat ging 2026 an einen anderen Fahrer. Mehr Dominanz geht kaum.
Mats Ihle aus Waldenburg und Fritz Brenner aus Schlunzig belegten beim Finale die Tagesplätze acht und neun.
Noah Ludwig bestimmt die Open-Klasse
Am Sonntag rückte schließlich die DM Open in den Mittelpunkt. Die Meisterschaft selbst war bereits entschieden: Max Thunecke hatte den Titel sicher.
Dahinter ging es allerdings noch um die weiteren Meisterschaftsplätze – und mit Noah Ludwig tauchte ein Fahrer auf, der die Kräfteverhältnisse in Thurm ziemlich deutlich bestimmte. Ludwig hatte 2026 zuvor lediglich fünf DM-Veranstaltungen bestritten. Beim Finale gewann er beide Läufe souverän.
Im ersten Heat folgten ausgerechnet Linus Jung, der nach seinem bitteren Samstag erneut am Start stand, sowie Mark Scheu und der neue Meister Thunecke. Auch im zweiten Lauf wurde Jung Zweiter, diesmal vor Thunecke und Scheu.
Die beiden Siege brachten Ludwig in der Meisterschaft noch bis auf Rang drei nach vorne. Vizemeister wurde Scheu.
Auch die Lokalmatadore mischten mit. Lukas Fiedler wurde nach den Plätzen zehn und fünf Tagessechster. Enduro-Pilot Eddi Hübner kam auf Rang acht. Jimmy Opitz und Leon Rudolph traten mit ihren 250ern gegen die 450er an und beendeten den Sonntag auf den Tagesplätzen elf und 14.
Lange hält Schröters Angriff stand
In der 125er-Klasse musste Finn Lange seinen komfortablen Vorsprung eigentlich nur noch verwalten. 36 Punkte trennten ihn vor dem Finale von Tim Schröter. Schröter machte trotzdem alles, was er noch machen konnte. Er gewann beide Läufe. Für die große Wende reichte das nicht. Lange blieb mit den Plätzen zwei und drei nah genug dran und sicherte sich damit die Meisterschaft.
Ähnlich komfortabel war Bruno Lenarz bei den 65ern angereist. Sein Vorsprung auf Matteo Bauten betrug sogar 41 Punkte.
Platz sechs im ersten Lauf genügte Lenarz bereits, um den Titel festzumachen. Im letzten Heat der Saison ließ er es dann noch einmal laufen und gewann. Den Tagessieg schnappte sich dennoch Eddi Haustein, der den ersten Lauf gewonnen hatte und anschließend Zweiter wurde.
Regen kommt spät – die Rennen laufen weiter
Ganz ohne Wetterkapriolen ging das Finale nicht über die Bühne. Am Sonntagnachmittag setzte Regen ein, die Veranstaltung konnte aber vollständig durchgezogen werden. Nach Einschätzung von MSC-Thurm-Vorsitzendem Jörg Fiedler blieb die Strecke selbst für die 65er noch gut fahrbar.
Die Wettervorhersage dürfte den Veranstalter eher bei den Zuschauerzahlen getroffen haben. Sportlich konnte das Programm dagegen wie geplant beendet werden.
Und so lieferte Thurm zum Abschluss noch einmal ziemlich genau das, was ein Saisonfinale ausmacht: bereits feststehende Meister, offene Titelkämpfe, prominente Gaststarter und eine Entscheidung, die sich niemand hätte aussuchen wollen.
Für Fritz Greiner endete sie mit dem 250er-Titel. Für Linus Jung mit einem defekten Hinterrad und der wohl bittersten Geschichte des DMX-Finales.
