Cole Davies vor dem größten Erfolg seiner jungen Karriere
Cole Davies steht vor seinem bisher größten Erfolg in den USA. / Foto: Derek Morrison
Vier Motos trennen Cole Davies noch von der Möglichkeit, mit 18 Jahren den 250MX-Titel in den USA zu gewinnen. Zwei Runden vor Saisonende liegt der Neuseeländer nur einen Punkt hinter Tabellenführer Levi Kitchen. Mit zwei Overall-Siegen in Folge reist Davies am kommenden Wochenende nach Budds Creek.
Seine aktuelle Form spricht für den Yamaha-Piloten. Vier der vergangenen sechs Wertungsläufe hat Davies gewonnen. Zuletzt holte er in Unadilla mit 2-1 den Gesamtsieg und verkürzte damit den Rückstand auf Kitchen auf einen Zähler.
„Es ist jetzt eine enge Meisterschaft. Wir werden bis zum Ende kämpfen und hoffentlich schaffen wir es“, sagte Davies nach dem Rennen in Unadilla.
Der Druck steigt. Budds Creek und das Finale in Ironman entscheiden darüber, ob der Teenager bereits in seiner jungen Karriere einen der wichtigsten Titel im amerikanischen Motocross holen kann.
Townley sieht Starts und Speed als Schlüssel
Einer, der diese Situation kennt, ist Ben Townley. Der MX2-Weltmeister von 2004 begleitet Davies seit Jahren als Mentor und weiß aus eigener Erfahrung, wie sich ein amerikanischer 250-Titelkampf anfühlt.
Townleys Rat für die letzten vier Motos fällt entsprechend klar aus: Davies soll nicht anfangen, anders zu fahren. „Seine Stärken sind seine Starts und sein Speed“, sagt Townley. „Er muss die Holeshots holen. Wenn er freie Fahrt hat, wissen wir, dass er sehr schnell ist.“
Genau diese Starts könnten gegen Kitchen entscheidend werden. Josh Coppins sieht hier einen Unterschied zwischen den beiden Titelkandidaten. „Levi Kitchen war bei den Starts etwas inkonstant. Seine Stärke ist es, sich durch das Feld nach vorne zu arbeiten. Coles Stärke ist, dass er sich bisher gar nicht erst durch das Feld kämpfen musste.“
Davies kann seine Rennen dadurch häufig aus einer anderen Position aufbauen. Statt nach einem schlechten Start Zeit und Kraft bei Überholmanövern zu verlieren, kommt er früh in seinen Rhythmus und kann sein Tempo fahren.
Coppins: „Das erste Moto ist entscheidend“
Coppins misst besonders dem ersten Lauf in Budds Creek große Bedeutung bei. Davies war zuletzt häufig im zweiten Moto stärker. Genau das möchte der ehemalige Grand-Prix-Sieger diesmal bereits vom ersten Start an sehen. „Das erste Moto an diesem Wochenende ist entscheidend“, sagt Coppins. „Wir haben noch vier Motos und er hat den Rückstand geschlossen. Momentum ist momentan sehr wichtig.“
Seine Rechnung ist einfach: Gewinnt Davies Race 1, schafft er die Grundlage für ein mögliches 1-1. Mit einem solchen Ergebnis würde der Neuseeländer nicht nur weitere Punkte sammeln, sondern könnte den Titelkampf vor dem Finale erstmals selbst anführen.
Budds Creek ist für den 18-Jährigen kein unbekanntes Terrain. Dort gewann er in der vergangenen Saison seinen ersten 250MX-Lauf. Kitchen hat allerdings ebenfalls gute Erinnerungen an die Strecke und bereits einen Overall-Sieg auf diesem Kurs vorzuweisen.
Seit Saisonbeginn hat sich das Kräfteverhältnis verschoben
Coppins sieht Davies nicht erst seit Unadilla auf Augenhöhe mit der Spitze. Nach seiner Einschätzung fährt der Yamaha-Pilot bereits seit der frühen Saisonphase auf einem Niveau, das ihn zum Maßstab der Klasse gemacht hat. „Seit Runde drei oder vier war er, abgesehen von Millville, wo sein Tank beschädigt wurde, klar der beste Fahrer“, urteilt der Neuseeländer.
Das ist eine bemerkenswerte Entwicklung für einen Fahrer, der noch keine 19 Jahre alt ist. Davies hat den klassischen Weg vieler erfolgreicher neuseeländischer Motocrosser verlassen. Shayne King, Josh Coppins und Ben Townley gingen nach Europa und suchten ihren Weg über die Motocross-Weltmeisterschaft.
Davies entschied sich für die USA.
Shayne King sieht einen anderen Weg als bei seiner Generation
Shayne King, 500cc-Weltmeister von 1996 und erster neuseeländischer Motocross-Weltmeister, sieht genau darin einen wesentlichen Unterschied. „Coles Sprungbrett war nicht Europa, sondern die USA. Mit Supercross ist das noch einmal eine ganz andere Herausforderung“, sagt King.
Der 18-Jährige kam früh in das amerikanische Nachwuchssystem und landete schließlich bei Monster Energy Yamaha Star Racing. King schreibt einen Teil seiner Entwicklung auch Townley und Coppins zu, sieht den entscheidenden Faktor aber beim Fahrer selbst. „Er hatte als junger Kerl einen großen Traum, wie wir alle. Jetzt beginnt er, diesen Traum zu verwirklichen. Das Wichtigste ist: Er hat den Willen, erfolgreich zu sein, und er hat Spaß dabei.“
King verweist auch auf die Bedingungen, unter denen neuseeländische Nachwuchsfahrer aufwachsen. Unterschiedliche Böden und Strecken sowie zahlreiche Trainingsmöglichkeiten schaffen seiner Meinung nach eine gute Grundlage, bevor der Schritt nach Europa oder in die USA erfolgt.
Erinnerungen an Townleys Titelkampf von 2007
Davies‘ Saison weckt in Neuseeland Erinnerungen an Ben Townley. 2007 gewann der damalige Kawasaki-Pilot zunächst den 250SX-East-Titel und kämpfte anschließend in der amerikanischen Outdoor-Serie gegen Ryan Villopoto um die Meisterschaft.
Townley gewann sechs der zwölf Veranstaltungen und stand bei jeder Runde auf dem Podium. Den Titel holte am Ende Villopoto, Townley wurde Zweiter.
19 Jahre später bekommt Neuseeland erneut einen Fahrer, der bis in die Schlussphase einer amerikanischen 250MX-Saison um die Meisterschaft kämpft.
Die Ausgangslage könnte kaum enger sein. Kitchen führt mit einem einzigen Punkt vor Davies. Noch vier Motos sind zu fahren.
Budds Creek könnte dem Neuseeländer entgegenkommen. Coppins vergleicht den Boden teilweise mit Taupo, wenn auch mit deutlich mehr Höhenunterschieden. Auch das anschließende Finale in Ironman sieht er als Strecke, die zu Davies passen sollte.
Der letzte Lauf besitzt für den Yamaha-Piloten noch eine persönliche Randnotiz: Einen Tag vor dem Saisonfinale wird Cole Davies 19 Jahre alt. Ob er dort als Jäger oder bereits mit dem Red Plate ans Gatter rollt, entscheidet sich zunächst in Budds Creek.
