Cannon siegt, Turner kämpft mit Krankheit und van Drunen trotzt dem Chaos
Charli Cannon gewinnt beim High Point National ihr erstes AMA WMX Rennen. / Foto: Quadlock Honda
Die dritte Runde der AMA-WMX-Meisterschaft hatte gleich mehrere Geschichten zu bieten. Am Ende durfte Charlie Cannon über ihren ersten Gesamtsieg jubeln, während Lachlan Turner trotz Krankheit auf Rang zwei fuhr und Weltmeisterin Lotte van Drunen ein Rennwochenende überstand, das zwischenzeitlich völlig aus dem Ruder zu laufen drohte.
Erster Gesamtsieg für Cannon
Nach Rang fünf im ersten Lauf hatte Charlie Cannon die Hoffnung auf den Tagessieg bereits fast aufgegeben.
„Ich war ehrlich gesagt geschockt, als ich erfahren habe, dass ich die Gesamtwertung gewonnen habe“, erklärte die Australierin später. Die Leistung am Vortag sei alles andere als gut gewesen und sie habe gedacht, ihre Chancen bereits verspielt zu haben.
Im zweiten Lauf änderte sich das Bild. Cannon erwischte einen guten Start, nutzte einen Fehler der Führenden und sicherte sich ihren ersten Laufsieg. „Ich wusste, dass ich nichts mehr zu verlieren hatte. Es ist erst vorbei, wenn es vorbei ist“, sagte sie.
Trotz des Erfolgs blieb die Australierin selbstkritisch und sprach von Fehlern bei der Linienwahl, an denen sie für die zweite Saisonhälfte arbeiten wolle.
Turner fährt krank auf Platz zwei
Während Cannon ihren ersten Gesamtsieg feierte, kämpfte Lachlan Turner vor allem gegen ihren eigenen Körper.
„Ich bin seit sieben Tagen krank und definitiv nicht bei 100 Prozent“, erklärte die Australierin. Nach eigenen Angaben hatte sie in der Nacht vor dem Rennen praktisch keinen Schlaf bekommen und verbrachte jede freie Minute zwischen den Sessions im Fahrerlager mit Erholung.
Davon war auf der Strecke allerdings wenig zu sehen. Turner mischte trotzdem im Kampf um den Tagessieg mit und ärgerte sich nach dem Rennen sogar über verpasste Möglichkeiten.
„Es gibt mir viel Selbstvertrauen zu wissen, dass ich krank war und trotzdem um den Sieg kämpfen konnte“, sagte sie. Gleichzeitig war die Enttäuschung spürbar: „Heute habe ich es einfach weggeworfen.“
Van Drunen erlebt Chaos-Rennen
Noch turbulenter verlief das Wochenende für Lotte van Drunen. Die amtierende Weltmeisterin ging im zweiten Lauf ein Risiko ein und wurde zunächst belohnt. Trotz seriennaher Technik schoss sie zum Holeshot. Die Freude hielt allerdings nicht lange an.
Die Holeshot-Device löste sich nicht vom Motorrad. Während van Drunen noch versuchte, das System während des Rennens zu lösen, wurde das Rennen, durch den Sturz von Mayla Herrick, die den ersten Lauf am Freitag gewinnen konnte, mit der roten Flagge unterbrochen. Vor dem Neustart folgte die nächste Hiobsbotschaft. Nachdem das Team den Holeshot-Haken entfernt hatte, stellte sich heraus, dass das Motorrad Öl verlor, weil der Ölstopfen fehlte.
„Mein Mechaniker ist gelaufen, als würde sein Leben davon abhängen, um rechtzeitig Öl zu besorgen“, schrieb die Niederländerin später.
Ohne funktionierenden Holeshot-Haken musste sie das Rennen schließlich vom Ende des Feldes aufnehmen. Trotzdem kämpfte sich van Drunen noch bis auf Rang vier nach vorne und rettete damit Platz drei in der Tageswertung.
Drei unterschiedliche Geschichten, ein gemeinsames Podium
Das Endergebnis erzählt nur einen Teil der Geschichte. Hinter den Positionen eins bis drei verbargen sich ein überraschender Premierensieg, ein Podiumsplatz trotz Krankheit und ein Rennen voller technischer Probleme.
Genau solche Wochenenden zeigen, warum die WMX-Meisterschaft derzeit spannender wirkt als viele Jahre zuvor. Jede der drei Fahrerinnen auf dem Podium musste ihren Erfolg auf eine ganz andere Art erkämpfen.
