6DAYS Portugal: Ein Defekt stellt die Junior-Wertung auf den Kopf
Josep Garcia führt nach Tag 4 weiterhin die 6Days an. / Foto: Future7Media
Wie schnell kann bei den 6DAYS aus einer komfortablen Führung ein verlorener Gesamtsieg werden?Frankreichs Junioren bekamen am vierten Fahrtag in Portugal eine ziemlich bittere Antwort. Noch am Morgen lag die Mannschaft an der Spitze der Junior World Trophy, doch bevor überhaupt die erste Sonderprüfung gestartet war, war der Traum vom Sieg praktisch ausgeträumt. Italien profitierte davon und führt nun gleich zwei der wichtigsten Mannschaftswertungen an.
Dabei hatten die Organisatoren den vierten Fahrtag ohnehin deutlich zusammengestrichen. Statt der ursprünglich geplanten zwei Runden zwischen Grândola und Santiago do Cacém mussten die Teilnehmer nur eine absolvieren. Übrig blieben drei gezeitete Sonderprüfungen. Zusätzlich wurden die Transferzeiten verlängert, um die Sichtverhältnisse auf den Verbindungsetappen und in den Tests zu verbessern.
Weniger Kilometer, weniger Prüfungen und damit auch weniger Möglichkeiten, verlorene Zeit wieder gutzumachen. Für die führenden Italiener in der World Trophy kam diese Änderung nicht gerade ungelegen.
Frankreich verliert die Junior-Führung noch vor dem ersten Test
Die größte Geschichte des Tages spielte sich allerdings ab, bevor die Junioren überhaupt richtig loslegen konnten. Thibault Giraudon bekam technische Probleme mit seiner Fantic. Der Franzose versuchte noch, den Defekt direkt an der Strecke zu beheben, musste schließlich aber aufgeben. Für Frankreich war das ein herber Rückschlag. Die Mannschaft hatte die Junior World Trophy bis dahin angeführt und musste ihre Siegchancen nun praktisch begraben.
Italien übernahm die Spitze. Alberto Elgari war auf seiner TM MOTO erneut der schnellste Junior und half seiner Mannschaft, einen Vorsprung von 3:36 Minuten herauszufahren. Dahinter rückten die USA auf den zweiten Platz vor. Spanien folgt mit knapp zwei Minuten Rückstand auf Rang drei. Die Tschechische Republik liegt auf Platz vier, hat allerdings nur 55 Sekunden Vorsprung auf Australien.
Für die Franzosen dürfte dieser Tag besonders schwer zu verdauen sein. Drei Tage lang hatten sie sich eine gute Ausgangsposition erarbeitet, dann genügte ein technischer Defekt, um alles über den Haufen zu werfen.
Italien kontrolliert die World Trophy
In der World Trophy läuft es für Italien dagegen weiterhin nach Plan. Seit dem ersten Fahrtag führt die Mannschaft die Wertung an und konnte ihren Vorsprung auf Frankreich inzwischen auf 3:39 Minuten ausbauen.
Der verkürzte vierte Tag spielte den Italienern dabei durchaus in die Karten. Mit nur drei Sonderprüfungen hatten die Verfolger kaum Gelegenheit, größere Zeitabstände herauszufahren.
Für Frankreich wird es damit langsam eng. Zwar stehen noch zwei Fahrtage aus, doch nur einer davon bietet das gewohnte Programm mit mehreren Sonderprüfungen. Am letzten Tag wartet traditionell der abschließende Motocross-Test. Sollten die Italiener ohne größere Probleme durchkommen, dürfte es schwierig werden, ihnen den Gesamtsieg noch abzunehmen.
Hinter den beiden führenden Mannschaften gab es dagegen reichlich Bewegung. Schweden war mit gerade einmal elf Sekunden Vorsprung auf die USA in den vierten Tag gestartet. Ein spannender Kampf um Platz drei schien also vorprogrammiert.
Doch dann blieb Steward Baylor mit seiner Kawasaki in der letzten Sonderprüfung stehen. Bis der Amerikaner wieder weiterfahren konnte, war reichlich Zeit verloren.
Schweden liegt nun 2:41 Minuten vor den USA. Und die Amerikaner müssen inzwischen sogar nach hinten schauen, denn Spanien ist bis auf 17 Sekunden herangerückt. Statt um Platz drei zu kämpfen, könnte es für die USA plötzlich darum gehen, Rang vier überhaupt zu verteidigen.
Chile behauptet unterdessen den sechsten Platz und zeigt weiterhin eine starke Mannschaftsleistung. „Heute lief es gut, wir haben einen Platz gutgemacht und sind deshalb zufrieden“, erklärte Benjamin Herrera. „Jetzt müssen wir konstant bleiben und Fehler vermeiden. Wir wissen, dass wir etwas langsamer sind als die Jungs vor uns, aber wir kämpfen weiter und haben noch genug Energie.“
García gegen Verona: Nur zwölf Sekunden trennen die beiden
Während bei den Mannschaften einiges für Italien spricht, bleibt die Einzelwertung richtig spannend. Josep García setzte auf seiner KTM alles daran, den Rückstand auf Andrea Verona zu verkürzen. Der Spanier gewann die ersten beiden Sonderprüfungen und sicherte sich damit seinen dritten Tagessieg in der Gesamtwertung.
Verona schlug allerdings im letzten Test zurück und begrenzte seinen Zeitverlust auf gerade einmal drei Sekunden.
Damit führt der Italiener die Gesamtwertung weiterhin an, allerdings nur noch mit zwölf Sekunden Vorsprung. „Es war ein kurzer Tag mit drei Tests, aber insgesamt ein guter für mich“, erklärte Verona. „Der Kampf zwischen Josep und mir ist weiterhin eng. Bei noch zwei verbleibenden Tagen werde ich alles geben, um zu gewinnen.“ Zwölf Sekunden sind bei einer Veranstaltung wie den 6DAYS nicht viel. Ein kleiner Fehler, eine verpasste Linie oder ein schlechter Test können reichen, um die Reihenfolge zu verändern.
Auch dahinter ging es knapp zu. Zach Pichon setzte sich im Kampf um den dritten Tagesrang gegen Grant Davis durch. Gerade einmal vier Zehntelsekunden trennten die beiden. Brad Freeman belegte Platz fünf. In der Enduro1 war García erneut nicht zu schlagen und feierte seinen vierten Klassensieg in Folge. Kyron Bacon setzte sich im Kampf um Platz zwei um eine Zehntelsekunde gegen Axel Semb durch.
Die Enduro2 gewann Verona vor Pichon und Davis. In der Enduro3 durfte dagegen Brad Freeman erstmals in dieser Woche einen Klassensieg feiern. Der Brite war gerade einmal drei Zehntelsekunden schneller als Julien Roussaly. Albin Norrbin komplettierte die Top drei.
US-Frauen bauen Führung aus
In der Women’s World Trophy haben die USA ebenfalls einen guten Tag erwischt. Alle drei Amerikanerinnen landeten innerhalb der Top fünf und bauten damit ihren Vorsprung auf Australien weiter aus.
Nachdem die Australierinnen am Vortag noch Druck gemacht hatten, holten die Titelverteidigerinnen auf den drei Sonderprüfungen diesmal mehr als eine Minute heraus. Der Abstand beträgt inzwischen über fünf Minuten.
Frankreich liegt weiterhin auf Rang drei und hat rund 20 Minuten Vorsprung auf Neuseeland. „Für uns als Team war es ein guter Tag. Wir sind natürlich zufrieden, auf Platz drei zu liegen“, erklärte Justine Martel. „Diese Bedingungen sind für uns völlig ungewohnt. Normalerweise fahren wir nie in solchem Sand. Deshalb ist ein Podiumsplatz für uns eine richtig gute Nachricht.“
In der Einzelwertung der Frauen gewann Brandy Richards erneut. Danielle McDonald belegte mit 18 Sekunden Rückstand Platz zwei, gefolgt von Korie Steede. Rachael Archer und Rachel Gutish komplettierten die ersten fünf Positionen.
Auch bei den Clubteams gibt es einen Führungswechsel
Nicht nur bei den Junioren stellte ein Ausfall die Wertung auf den Kopf. Auch im Club Team Award erwischte es die bisher führende Mannschaft. Pietro Scardina musste seine TM MOTO abstellen, womit die Hoffnungen von Team Italy auf den Gesamtsieg einen erheblichen Dämpfer erhielten.
Davon profitierte Team Rabaconda, das nun mit 2:41 Minuten Vorsprung auf die Missouri Mudders führt. GTBN liegt auf Platz drei, muss allerdings Motosport Bozkov 1 im Auge behalten. Bei den Veteranen behauptet das Gottbros Team die Spitze. Der Vorsprung auf Team Motokrosova Skola CZ beträgt 4:28 Minuten. Cone Valve Team-M.C. Sitge folgt auf Rang drei.
Am fünften Fahrtag wartet auf die Teilnehmer eine neue Runde zwischen Grândola und Alcácer do Sal.
Für Italien geht es dann vor allem darum, die Führung in der World Trophy und bei den Junioren ohne größere Zwischenfälle über die verbleibenden Prüfungen zu bringen. Frankreich braucht dagegen einen außergewöhnlich guten Tag oder Hilfe durch Probleme der Konkurrenz.
Und während bei den Mannschaften bereits einiges für Italien spricht, dürfte das Duell zwischen Andrea Verona und Josep García noch für Spannung sorgen.
Zwölf Sekunden Vorsprung sind schließlich schnell verspielt. Wie schnell das Blatt bei den 6DAYS umschlagen kann, haben Frankreichs Junioren gerade erst erlebt.
