Eva Täuber: Vom Zweifel zur Vizeweltmeisterin – „Ihr müsst euch nur trauen“
Eva Täüber (links) auf dem Hard Enduro Meisterschaftspodium. / Foto: privat
Wer hätte vor einigen Jahren gedacht, dass Eva Täuber einmal als Vizeweltmeisterin der Hard Enduro World Championship dastehen würde? Sie selbst jedenfalls nicht. Während Sandra Gomez 2026 den Weltmeistertitel bei den Frauen gewann, beendete Täuber ihre erste vollständige WM-Saison auf dem zweiten Platz. Ein Erfolg, den sie sich früher nicht einmal hätte vorstellen können.
Doch statt sich nach dem Saisonende ausschließlich über ihre Platzierung zu freuen, wandte sich die Deutsche mit einer persönlichen Botschaft an andere Frauen im Endurosport. Es ging ihr dabei weniger um Pokale oder Meisterschaftspunkte als um eine Frage, die sich vermutlich viele schon einmal gestellt haben: Bin ich überhaupt gut genug, um das zu versuchen?
„Vor ein paar Jahren hätte ich niemals geglaubt, dass ich eines Tages in der Hard Enduro World Championship fahren würde. Ich hätte mir nie vorstellen können, eine komplette Saison zu bestreiten – und schon gar nicht, sie als Vizeweltmeisterin zu beenden.“
Wer diese Worte liest, bekommt einen anderen Blick auf ihren zweiten WM-Platz. Denn Täuber beschreibt nicht einfach nur einen sportlichen Erfolg. Sie erinnert sich daran, wie weit entfernt ihr das alles einmal erschien.
Der erste Schritt ist manchmal der schwierigste
Hard Enduro gehört zu den Disziplinen, in denen selbst erfahrene Fahrer regelmäßig an ihre Grenzen kommen. Steile Auffahrten, Felsfelder, schwierige Abfahrten und körperlich anstrengende Passagen verlangen nicht nur Fahrtechnik und Kondition, sondern auch die Bereitschaft, sich immer wieder an Hindernisse heranzuwagen, die zunächst kaum fahrbar erscheinen.
Gerade deshalb dürfte Täubers Botschaft bei vielen Frauen einen Nerv treffen. „Glaubt an euch selbst, auch wenn sonst niemand an euch glaubt. Hört niemals auf zu kämpfen. Hört niemals auf, das zu verfolgen, was ihr liebt.“
Solche Worte können schnell nach einem der üblichen Motivationssprüche klingen. Bei Täuber lohnt es sich allerdings, genauer hinzusehen. Sie spricht schließlich aus eigener Erfahrung. Schon 2023 gewann sie die Frauenwertung der Hard-Enduro-Europameisterschaft, inzwischen hat sie auch auf WM-Niveau bewiesen, dass sie vorne mitfahren kann.
Dabei engagiert sie sich mit ihrem ET Racing Team auch abseits der Rennen für Frauen im Endurosport. Gemeinsames Training, Erfahrungsaustausch und Unterstützung sollen anderen Fahrerinnen helfen, ihren eigenen Weg zu finden.
Ihre Botschaft ist deshalb keine spontane Reaktion auf einen gelungenen Saisonabschluss. Sie passt zu dem, wofür sie sich bereits seit längerer Zeit einsetzt.
Man muss nicht bereit sein, um etwas auszuprobieren
Besonders deutlich wird Täuber, wenn sie darüber spricht, welche Erwartungen Frauen an sich selbst stellen sollten, bevor sie sich einer neuen Herausforderung stellen.
„Ihr müsst nicht die Besten sein. Ihr müsst euch nicht einmal bereit fühlen. Manchmal müsst ihr einfach nur mutig genug sein, den ersten Schritt zu machen und es auszuprobieren.“
Und genau da liegt vermutlich eine der größten Hürden. Wer sich zum ersten Mal an eine schwierige Auffahrt wagt oder überlegt, bei einem Enduro-Rennen zu starten, weiß vorher selten, ob das eigene Können bereits ausreicht. Man kann trainieren, sich vorbereiten und Erfahrungen sammeln. Irgendwann muss man es trotzdem einfach versuchen.
Täuber verspricht niemandem, dass daraus automatisch eine erfolgreiche Rennsportkarriere wird. Sie fordert auch nicht, dass jede Frau irgendwann bei einer Weltmeisterschaft antreten sollte. Vielmehr geht es darum, sich nicht schon vor dem ersten Versuch selbst auszubremsen.
Das gilt für eine Anfängerin, die erstmals auf einer Enduro sitzt, genauso wie für eine erfahrene Fahrerin, die sich bisher nicht an größere Wettbewerbe herangetraut hat.
Täuber selbst ist dafür inzwischen ein ziemlich gutes Beispiel. Aus einer Fahrerin, die sich einen Start in der Hard Enduro-WM kaum vorstellen konnte, ist eine Vizeweltmeisterin geworden.
„Es gibt einen Platz für uns in diesem Sport“
Mit Sandra Gomez als Weltmeisterin und Eva Täuber als Vizeweltmeisterin haben zwei Frauen die Saison 2026 an der Spitze abgeschlossen. Doch obwohl Fahrerinnen längst zeigen, was in dieser Disziplin möglich ist, bleiben sie bei vielen Hard-Enduro-Veranstaltungen deutlich in der Minderheit.
Das möchte Täuber ändern. „Es gibt einen Platz für uns in diesem Sport. Und ich würde mich freuen, wenn immer mehr Frauen an der Startlinie stehen würden.“
Darin steckt auch eine Aufforderung an das Umfeld des Sports. Denn Mut allein reicht nicht immer aus. Wer neu einsteigt, braucht Trainingsmöglichkeiten, Unterstützung und Menschen, die ihre Erfahrungen weitergeben. Gerade in einer Disziplin, in der die Anforderungen schnell sehr hoch werden können, ist das keine Nebensache.
Mit ihrem eigenen Engagement versucht Täuber bereits, einen Teil dazu beizutragen. Ihr Vizeweltmeistertitel verschafft ihr nun zusätzliche Aufmerksamkeit, die sie offenbar nicht nur für sich selbst nutzen möchte.
„Mädels, ihr könnt das schaffen. Ich glaube an euch! Ihr müsst euch nur trauen, es zu versuchen.“
Während Sandra Gomez mit ihrem Titelgewinn die sportliche Schlagzeile liefert, erzählt Täubers zweiter Platz eine Geschichte, die über die Ergebnisliste hinausgeht. Sie handelt von einer Fahrerin, die sich früher selbst nicht vorstellen konnte, einmal auf diesem Niveau anzutreten, und heute anderen Frauen genau diesen Mut machen möchte.
Vielleicht wird nicht jede, die ihre Worte liest, irgendwann bei einer Weltmeisterschaft starten. Das muss sie auch nicht. Wenn sich dadurch aber die eine oder andere Fahrerin erstmals an ein Rennen heranwagt, wäre das durchaus ein Erfolg, der sich in keiner WM-Tabelle wiederfindet.
