Joel Smets verlässt KTM

Joel Smets verlässt KTM. / Foto: Ralph Marzahn

Nach über zehn Jahren in verschiedenen Management- und Beratungsfunktionen endet die Zeit von Joel Smets an der Spitze des Red Bull KTM Factory Racing Teams. Ab 2027 übernimmt Stefan Simpson die Verantwortung für das gesamte Motocross-Grand-Prix-Programm des österreichischen Herstellers.

KTM bedankt sich in seiner offiziellen Mitteilung ausführlich bei Smets, würdigt dessen Verdienste und präsentiert mit Simpson einen Nachfolger aus den eigenen Reihen. Was nach einem gewöhnlichen Personalwechsel klingt, könnte allerdings Teil eines größeren Umbaus sein. Denn der Hersteller erwähnt ausdrücklich auch weitere langjährige Mitarbeiter, denen man für ihre Arbeit danken möchte.

Und dann wäre da noch die Saison 2026, die für KTM trotz einiger Erfolge nicht unbedingt nach Wunsch verlief.

Erfolgreiche Jahre mit Smets

Joel Smets gehört zu den erfolgreichsten Fahrern der Motocross-Geschichte. Fünf Weltmeistertitel stehen in seiner Bilanz, den letzten holte er auf KTM. Seit 2015 war der Belgier für den österreichischen Hersteller tätig und übernahm im Laufe der Jahre unterschiedliche Aufgaben im Management und in der Betreuung der Werksfahrer.

Sein Einfluss reichte dabei über die Organisation der Rennwochenenden hinaus. KTM hebt ausdrücklich seine Rolle bei der Entwicklung von Tom Vialle, Jorge Prado und Andrea Adamo hervor. Drei Fahrer, die unter dem Dach des österreichischen Herstellers zu Weltmeistern wurden.

Smets war damit Teil einer Phase, in der KTM die MX2 über Jahre prägte und auch in der MXGP regelmäßig um die Weltmeisterschaft kämpfte.

Nun gibt er seinen Posten ab.

Warum genau, verrät KTM nicht. In der Pressemitteilung ist von einer organisatorischen Neuausrichtung die Rede. Ob die Entscheidung von der Unternehmensführung ausging, Smets selbst eine Veränderung wollte oder beide Seiten gemeinsam diesen Schritt beschlossen haben, bleibt offen.

Hat die Saison 2026 den Ausschlag gegeben?

Ganz aus der Luft gegriffen wäre die Frage nach einem Zusammenhang mit den sportlichen Ergebnissen jedenfalls nicht. Allerdings muss man bei KTM genauer hinschauen, denn die österreichische Marke trat 2026 mit zwei unterschiedlichen Werksstrukturen an.

Während Joel Smets für das in Österreich angesiedelte Werksteam verantwortlich war, gingen Lucas und Sacha Coenen unter der Leitung von Davide DeCarli in der italienischen KTM-Struktur an den Start. Die sportlichen Ergebnisse der beiden Brüder lassen sich deshalb nicht ohne Weiteres Smets zurechnen.

Und gerade diese Unterscheidung ist wichtig, wenn man nach möglichen Gründen für den Führungswechsel sucht.

In der von Smets betreuten Mannschaft blieb vor allem Simon Längenfelder hinter den Erwartungen zurück. Nach seinem MX2-Weltmeistertitel 2025 sollte der Deutsche auch 2026 um die Spitze kämpfen. Stattdessen beendete er die Saison lediglich auf dem fünften WM-Rang. Für einen amtierenden Weltmeister und ein Werksteam mit den Ansprüchen von KTM dürfte das kaum zufriedenstellend gewesen sein.

Bei den Coenen-Brüdern sah die Ausgangslage anders aus. Beide gehörten zu den Titelkandidaten, ehe Verletzungen zur Saisonmitte ihre Hoffnungen praktisch zunichtemachten. Das war für KTM als Hersteller bitter, hatte aber mit der unmittelbaren Verantwortung von Smets nichts zu tun.

An der Konkurrenzfähigkeit der Motorräder dürfte es ohnehin kaum gelegen haben. Drei der vier KTM-Werksfahrer gewannen 2026 Grands Prix, zeitweise hielt die Marke sowohl in der MXGP als auch in der MX2 das Red Plate.

Trotzdem blieb KTM am Ende ohne Weltmeistertitel. Und natürlich stellt sich nach einer solchen Saison die Frage, ob innerhalb der Werksstrukturen Veränderungen notwendig sind.

Nur wäre es zu einfach, die gesamte sportliche Bilanz des Herstellers als Begründung für Smets‘ Abschied heranzuziehen. Dafür waren die Verantwortlichkeiten zu klar getrennt. Wenn überhaupt, müsste man vor allem die Entwicklung und die Ergebnisse jener Fahrer betrachten, die tatsächlich seiner Mannschaft zugeordnet waren.

Ob Längenfelders enttäuschender fünfter WM-Platz bei der Entscheidung eine Rolle gespielt hat, wissen wir nicht. KTM nennt keine sportlichen Gründe und spricht ausschließlich von einer organisatorischen Neuausrichtung.

Dass diese ausgerechnet nach einer Saison ohne WM-Titel erfolgt, ist dennoch bemerkenswert. Ob es sich dabei um eine Reaktion auf die Ergebnisse handelt oder um einen ohnehin geplanten Generationswechsel, lässt die offizielle Mitteilung offen.

Stefan Simpson: Techniker statt klassischer Teammanager?

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Stefan Simpson ist neuer KTM Factory Teammanager

Mit Stefan Simpson setzt KTM auf einen Mann, der den Rennbetrieb vor allem von der technischen Seite kennt.

Der Schotte arbeitete bereits 2009 und 2010 als Mechaniker für Red Bull KTM. Anschließend sammelte er über 15 Jahre Erfahrung in der technischen Entwicklung und Forschung. Während der vergangenen beiden Jahre war er in einer leitenden Entwicklungsfunktion tätig, die unmittelbar mit dem Werksteam verbunden war.

Jetzt soll er das gesamte Motocross-Grand-Prix-Programm verantworten. „Die vergangenen 15 Jahre meiner Karriere haben mich auf diese Position vorbereitet“, erklärte Simpson. „Ich trete in große Fußstapfen. Ich möchte Robert und Pit dafür danken, dass sie mir vertrauen. Diese Gelegenheit musste ich ergreifen, und ich werde alles dafür geben.“

Auch die Rückendeckung des Herstellers spricht er ausdrücklich an. „Wir haben eine gute Mannschaft, und das Unternehmen steht voll hinter uns. Deshalb bin ich zuversichtlich. Dieses Team hat viele Titel gewonnen, und wir arbeiten bereits mit Hochdruck an 2027.“

Interessant ist vor allem Simpsons bisherige Tätigkeit. Er kommt nicht aus einer fremden Teamstruktur, sondern kennt die internen Entwicklungsabläufe bei KTM. Gerade bei einem Werksteam, in dem die Abstimmung zwischen Fahrern, Rennmechanikern und Entwicklungsabteilung eine entscheidende Rolle spielt, kann diese Erfahrung durchaus ein Vorteil sein.

Allerdings ist die Leitung eines kompletten Grand-Prix-Programms noch einmal eine andere Aufgabe. Hier geht es nicht nur um technische Entscheidungen, sondern auch um Personal, Fahrer, Organisation und den Umgang mit sportlichem Druck.

Dass Simpson dafür das nötige Wissen mitbringt, steht für KTM offenbar außer Frage. Wie gut sich seine bisherige Erfahrung auf die neue Position übertragen lässt, wird sich im Rennbetrieb zeigen.

Verlässt auch Valentina Ragni das Team?

Ein Detail der Pressemitteilung verdient besondere Aufmerksamkeit. KTM bedankt sich nicht ausschließlich bei Joel Smets, sondern ausdrücklich auch bei weiteren langjährigen Mitarbeitern, die seit der Einführung des heutigen WM-Formats im Jahr 2004 zur Erfolgsgeschichte beigetragen haben.

Namen nennt der Hersteller dabei nicht.

Wir vermuten allerdings, dass auch Valentina Ragni von der Neuaufstellung betroffen sein und das Werksteam verlassen könnte. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es bislang nicht.

Sollte sich diese Vermutung bestätigen, wäre der Abschied von Smets keineswegs die einzige personelle Veränderung. Vielmehr könnte KTM gerade dabei sein, einige seiner über Jahre gewachsenen Strukturen grundlegend umzubauen. Wie umfangreich die Veränderungen tatsächlich ausfallen, bleibt vorerst offen. Dass KTM in seiner Mitteilung ausdrücklich weiteren Mitarbeitern dankt, macht die Frage nach zusätzlichen Abgängen jedenfalls interessant.

Robert Jonas, KTM Director Offroad Racing, spricht davon, dass sich Rennteams im Laufe der Jahre immer wieder neu erfinden müssten. „Für Red Bull KTM Factory Racing hat es oberste Priorität, die hohe Qualität und Konstanz beizubehalten, um regelmäßig um Weltmeisterschaften kämpfen zu können“, erklärte Jonas.

Mit Simpson bekomme das Team jemanden, der sowohl den Sport als auch das Unternehmen kenne und die KTM-Mentalität mitbringe. Die Ziele bleiben also unverändert. Nur die Menschen, die sie erreichen sollen, werden teilweise andere sein.

Und auch bei den Fahrern steht noch eine wichtige Ankündigung aus. KTM will die vollständige Besetzung für 2027 und darüber hinaus in Kürze bekanntgeben. Damit könnte sich in den kommenden Wochen ein genaueres Bild ergeben, wie umfangreich der Umbau tatsächlich ausfällt.

Für Joel Smets endet derweil ein Kapitel, das eng mit einigen der erfolgreichsten Jahre von KTM in der Motocross-Weltmeisterschaft verbunden ist. Ob der Belgier künftig eine andere Aufgabe im Fahrerlager übernimmt, ist bislang nicht bekannt.

KTM geht 2027 mit einer neuen Führung in die MXGP-Saison. Ob es bei diesem Wechsel bleibt oder weitere bekannte Gesichter das Werksteam verlassen, dürfte sich schon bald zeigen.