KTM produziert jetzt auch Motocross-Bikes in Brasilien
Feierliche Eröffnung des neuen KTM-Montagewerks in der brasilianischen Freihandelszone Manaus. / Foto: KTM
Mitten im Amazonasgebiet rollen inzwischen KTM-Motorräder vom Band. Am 14. Oktober 2026 hat der österreichische Hersteller sein neues Werk in Manaus offiziell eröffnet. Dort werden nicht nur Adventure- und Straßenmodelle montiert, sondern auch reinrassige Motocross- und Enduromaschinen. Darunter die KTM 250 SX-F und 450 SX-F sowie verschiedene Zwei- und Viertakt-Enduros von KTM und Husqvarna.
Für KTM ist der Standort ein wichtiger Schritt beim Ausbau des Südamerika-Geschäfts. Erstmals betreibt das Unternehmen außerhalb Österreichs ein vollständig eigenes Montagewerk, in dem sowohl Motorräder als auch Motoren montiert werden. Bislang erfolgte die Fertigung in Brasilien über einen externen Partner.
Die Produktion in Manaus ist allerdings ausschließlich für den brasilianischen Markt bestimmt. An der Fertigung in Mattighofen ändert sich dadurch nichts.
Warum KTM ausgerechnet im Amazonas produziert
Manaus liegt mitten im brasilianischen Amazonasgebiet. Für eine Motorradfabrik wirkt der Standort zunächst ungewöhnlich, wirtschaftlich hat die Entscheidung allerdings handfeste Gründe.
Brasilien gehört zu den wichtigsten Motorradmärkten weltweit und steht für rund 70 Prozent des gesamten lateinamerikanischen Marktes. Gleichzeitig erschweren hohe Einfuhrabgaben den Import vollständig montierter Motorräder.
Je nach Modell können Zölle, Steuern und weitere Abgaben zwischen 80 und mehr als 100 Prozent des Fahrzeugwertes ausmachen. Für einzelne Komponenten und Montagesätze gelten dagegen deutlich günstigere Bedingungen. Wer seine Motorräder in Brasilien verkaufen möchte, kommt deshalb kaum daran vorbei, zumindest einen Teil der Fertigung ins Land zu verlagern.
Hinzu kommen die steuerlichen Vorteile der Freihandelszone Manaus. Honda, Yamaha, BMW, Ducati und Triumph sind dort bereits mit eigenen Montageaktivitäten vertreten. KTM zieht nun mit einem vollständig eigenen Werk nach und übernimmt damit mehr Kontrolle über die lokale Produktion.
„Brasilien ist einer der wichtigsten und vielversprechendsten Motorradmärkte der Welt. Für KTM gibt es dort noch erhebliches Potenzial“, erklärte CEO Gottfried Neumeister. „Mit dem Werk in Manaus schaffen wir die Voraussetzungen, dieses Potenzial zu nutzen und näher an unseren Kunden zu sein. Es ist ein bewusster Schritt hin zu gezieltem Wachstum und einem langfristigen Engagement in diesem Markt.“
SX-F-Modelle und Enduros bereits in Produktion
Die offizielle Eröffnung fand erst Mitte Oktober statt, tatsächlich läuft die Fertigung aber schon seit mehreren Monaten.
Am 26. Juni wurde der erste Motor unter Serienbedingungen montiert. Bereits am 1. Juli begann die Produktion der Zweitakt-Enduromodelle. Seit dem 10. August wird außerdem die KTM 390 Adventure R gefertigt, im Oktober kam die 390 Adventure X hinzu.
Besonders interessant ist die aktuelle Modellpalette für den Offroad-Bereich. Neben der KTM 250 SX-F und 450 SX-F gehören auch Enduromodelle von KTM und Husqvarna mit 300-Kubik-Zweitaktmotoren und 350-Kubik-Viertaktmotoren zum Produktionsprogramm.
Damit beschränkt sich KTM in Brasilien keineswegs auf günstige Einsteigermodelle. Auch die sportlichen Offroad-Motorräder werden vor Ort montiert.
Wie viele Komponenten tatsächlich aus brasilianischer Fertigung stammen und welche Baugruppen weiterhin aus Österreich oder anderen Produktionsstandorten angeliefert werden, ist bislang nicht im Detail bekannt.
Fest steht allerdings, dass Manaus nicht nur als Standort für die Endmontage dient. Auch die Motorenmontage ist direkt in das Werk integriert.
Weitere Modelle für 2027 angekündigt
KTM will das Produktionsprogramm bereits im kommenden Jahr erweitern. Für 2027 sind drei zusätzliche Modelle vorgesehen: die KTM 790 Adventure R, die KTM 790 Duke und die KTM 390 Enduro R.
Damit wächst die Modellpalette über den reinen Offroad-Bereich hinaus. Vom Motocross-Bike über Sportenduros bis hin zu größeren Adventure- und Straßenmotorrädern sollen künftig unterschiedliche Fahrzeugkonzepte am selben Standort montiert werden.
Die dafür notwendige Flexibilität gehört offenbar zum Konzept des neuen Werkes. Im Einschichtbetrieb ist die Anlage auf rund 10.000 Motorräder pro Jahr ausgelegt. Für 2027 plant KTM zunächst mit 7.000 bis 8.000 Einheiten.
Ab 2028 soll die Produktion dann auf zwei Schichten umgestellt werden. Damit könnte die Fertigung bei entsprechender Nachfrage deutlich ausgeweitet werden.
Fünf Millionen Euro Investitionen bis 2028
Rund drei Millionen Euro hat KTM bislang in den Standort Manaus investiert. Weitere zwei Millionen Euro sollen 2027 und 2028 folgen. Aktuell arbeiten rund 80 direkt bei KTM do Brasil beschäftigte Mitarbeiter im Werk. Hinzu kommen etwa 20 Beschäftigte externer Dienstleister.
Auch die Zusammenarbeit mit regionalen Zulieferern ist bereits angelaufen. Insgesamt 15 brasilianische Unternehmen liefern derzeit rund 80 unterschiedliche Komponenten.
KTM-Finanzvorständin Petra Preining sieht vor allem in der Möglichkeit, den Standort schrittweise auszubauen, einen Vorteil. „Der erfolgreiche Produktionsstart zeigt, was in Manaus möglich ist. Und wir haben noch einiges vor“, erklärte Preining. „Das Werk kann mit dem Markt wachsen, sowohl hinsichtlich der Kapazität als auch der Modellpalette.“
Gleichzeitig soll die lokale Fertigung helfen, Kosten zu reduzieren und die Wettbewerbsfähigkeit auf dem brasilianischen Markt zu verbessern.
KTM übernimmt die Fertigung selbst
Die eigentliche Veränderung liegt allerdings weniger in der Tatsache, dass KTM nun Motorräder in Brasilien montiert. Das geschah bereits zuvor über einen Partner.
Neu ist, dass der Hersteller die Produktion jetzt vollständig selbst verantwortet. Für den Vertrieb arbeitet KTM weiterhin mit Bajaj do Brasil zusammen. Über das bestehende Händlernetz sollen die lokal montierten Motorräder auf dem brasilianischen Markt angeboten werden.
Der Hersteller verbindet damit die Vorteile einer eigenen Produktionsstruktur mit einem bereits aufgebauten Vertriebsnetz. Gerade die hohen Importabgaben machen deutlich, warum dieser Schritt wirtschaftlich sinnvoll sein kann. Wer fertige Motorräder nach Brasilien einführt, hat gegenüber lokal montierten Modellen einen erheblichen Kostennachteil.
Für europäische Kunden dürfte sich durch das neue Werk dagegen zunächst wenig ändern. Die Motorräder aus Manaus sind ausschließlich für Brasilien vorgesehen, während Mattighofen als Produktionsstandort bestehen bleibt.
Für KTM geht es deshalb vor allem darum, auf einem der größten Motorradmärkte der Welt stärker Fuß zu fassen. Die Produktionskapazitäten sind vorhanden, die ersten Modelle laufen bereits vom Band und die nächste Erweiterung ist für 2027 angekündigt.
Ob daraus tatsächlich die erhofften Stückzahlen werden, hängt nun davon ab, wie gut KTM und Husqvarna bei den brasilianischen Kunden ankommen.
