Suzuki-Comeback: Kemea und Joel Smets im Gespräch

Kevin Strijbos auf der Werks Suzuki

Kevin Strijbos auf der Werks Suzuki. / Foto: Ray Archer

Neue Informationen aus Frankreich bringen Suzuki erneut mit einer Rückkehr in die MXGP im Jahr 2028 in Verbindung. Dabei könnten ausgerechnet zwei bekannte Namen eine Rolle spielen, deren bisherige Aufgaben durch die aktuellen Umstrukturierungen im Fahrerlager enden: das Yamaha-Werksteam Kemea und der langjährige KTM-Teammanager Joel Smets.

Den Informationen nach könnte die Mannschaft von Hans Corvers ein Jahr lang den Wiedereinstieg des japanischen Herstellers vorbereiten. Auch Smets wird mit dem möglichen Projekt in Verbindung gebracht. Bestätigt ist die Zusammenarbeit bislang nicht. Allerdings gibt es einige Entwicklungen, die diese Konstellation durchaus interessant machen.

Yamaha macht den Weg für Kemea frei

Jahrelang gehörte Kemea zu den festen Größen in der Motocross-Weltmeisterschaft. Unter der Leitung von Hans Corvers entwickelte sich die belgische Mannschaft zu einer erfolgreichen Yamaha-Werksstruktur, die regelmäßig um Grand-Prix-Siege und Weltmeistertitel kämpfte.

Damit ist nun Schluss. Yamaha richtet sein Engagement für 2027 neu aus und konzentriert sich mit seiner eigenen Werksstruktur auf die MXGP. Für Kemea bedeutet das den Verlust seiner bisherigen Rolle im offiziellen Rennsportprogramm des Herstellers.

Für Hans Corvers und seine Mannschaft stellt sich damit die Frage, wie es weitergeht.

Eine erfahrene WM-Struktur einfach aufzulösen, wäre zumindest aus sportlicher Sicht schade. Schließlich verfügt Kemea über das Personal, die Infrastruktur und die Erfahrung, die für den Betrieb eines konkurrenzfähigen Werksteams notwendig sind.

Genau das könnte für Suzuki interessant sein.

Sollten die Japaner tatsächlich eine Rückkehr in die MXGP planen, müssten sie nicht zwangsläufig bei null anfangen. Mit Kemea stünde eine Mannschaft zur Verfügung, die den Grand-Prix-Zirkus kennt und bereits bewiesen hat, dass sie ein Werksteam erfolgreich führen kann.

Allerdings wäre der Wechsel von Yamaha zu Suzuki weit mehr als ein Austausch der Logos auf den Teamtrucks. Ein neues Motorrad, andere technische Ansprechpartner, wenngleich beide aus Japan kommen, und ein komplett neues Entwicklungsprogramm würden einiges an Arbeit bedeuten.

Ein Vorbereitungsjahr 2027 wäre deshalb durchaus nachvollziehbar.

Joel Smets zurück zu Suzuki?

Noch spannender wird die Geschichte durch die mögliche Beteiligung von Joel Smets. Der fünffache Weltmeister verliert im Zuge der KTM-Neuaufstellung für 2027 seine bisherige Position in der Teamführung. Stefan Simpson übernimmt künftig die Verantwortung für das Grand-Prix-Programm des österreichischen Herstellers.

Smets war seit 2015 in unterschiedlichen Funktionen für das KTM-Werksteam tätig. Als Trainer und späterer Teammanager begleitete er unter anderem die Entwicklung von Tom Vialle, Andrea Adamo und Simon Längenfelder.

Ein Mann mit dieser Erfahrung dürfte im Fahrerlager kaum lange ohne interessante Angebote bleiben.

Und Suzuki wäre für ihn keineswegs Neuland.

Bereits von 2004 bis 2006 fuhr der Belgier für die japanische Marke und arbeitete damals mit der Mannschaft von Sylvain Geboers zusammen. Es waren die letzten Jahre seiner aktiven Karriere, bevor er sich später anderen Aufgaben im Motocross widmete.

Nun könnte sich der Kreis schließen. Den Quellen nach wird Smets als möglicher Bestandteil eines künftigen Suzuki-Projekts gehandelt. Ob er dabei als Teammanager, sportlicher Berater oder in einer anderen Funktion vorgesehen wäre, ist allerdings nicht bekannt.

Warum die Kombination Sinn ergeben würde

Kemea bringt eine eingespielte Mannschaft mit, Smets die Erfahrung aus mehr als einem Jahrzehnt in einer der erfolgreichsten Werksstrukturen der Motocross-Weltmeisterschaft.

Für Suzuki könnte das eine durchaus reizvolle Kombination sein.

Denn bei einer Rückkehr in die MXGP geht es nicht allein darum, zwei Fahrer und Motorräder an den Start zu bringen. Wer gegen Honda, KTM, Yamaha, Kawasaki, Ducati und Triumph bestehen will, braucht eine funktionierende Organisation und vor allem ein konkurrenzfähiges Bike.

Und genau hier liegt die größte Unbekannte. Suzuki verabschiedete sich Ende 2020 aus der Motocross-Weltmeisterschaft. Seither fehlt ein offizielles Werksprogramm, das die RM-Z450 auf Grand-Prix-Niveau weiterentwickelt. Die aktuelle Serienmaschine mag eine solide Grundlage bieten, doch zwischen einem käuflichen und einem konkurrenzfähigen MXGP-Werksbike liegt bekanntlich einiges.

Kemea und Smets könnten Erfahrung und Organisation beisteuern. Die technische Basis müsste allerdings Suzuki liefern. Ohne eine entsprechende Unterstützung aus Japan wäre selbst eine so erfahrene Mannschaft kaum in der Lage, innerhalb kurzer Zeit gegen die etablierten Werksteams anzutreten.

Was steckt hinter dem möglichen Comeback?

Dass Suzuki ausgerechnet jetzt wieder mit einem MXGP-Engagement in Verbindung gebracht wird, dürfte bei vielen Fans Hoffnungen wecken. Die Marke besitzt eine lange Geschichte in der Motocross-Weltmeisterschaft. Mit dem Rückzug Ende 2020 verschwand allerdings auch eines der traditionsreichsten Werksteams aus dem Fahrerlager.

Seitdem wird immer wieder über eine Rückkehr spekuliert. Konkrete Ankündigungen blieben bislang aus.

Der Unterschied zu früheren Gerüchten ist diesmal die mögliche Verfügbarkeit einer kompletten Teamstruktur. Kemea steht vor einer Neuorientierung, Joel Smets ebenfalls. Beide könnten für einen Hersteller interessant sein, der den Wiedereinstieg nicht mit einer völlig neuen Mannschaft angehen möchte.

Das macht die Geschichte plausibel, aber noch lange nicht bestätigt.

Weder Suzuki noch Kemea oder Joel Smets haben eine entsprechende Zusammenarbeit bislang öffentlich bestätigt. Wie weit mögliche Gespräche oder Planungen tatsächlich fortgeschritten sind, ist nicht bekannt.

Entscheidend wird sein, ob Suzuki tatsächlich bereit ist, wieder in ein eigenes MXGP-Programm zu investieren. Ein Team und ein erfahrener Manager allein gewinnen schließlich keine Weltmeisterschaft.

Sollte der Hersteller diesen Schritt gehen, wäre 2027 als Vorbereitungsjahr durchaus sinnvoll. Bis dahin dürfte sich auch zeigen, ob Kemea und Smets tatsächlich gemeinsam an einem neuen Projekt arbeiten oder ob im Fahrerlager gerade mehrere Personalien zu einer Geschichte zusammengefügt werden, die am Ende doch anders ausgeht.