100 Jahre 6Days: Enduro-Elite trifft sich in Portugal

Die hundertste Ausgabe der 6Days zieht bis zu 500 Fahrer nach Portugal

Die hundertste Ausgabe der 6Days zieht bis zu 500 Fahrer nach Portugal. Hier ein Bild aus dem letzten Jahr in Italien. / Foto: Future7Media

Fast 500 Fahrer aus 30 Nationen, sechs Renntage und ein Jubiläum, das im Endurosport eine besondere Bedeutung hat. Vom 12. bis 17. Oktober findet rund um Grândola in Portugal die 100. Ausgabe der 6DAYS statt. Italien reist als Titelverteidiger an, doch gleich mehrere Nationen wollen den amtierenden Champions den Sieg streitig machen. Deutschland wird dagegen in keiner der drei Trophy-Klassen vertreten sein. Und das hat offenbar nicht nur sportliche Gründe.

Die International Six Days of Enduro gehören zu den traditionsreichsten Veranstaltungen des Motorradsports. Bei der 100. Austragung kämpfen Nationalmannschaften und Clubfahrer sechs Tage lang um die begehrten Titel.

Schauplatz ist die Region Alentejo südlich von Lissabon. Das Fahrerlager befindet sich auf dem Messe- und Ausstellungsgelände von Grândola, wo die Teams ihre letzten Vorbereitungen treffen.

Bevor am Montag, dem 12. Oktober, die ersten Fahrer auf die Strecke gehen, wird die Jubiläumsausgabe am Samstagabend offiziell eröffnet. Die Eröffnungszeremonie findet im nahe gelegenen Küstenort Sines statt.

Sechs Tage zwischen Sand und hartem Untergrund

Die Organisatoren haben für die Jubiläumsausgabe unterschiedliche Streckenführungen vorbereitet. Das Gelände im Alentejo bietet sowohl harte Böden als auch sandige Passagen. Die Fahrer müssen sich deshalb immer wieder auf veränderte Bedingungen einstellen.

An den ersten beiden Renntagen steht jeweils eine lange Runde auf dem Programm. Lediglich die erste und die letzte Sonderprüfung werden wiederholt.

Für den dritten und vierten Tag wechseln die Teilnehmer auf eine kürzere Strecke, die jeweils zweimal absolviert werden muss. Auch am fünften Tag ist eine eigene Route mit zwei Runden vorgesehen.

Der sechste Tag führt die Fahrer schließlich zurück nach Sines. Dort findet der traditionelle Abschluss-Motocross-Test statt, diesmal direkt am Strand Praia Vasco da Gama vor der Kulisse des Atlantiks.

Italien will seinen Titel verteidigen

In der World Trophy kämpfen 17 Nationalmannschaften um den Gesamtsieg. Titelverteidiger Italien gehört erneut zum Favoritenkreis. Die Italiener gewannen 2025 ihre Heimveranstaltung und wollen nun auch in Portugal ganz vorne mitfahren.

Zu den stärksten Herausforderern zählt Schweden. Die Skandinavier belegten im vergangenen Jahr den zweiten Platz und werden versuchen, diesmal einen Schritt weiterzugehen. Auch Frankreich dürfte im Kampf um den Sieg eine Rolle spielen. Die Franzosen gewannen die World Trophy zuletzt 2024 und gehören traditionell zu den stärksten Enduro-Nationen.

Hinzu kommen die USA, Spanien, Australien und Großbritannien, die ebenfalls das Potenzial besitzen, um die Spitzenpositionen zu kämpfen. Mit Finnland, Chile, Kanada, Polen und Gastgeber Portugal ist das Feld dahinter ebenfalls gut besetzt.

Deutschland fehlt – und der Grund wirft Fragen auf

Aus deutscher Sicht fällt bei einem Blick auf die Nennlisten vor allem eines auf: Weder in der World Trophy noch in der Junior World Trophy oder der Women’s World Trophy steht eine deutsche Nationalmannschaft am Start.

Ausgerechnet bei der 100. Austragung der Six Days verzichtet Deutschland damit auf eine Teilnahme an den Nationenwertungen. Dabei liegt der Grund offenbar nicht ausschließlich in fehlender sportlicher Konkurrenzfähigkeit.

Eine entscheidende Rolle spielt vielmehr der deutsche Rennkalender. Während die Six Days vom 12. bis 17. Oktober stattfinden, steht bereits am 18. Oktober ein Lauf zur Deutschen Enduro Meisterschaft in Streitberg auf dem Programm.

Damit kollidieren zwei Veranstaltungen, die für deutsche Spitzenfahrer von erheblicher Bedeutung sind. Laut Berichten, war diese Terminkollision schon länger bekannt. Der ausrichtende MSC Fränkische Schweiz konnte oder wollte seinen Veranstaltungstermin aus regionalen Gründen nicht verschieben.

Eine mögliche Lösung wäre gewesen, den betroffenen DEM-Lauf als Streichergebnis zu behandeln. Eine vergleichbare Regelung hatte es bereits 2024 gegeben, als ebenfalls eine Überschneidung mit den 6Days bestand. Für 2026 wurde dieser Lösungsweg jedoch den Berichten nach von der Kooperationsgemeinschaft ADAC Enduro abgelehnt.

Damit stellt sich zwangsläufig die Frage, welchen Stellenwert die 6Days bei den Verantwortlichen des deutschen Endurosports noch besitzen. Schließlich handelt es sich nicht um irgendeine internationale Veranstaltung, sondern um die traditionsreiche Mannschaftsweltmeisterschaft des Endurosports.

Deutschland war dort über viele Jahrzehnte vertreten und hat in der Geschichte des Wettbewerbs selbst zahlreiche Erfolge gefeiert. Dass ausgerechnet bei der Jubiläumsausgabe keine deutsche Trophy-Mannschaft antritt, dürfte deshalb bei vielen Enduro-Fans für Unverständnis sorgen.

Fehlende Fahrer und Zweifel an der Wettbewerbsfähigkeit

Die Terminkollision ist allerdings offenbar nicht der einzige Grund für die deutsche Abwesenheit.

Nach verschiedenen Informationen spielte auch die sportliche Situation der Nationalmannschaften eine Rolle. Demnach gab es Überlegungen, zunächst wieder einen leistungsfähigeren Kader aufzubauen, anstatt eine Mannschaft zu entsenden, die möglicherweise nicht um vordere Platzierungen kämpfen kann.

Hinzu kommt, dass deutsche Spitzenfahrer wie Luca Fischeder und Jeremy Sydow bereits in den vergangenen Jahren nicht für die Six Days zur Verfügung standen. Als Gründe wurden unter anderem vertragliche Verpflichtungen gegenüber ihren jeweiligen Teams genannt.

Das Problem reicht damit über die Terminplanung hinaus.

Wenn die besten deutschen Fahrer aufgrund ihrer Verpflichtungen oder wegen nationaler Meisterschaftsläufe nicht zur Verfügung stehen, wird es zunehmend schwieriger, eine international konkurrenzfähige Mannschaft zusammenzustellen.

Allerdings darf auch die Frage gestellt werden, ob der Verzicht auf eine Teilnahme tatsächlich der richtige Weg ist, um künftig wieder konkurrenzfähiger zu werden. Denn gerade ein Wettbewerb wie die 6Days bietet jungen Fahrern die Gelegenheit, internationale Erfahrungen zu sammeln und sich mit der Weltspitze zu messen.

USA und Australien bei den Frauen gleichauf

Während Deutschland fehlt, könnte die Jubiläumsausgabe in der Women’s World Trophy für einen neuen Rekord sorgen.

Die USA reisen als Titelverteidigerinnen an und haben die Chance, mit ihrem siebten Gesamtsieg alleiniger Rekordhalter zu werden. Bislang liegen die Amerikanerinnen mit Australien gleichauf. Beide Nationen haben jeweils sechs Titel gewonnen.

Australien wird entsprechend versuchen, die Führung in dieser Wertung selbst zu übernehmen.

Frankreich, Großbritannien und Kanada gelten als mögliche Herausforderer. Auch Neuseeland und Gastgeber Portugal werden in der Frauenwertung vertreten sein.

Italien auch bei den Junioren Favorit

In der Junior World Trophy treten insgesamt 14 Nationen an. Italien schickt dieselbe Mannschaft ins Rennen, die bereits 2025 den Titel gewonnen hat. Die eingespielte Besetzung macht die Italiener erneut zu einem der Favoriten.

Schweden, Frankreich, die USA, Australien und Spanien dürften allerdings ebenfalls um die vorderen Positionen kämpfen.

Neben den Nationalmannschaften bilden die Clubfahrer traditionell einen großen Teil des Teilnehmerfeldes. Bis zu 350 Fahrer werden in den verschiedenen Clubwertungen erwartet. Dazu gehören der Club Team Award, der Veteran Club Team Award sowie der Women’s Club Team Award.

Damit bleibt die Six Days auch bei ihrer 100. Austragung mehr als eine Veranstaltung für die internationale Enduro-Elite. Zahlreiche Amateurfahrer erhalten die Gelegenheit, sich auf denselben Strecken und unter denselben Bedingungen wie die Profis zu beweisen.

Jubiläumsausgabe auch im Livestream

Wer die 6DAYS nicht vor Ort verfolgen kann, bekommt über FIM-MOTO.TV die Möglichkeit dazu. Für 10,90 Euro wird ein Streaming-Paket angeboten, das tägliche Übertragungen ausgewählter Sonderprüfungen, Interviews und Studioberichte aus dem Parc Fermé umfasst.

Auch der abschließende Motocross-Test am Strand von Sines sowie die Siegerehrung sollen live übertragen werden. Wiederholungen sind ebenfalls Bestandteil des Angebots.

Der sportliche Auftakt erfolgt am Montag, dem 12. Oktober. Sechs Tage später werden an der portugiesischen Atlantikküste die Sieger der 100. Six Days feststehen.