Lettenbichler greift nach dem sechsten WM-Titel

Manuel Lettenbichler gewinnt das Sea to Sky HEWC Race und steht kurz vor seinem sechsten Weltmeistertitel

Manuel Lettenbichler gewinnt das Sea to Sky HEWC Race und steht kurz vor seinem sechsten Weltmeistertitel. / Foto: Future7Media

Wie viel kann Manuel Lettenbichler bei einem Hard-Enduro-Rennen noch aufholen, wenn schon die ersten beiden Tage nicht nach Plan laufen? Beim Sea to Sky in der Türkei lieferte der KTM-Werksfahrer darauf eine ziemlich deutliche Antwort. Trotz Bremsproblemen, einer Zeitstrafe und einem Start aus der dritten Reihe gewann der Deutsche das entscheidende Mountain Race mit vier Minuten Vorsprung auf Teodor Kabakchiev. Damit steht er unmittelbar vor seinem sechsten WM-Titel.

Dabei hatte das Wochenende in Kemer zunächst wenig von der Dominanz, die man inzwischen mit Lettenbichler verbindet.

Beim Beach Race am Donnerstag kam der Deutsche im tiefen Sand und zwischen den künstlichen Hindernissen nicht über Rang fünf hinaus. Kein schlechtes Ergebnis, aber auch keines, mit dem er besonders zufrieden sein konnte.

Am Freitag wurde es noch schwieriger. Beim 40 Kilometer langen Forest Race bekam Lettenbichler Probleme mit der Bremse. Zwar brachte er zunächst eine Zeit unter den besten fünf Fahrern zustande, doch eine zusätzliche Zehn-Minuten-Strafe warf ihn auf den 15. Platz zurück.

Damit war klar: Wer das Sea to Sky gewinnen wollte, musste am Samstag erst einmal eine ganze Reihe anderer Fahrer überholen.

Für Lettenbichler bedeutete das einen Start aus der dritten Reihe.

Die Entscheidung fällt am Berg

Dass die Ausgangsposition beim Sea to Sky nicht alles ist, zeigte sich auf den folgenden 64 Kilometern.

Lettenbichler arbeitete sich mit seiner KTM 300 EXC zügig durch das Feld. Während andere Fahrer bereits um ihre Positionen kämpfen mussten, hatte sich der fünffache Weltmeister relativ schnell bis an die Spitze vorgearbeitet. Dort wartete mit Teodor Kabakchiev allerdings ein Gegner, der ebenfalls zu den stärksten Fahrern im extremen Gelände gehört.

Zunächst fuhren beide gemeinsam an der Spitze. Erst auf den besonders schwierigen Schlussabschnitten konnte sich Lettenbichler entscheidend absetzen. Nach 3:40:01,78 Stunden erreichte er das Ziel auf dem Mount Olympos. Kabakchiev folgte exakt vier Minuten später, während Mario Roman auf Husqvarna mit weiteren elf Sekunden Rückstand Dritter wurde.

Ein solcher Vorsprung ist gerade deshalb bemerkenswert, weil Lettenbichler einen Teil des Rennens zunächst damit verbringen musste, den Rückstand aus seiner Startposition aufzuholen.

Der Deutsche selbst hatte vor dem Mountain Race offenbar durchaus Zweifel, ob der Sieg noch möglich sein würde. „Ich wollte diesen Sieg unbedingt, war mir aber nicht sicher, wie es laufen würde. Ich wusste, dass ich meinen inneren Kampfgeist wecken und alles geben musste“, erklärte er anschließend.

Die Probleme vom Freitag hatten sein Vertrauen in die eigene Geschwindigkeit allerdings nicht erschüttert. „Trotz der Bremsprobleme und der Zeitstrafe wusste ich, dass ich mich auf dem Motorrad gut fühlte. Ich musste mich beim Mountain Race nur möglichst früh in eine gute Position bringen.“

Genau das gelang ihm.

„Aus der dritten Reihe musste ich richtig Druck machen. Nach einem guten Start habe ich versucht, mich so schnell wie möglich nach vorne zu arbeiten. Als ich die Führung übernommen hatte, bin ich eine Weile mit Teo gefahren, bevor ich mich absetzen konnte.“

Ist der sechste WM-Titel nur noch Formsache?

Mit dem Sieg in der Türkei hat Lettenbichler seine Ausgangsposition vor dem Saisonfinale weiter verbessert.

Nach sieben von acht Läufen führt er die FIM Hard Enduro World Championship mit 177 Punkten an. Mitch Brightmore liegt mit 139 Zählern auf Rang zwei, gefolgt von Teodor Kabakchiev mit 124 Punkten.

38 Punkte Vorsprung auf den nächsten Verfolger sind ein ordentliches Polster. Ob sie bereits zur vorzeitigen Titelentscheidung reichen, lässt sich aus dem aktuellen WM-Stand allein allerdings nicht ableiten.

Für Lettenbichler geht es um seinen sechsten Weltmeistertitel und gleichzeitig um den fünften in Folge. Eine Serie, die zeigt, wie schwer es der Konkurrenz inzwischen fällt, ihn über eine komplette Saison zu schlagen.

Dabei ist er keineswegs an jedem Renntag unangreifbar. Das Sea to Sky hat schließlich gezeigt, dass auch Lettenbichler technische Probleme bekommt, Zeit verliert und sich mit schwierigen Ausgangspositionen auseinandersetzen muss.

Nur scheint er gerade dann besonders stark zu sein, wenn die Rennen technisch anspruchsvoller werden und es nicht mehr allein auf Geschwindigkeit ankommt.

Beim Mountain Race in Kemer konnte Kabakchiev zunächst mithalten. Am Ende fehlten ihm trotzdem vier Minuten.

Ob die Konkurrenz beim Saisonfinale noch einmal eine Antwort findet, wird sich vom 23. bis 25. Oktober beim Hixpania Hard Enduro in Spanien zeigen.

Für Lettenbichler reicht dort möglicherweise bereits ein kontrolliertes Rennen. Nach seinem Auftritt in der Türkei dürfte allerdings niemand überrascht sein, wenn er auch den letzten WM-Lauf gewinnen möchte.