Yamaha 2027 ohne MX2-Werksteam? Mögliche Folgen für KTM

Reisulis Bike im Yamaha MX2 Factory Teamzelt

Reisulis Bike im Yamaha MX2 Factory Teamzelt. / Foto: Ralph Marzahn

Könnte Yamahas drohendes Aus im MX2-Werkssport ausgerechnet Simon Längenfelder den Weg in die MXGP ebnen? Während die Japaner offenbar Schwierigkeiten haben, für 2027 eine neue MX2-Werksstruktur aufzustellen, deutet sich bei KTM eine größere Neuverteilung der Fahrer an. Dabei könnten mehrere Piloten den Hersteller, das Team oder sogar die Klasse wechseln.

Besonders betroffen sind die Reisulis-Brüder. Janis und Karlis gehören seit Jahren zum Yamaha-Nachwuchsprogramm und galten als wichtige Bestandteile der langfristigen Grand-Prix-Planung. Gerade Janis hat in seiner ersten vollständigen MX2-Saison gezeigt, welches Potenzial in ihm steckt. Nun könnte Yamaha beide Letten verlieren.

Mehrere Kandidaten für das Werksteam

Bereits im Juni wurde bekannt, dass Hutten Metaal Racing die Zusammenarbeit mit Yamaha zum Ende der Saison 2026 beenden wird. Die niederländische Mannschaft betreute bislang das offizielle MX2-Werksprogramm der Japaner.

Mit Kemea Yamaha schien zunächst eine naheliegende Nachfolgelösung gefunden. Das von Hans Corvers geführte Team ist bereits für Yamahas MXGP-Werksprogramm verantwortlich und hätte seine Aufgaben auf die MX2 ausweiten können. Entsprechende Gespräche sollen stattgefunden haben, eine Einigung blieb jedoch offenbar aus.

Auch das Yamaha 115 M78-Team unter der Leitung von Carlos Campano soll Interesse an der Übernahme gezeigt haben. Allerdings scheint es unterschiedliche Vorstellungen über den Umfang des Engagements gegeben zu haben. Campanos Mannschaft wollte offenbar lediglich die europäischen WM-Runden bestreiten. Für ein offizielles Werksteam, das den Hersteller auch bei den Überseerennen vertreten soll, dürfte ein solches Programm kaum infrage kommen.

Damit scheinen zwei mögliche Nachfolger für Hutten Metaal Racing aus dem Rennen zu sein. Ob Yamaha noch mit anderen Mannschaften verhandelt, ist nicht bekannt. Inzwischen wird sogar darüber spekuliert, dass der Hersteller 2027 vollständig auf ein offizielles MX2-Werksteam verzichten könnte.

Janis zu Factory KTM, Karlis auf die Van-Venrooy-450er?

Nach der angekündigten Trennung von Hutten Metaal Racing hatten sich bereits andere Hersteller für Janis und Karlis Reisulis interessiert. Unter anderem sollen Honda und KTM Gespräche geführt haben. Yamaha wollte seine Nachwuchsfahrer offenbar halten und soll beiden ein attraktives Angebot unterbreitet haben. Zwischenzeitlich deutete deshalb vieles auf einen Verbleib hin.

Mittlerweile zeichnet sich jedoch ein anderes Bild ab. Nach aktuellen Informationen könnte Janis Reisulis 2027 zum österreichischen KTM-Werksteam wechseln und dort weiterhin in der MX2 antreten. Sein Bruder Karlis wird dagegen mit Van Venrooy in Verbindung gebracht, wo er auf einer werksunterstützten KTM in die MXGP aufsteigen könnte.

Der Wechsel auf die 450er wäre für Karlis zumindest keine völlig neue Erfahrung. Beim Motocross der Nationen in Ernée saß er bereits auf einem entsprechenden Motorrad.

Für Yamaha wäre der Verlust beider Fahrer bitter. Schließlich hat der Hersteller über Jahre in ihre Entwicklung investiert. Besonders Janis galt als vielversprechender Kandidat für einen späteren Aufstieg ins eigene MXGP-Programm.

Adamo zu De Carli – wird damit Längenfelders Platz frei?

Bislang gingen wir davon aus, dass Andrea Adamo und Simon Längenfelder auch 2027 gemeinsam den österreichischen Teil des KTM-Werksteams bilden würden. Adamo in der MXGP, Längenfelder weiterhin in der MX2. Nun könnte sich diese Planung ändern.

Adamo wird mit einem Wechsel zum De-Carli-Team, dem italienischen Ableger des KTM-Factory-Programms, in Verbindung gebracht. Dort soll er weiterhin in der MXGP antreten, künftig allerdings an der Seite von Maxime Renaux, dessen Abschied von Yamaha ebenfalls im Raum steht.

Damit würde Adamos bisheriger Platz auf einer 450er im österreichischen Werksteam frei. Und genau diesen könnte Simon Längenfelder übernehmen. Seine MX2-Maschine wäre wiederum für Janis Reisulis verfügbar. KTM könnte seine Fahrer damit innerhalb der bestehenden Werksstruktur neu verteilen, ohne zwangsläufig zusätzliche Motorräder einsetzen zu müssen.

Für Längenfelder wäre das eine durchaus reizvolle Perspektive.

Ist für Längenfelder die Zeit auf der 250er vorbei?

Der Bayer gewann 2025 den MX2-Weltmeistertitel und gehörte auch 2026 wieder zu den schnellsten Fahrern der Klasse. Am Ende reichte es allerdings nur zum fünften WM-Rang. Nach mehreren Jahren auf der 250er und dem Gewinn der Weltmeisterschaft stellt sich die Frage, ob eine weitere MX2-Saison tatsächlich noch seine bevorzugte Option wäre.

Längenfelder verfügt über reichlich Grand-Prix-Erfahrung und kennt die Abläufe innerhalb des österreichischen KTM-Werksteams. Ein Aufstieg in die MXGP würde zwar eine Umstellung auf das leistungsstärkere Motorrad und eine neue Konkurrenz bedeuten, sein gewohntes Umfeld könnte er jedoch behalten.

Gerade beim Wechsel auf die 450er wäre das ein Vorteil. Er müsste sich nicht gleichzeitig an eine andere Mannschaft, neue Mechaniker und veränderte Arbeitsabläufe gewöhnen.

Nach seinem WM-Titel 2025 und dem fünften Gesamtrang in der abgelaufenen Saison könnte der Zeitpunkt für eine neue Herausforderung durchaus passen. Entscheidend dürfte sein, ob KTM ihm diese Möglichkeit bereits 2027 eröffnen möchte.

Valerio Lata als neuer MX2-Pilot bei De Carli?

Auch beim italienischen KTM-Werksteam könnte es Veränderungen geben. Neben der möglichen MXGP-Besetzung mit Adamo und Renaux wird Valerio Lata als Neuzugang gehandelt. Der bisherige Honda-HRC-Pilot soll zu KTM wechseln und bei De Carli die MX2-Maschine übernehmen.

Damit würde das italienische Team weiterhin in beiden WM-Klassen vertreten sein. Lata könnte seine Entwicklung in einer erfahrenen Werksmannschaft fortsetzen, während Adamo und Renaux die 450er betreuen.

Auch Monster Energy könnte Yamaha verlassen

Neben der ungeklärten MX2-Zukunft gibt es weitere Gerüchte um Yamaha. Wie wir bereits berichteten, soll Monster Energy die bisherige Zusammenarbeit mit dem japanischen Hersteller 2027 nicht fortsetzen wollen. Eine offizielle Bestätigung steht aus. Sollte sich die Information bewahrheiten, würde Yamaha neben den sportlichen Veränderungen möglicherweise auch einen wichtigen Sponsor verlieren.

In der MXGP scheint die personelle Planung dagegen konkreter zu sein. Tim Gajser steht auch 2027 unter Vertrag. Als möglicher neuer Teamkollege gilt Ruben Fernandez, der Maxime Renaux ersetzen könnte.

Während Yamaha damit in der Königsklasse weiterhin auf zwei etablierte Fahrer setzen würde, bleibt die Zukunft der MX2 offen. Ohne Hutten Metaal Racing, eine neue Werksmannschaft und möglicherweise auch ohne die Reisulis-Brüder müsste der Hersteller seine Nachwuchsarbeit im Grand-Prix-Sport neu organisieren.

Gerade die Verbindung zwischen den europäischen Nachwuchsklassen, der MX2 und einem späteren MXGP-Aufstieg war bislang ein wichtiger Bestandteil des Yamaha-Programms.

Für KTM könnten sich aus dieser Situation dagegen neue Möglichkeiten ergeben. Sollte Janis Reisulis tatsächlich zum österreichischen Werksteam wechseln und Andrea Adamo künftig für De Carli antreten, wäre die entscheidende Voraussetzung für Längenfelders MXGP-Aufstieg geschaffen.

Ob der Bayer 2027 tatsächlich auf der 450er sitzt, hängt damit möglicherweise vor allem von einer Personalentscheidung ab: dem Wechsel von Adamo innerhalb der KTM-Werksstruktur.