Zieht Monster Energy bei Yamaha den Stecker?

Das Monster Logo könnte auf den Factory Yamahas bald der Vergangenheit angehören

Das Monster Logo könnte auf den Factory Yamahas bald der Vergangenheit angehören

Verliert Yamaha nach Kawasaki und Triumph als nächster Hersteller die Unterstützung von Monster Energy im europäischen Motocross?

Noch ist nichts offiziell bestätigt, doch genau dieses Gerücht macht derzeit im Fahrerlager die Runde. Nach unseren Informationen soll Monster Energy planen, sein finanzielles Engagement bei Yamaha Motor Europe im MXGP-Bereich zu beenden.

Das wäre keine kleine Veränderung. Monster und Yamaha gehören im europäischen Motocross seit Jahren zusammen. Die grüne Klaue steckt nicht nur prominent auf den Motorrädern, sondern sogar im Namen der beiden Werksteams in MXGP und MX2. Auch 2026 laufen Tim Gajser und Maxime Renaux offiziell unter Monster Energy Yamaha Factory MXGP.

Allerdings hat sich bei Monster zuletzt einiges bewegt. Nach Veränderungen bei Kawasaki wurde auch die Zusammenarbeit mit Triumph beendet. Gleichzeitig ist Monster bei Honda HRC eingestiegen.

Und dort könnte künftig der Schwerpunkt liegen.

Alles auf Honda?

Aus dem Fahrerlager ist zu hören, dass Monster seine Unterstützung im europäischen GP-Sport künftig auf Honda HRC konzentrieren könnte. Der mögliche Abschied von Yamaha wäre damit weniger ein Rückzug aus der Motocross-WM als eine Verschiebung des Budgets.

Schaut man nur auf die sportliche Seite, kann man den Gedanken zumindest nachvollziehen.

Mit Jeffrey Herlings hat Honda gerade den MXGP-Weltmeister im eigenen Zelt. Der Niederländer wechselte nach 16 Jahren KTM zur CRF450R und holte direkt in seiner ersten Honda-Saison den Titel. Dazu kommt Tom Vialle, zweimaliger MX2-Weltmeister und nach seinen Jahren in den USA zurück in der GP-Szene.

Monster hätte bei HRC damit den aktuellen König der MXGP und mit Vialle einen Fahrer, bei dem durchaus noch einiges kommen kann.

Und möglicherweise hört die Geschichte dort nicht auf. Giacomo Gariboldi und HRC scheinen auch in der MX2 etwas aufbauen zu wollen. Dafür braucht es allerdings die richtigen Fahrer. Sollte Honda diese finden, könnte Monster innerhalb einer einzigen Struktur sowohl in der MXGP als auch in der MX2 prominent vertreten sein.

Ob genau das hinter einem möglichen Abschied von Yamaha steckt, wissen wir nicht. Noch reden wir über Informationen aus dem Fahrerlager und nicht über eine bestätigte Entscheidung.

Und wer bezahlt dann Tim Gajser?

Für Yamaha könnte ein Monster-Ausstieg allerdings noch an einer anderen Stelle interessant werden. Tim Gajser dürfte nicht für ein paar neue Handschuhe und einen Tankgutschein von Honda zu Yamaha gewechselt sein.

Der Slowene ist fünfmaliger Weltmeister, war eine der größten Verpflichtungen des vergangenen Winters und sollte Yamaha wieder zum MXGP-Titel führen. Als seine Verpflichtung bekanntgegeben wurde, sprach Yamaha selbst von einem „landmark signing“. Gajser kam nach mehr als einem Jahrzehnt bei Honda und erhielt bei Yamaha offenbar auch weitreichende Freiheiten innerhalb seiner neuen Struktur.

Was Yamaha für den 29-Jährigen tatsächlich bezahlt, ist nicht öffentlich bekannt. Dass ein Fahrer seines Kalibers einen erheblichen Teil des Fahrerbudgets beanspruchen dürfte, liegt allerdings nahe. Und damit bekommt das Monster-Gerücht plötzlich eine zweite Ebene.

Sollte ein wichtiger Geldgeber tatsächlich aussteigen, wer übernimmt künftig Gajsers Gage?

Yamaha selbst könnte die entstehende Lücke schließen. Ein neuer Titelsponsor wäre ebenfalls denkbar. Vielleicht betrifft ein möglicher Monster-Ausstieg das Fahrerbudget am Ende überhaupt nicht in dem Umfang, wie man von außen vermuten könnte.

Nur gibt es inzwischen noch ein anderes Gerücht. In den vergangenen Wochen fällt im Fahrerlager im Zusammenhang mit Gajsers Zukunft immer wieder der Name Kawasaki.

Bislang gibt es dafür keine offizielle Bestätigung, und daraus sollte man auch keine machen. Gajser wurde von Yamaha ausdrücklich für 2026 und darüber hinaus verpflichtet. Berichtet wurde bei seinem Wechsel über einen Zweijahresvertrag mit zusätzlicher Option.

Ein Wechsel wäre damit zumindest erklärungsbedürftig.

Trotzdem ist interessant, dass diese Gespräche ausgerechnet jetzt aufkommen, während gleichzeitig über einen möglichen Rückzug von Monster bei Yamaha gesprochen wird.

Passen die beiden Gerüchte zusammen?

Genau da muss man vorsichtig sein.

Nur weil Monster möglicherweise geht und Gajser im Fahrerlager mit Kawasaki in Verbindung gebracht wird, bedeutet das noch lange nicht, dass das eine mit dem anderen zusammenhängt.

Es kann genauso gut sein, dass zwei voneinander unabhängige Geschichten gleichzeitig durchs Paddock laufen. Und wer den Fahrermarkt kennt, weiß ohnehin, wie schnell aus einem Gespräch ein Interesse und aus einem Interesse plötzlich ein angeblich fertiger Vertrag wird.

Ganz beiseitewischen würde ich die Kombination trotzdem nicht.

Gajser ist für Yamaha kein normaler Werksfahrer. Seine Verpflichtung war ein klares Signal, dass man wieder um den WM-Titel kämpfen will. Entsprechend dürfte sein Paket auch finanziell aussehen. Fällt nun tatsächlich ein Partner von der Größenordnung Monster Energy weg, muss dieses Geld irgendwo herkommen.

Und Kawasaki?

Dort wird sich nach dem angekündigten Abschied von Romain Febvre ohnehin die Frage stellen, mit welchem Fahrer man das MXGP-Projekt 2027 anführt. Ein fünffacher Weltmeister wäre dafür natürlich keine schlechte Antwort.

Mehr ist es derzeit aber nicht.

Es gibt keine Bestätigung, dass Gajser Yamaha verlassen wird. Ebenso wenig ist bestätigt, dass Kawasaki ihm ein konkretes Angebot gemacht hat oder dass ein möglicher Monster-Ausstieg seine Zukunft bei Yamaha beeinflusst.

Aber die drei Namen Monster, Yamaha und Gajser dürften in den kommenden Wochen noch häufiger gemeinsam fallen.

Denn sollte Monster tatsächlich gehen, muss Yamaha nicht nur einen ziemlich großen grünen Fleck auf Motorrad und Teamshirt neu gestalten. Viel wichtiger ist die Frage, wie man ein MXGP-Programm auf diesem Niveau und einen Fahrer wie Tim Gajser künftig finanziert.

Und wenn gleichzeitig Kawasaki tatsächlich anklopft, könnte aus einem Sponsorengerücht ziemlich schnell auch ein Thema für den Fahrermarkt werden.