Wird Motocross zu schnell? Fahrer fordern technischere Strecken und kürzere Rennen
Die Layoutänderungen in Southwick lösten eine Debatte um die Zukunft des Motocross in den USA aus. / Foto: Align Media
Wie soll sich Motocross in Zukunft entwickeln? Diese Frage beschäftigt aktuell viele Fahrer in den USA. Ausgelöst wurde die Diskussion durch den Southwick National, bei dem einige Streckenabschnitte verändert wurden. Besonders das Verschwinden der legendären „Tree Turn“ sorgte für Kritik – und brachte eine Debatte ins Rollen, die inzwischen weit über Southwick hinausgeht.
Jordon Smith vermisst den Charakter der Strecke
Triumph-Werksfahrer Jordon Smith fuhr in Southwick als Zehnter der 450MX-Gesamtwertung ins Ziel. Mit seinem Renntag konnte er leben, mit der Streckenführung allerdings deutlich weniger.
Für Smith zeigt Southwick exemplarisch, wohin sich die AMA Pro Motocross Championship in den vergangenen Jahren entwickelt hat. Seiner Meinung nach werden viele Strecken durch Umbauten immer schneller, während technische Passagen nach und nach verschwinden.
Vor allem die Entfernung der bekannten „Tree Turn“ konnte er nicht nachvollziehen. Anschließend fragte er seine Follower auf Social Media direkt, ob sie diese Entwicklung ähnlich sehen. Seine eigene Meinung machte er dabei unmissverständlich klar: Er würde lieber langsamere und technisch anspruchsvollere Strecken sehen.
Villopoto: Nicht die Motorräder sind das Problem
Mit dieser Ansicht steht Smith nicht allein. Auch Ryan Villopoto sieht die Entwicklung kritisch – allerdings geht er noch einen Schritt weiter.
Für den viermaligen AMA-Supercross-Champion müssen nicht die Motorräder eingebremst werden, sondern die Strecken.
Sein Vorschlag: kleinere Sprünge, engere Kurven und insgesamt mehr technische Abschnitte. Dadurch würde wieder stärker das fahrerische Können entscheiden. Linienwahl, Timing und Renntaktik würden wichtiger werden, während reine Geschwindigkeit etwas an Bedeutung verlieren würde.
Kurz gesagt: Weniger Vollgas, mehr Fahrtechnik.
Carmichael sieht denselben Trend
Auch Ricky Carmichael kann der aktuellen Entwicklung nur wenig abgewinnen.
Der Rekordchampion weist darauf hin, dass die Motorräder Jahr für Jahr leistungsfähiger werden. Gleichzeitig seien viele Strecken breiter, flüssiger und schneller geworden.
Aus seiner Sicht wäre es deshalb sinnvoll, die Layouts wieder etwas enger und verwinkelter zu gestalten. Das würde nicht nur die Durchschnittsgeschwindigkeit reduzieren, sondern auch für abwechslungsreichere Rennen sorgen.
Müssen die Rennen kürzer werden?
Doch nicht nur über die Strecken wird diskutiert. Auch das Rennformat steht auf dem Prüfstand.
Eigentlich gilt Carmichael als Verfechter der traditionellen 30-Minuten-plus-zwei-Runden-Motos. Trotzdem glaubt auch er, dass sich der Sport den heutigen Sehgewohnheiten anpassen muss.
Fernsehen, Streaming und Social Media funktionieren heute anders als noch vor zehn oder zwanzig Jahren. Deshalb bringt Carmichael Rennen über 20 bis 25 Minuten plus zwei Runden ins Gespräch. Gleichzeitig könnte dadurch auch der gesamte Renntag deutlich kompakter werden. Statt Veranstaltungen, die sich über fast fünf Stunden ziehen, wäre ein Programm von rund drei Stunden denkbar.
Kürzer heißt nicht automatisch sicherer
Ryan Villopoto kann dem Gedanken grundsätzlich etwas abgewinnen. Für ihn wären 25 Minuten allerdings die absolute Untergrenze.
Gleichzeitig warnt er vor einem möglichen Nebeneffekt. Werden die Rennen kürzer, könnten die Fahrer praktisch die komplette Distanz am Limit fahren. Die körperliche Belastung würde zwar sinken, das Tempo dagegen noch einmal steigen.
Genau darin sieht Villopoto ein mögliches Problem. Weniger Renndauer bedeute nicht automatisch mehr Sicherheit – im Gegenteil: Das Verletzungsrisiko könnte sogar steigen.
Die Diskussion hat längst begonnen
Auch wenn es bislang nur Meinungen einzelner Fahrer und Experten sind, fällt auf, dass ihre Ansichten in vielen Punkten übereinstimmen.
Jordon Smith kritisiert immer schnellere Strecken und den Verlust markanter Passagen wie der „Tree Turn“. Ryan Villopoto fordert kleinere Sprünge, engere Kurven und mehr Technik. Ricky Carmichael schlägt in dieselbe Kerbe und bringt zusätzlich kürzere Rennen ins Spiel.
Ob die Verantwortlichen tatsächlich Änderungen vornehmen, bleibt abzuwarten. Fest steht aber: Die Diskussion darüber, wie moderner Motocross-Sport aussehen soll, nimmt immer mehr Fahrt auf.
