Stefan Ekerold plant US-Supercross und Motocross für 2027
Stefan Ekerold plant Ausflug ins US Supercross und Pro Motocross. / Foto: Ralph Marzahn
Stefan Ekerold hat wieder Lust auf Rennen. Nach seinem dritten Platz beim DMX-Wiedereinstieg in Thurm und dem anschließenden Ausflug zum Supercross in Assen richtet der Deutsche seinen Blick inzwischen auf eine deutlich größere Herausforderung. 2027 möchte er in den USA antreten, sowohl bei ausgewählten Supercross-Rennen an der Westküste als auch in der Pro Motocross Championship.
Dabei geht es ihm offenbar um mehr als den sportlichen Vergleich mit anderen Fahrern. Ekerold möchte herausfinden, was für ihn noch möglich ist, und sich einen Wunsch erfüllen, den er bereits 2026 hatte. Dass er überhaupt wieder auf dem Motorrad sitzt, verdankt er nach eigener Aussage vor allem der Familie Bauerschmidt. Ohne deren Unterstützung würde es weder seine aktuellen Renneinsätze noch die Pläne für eine mögliche Zukunft im amerikanischen Rennsport geben.
Im Gespräch mit MXNEWS-Online spricht Ekerold über seinen Wiedereinstieg, die Menschen, die ihm diesen ermöglichen, und darüber, warum er sich später nicht vorwerfen möchte, aus Angst vor dem Scheitern auf eine große Chance verzichtet zu haben.
Zurück auf dem Motorrad – aber nicht bei null
Wer über Jahre auf hohem Niveau Motocross gefahren ist, verlernt das Motorradfahren nicht einfach. Trotzdem ist es etwas anderes, gelegentlich auf dem Bike zu sitzen oder wieder unter Rennbedingungen ans Startgatter zu rollen. Das hat auch Stefan Ekerold bei seiner Rückkehr festgestellt.
Vor seinem Start in Thurm hatte er bereits einige Stunden auf dem Motorrad verbracht. Dazu kamen Testtage mit Cat Moto, bei denen er unterstützend tätig war. Eine vollständige Rennvorbereitung war das allerdings nicht. „Ich habe davor sicherlich ein paar Stunden auf dem Bike gesessen. Auch ein paar Testtage mit Cat Moto waren dabei, um dort auszuhelfen. Das Rennen in Thurm war okay. Viele Tricks und Abläufe waren noch vorhanden, den einen oder anderen Baustein muss ich allerdings etwas auffrischen.“
Mit Platz drei gelang ihm dennoch ein ordentlicher Wiedereinstieg. Ekerold selbst scheint das Ergebnis weniger zu beschäftigen als die Erkenntnis, dass vieles noch funktioniert, während andere Dinge wieder erarbeitet werden müssen.
Denn Erfahrung kann fehlende Rennpraxis nicht vollständig ersetzen. Gerade beim Supercross entscheiden oft Sekundenbruchteile darüber, ob eine Sprungkombination funktioniert, eine Linie aufgeht oder ein kleiner Fehler größere Folgen hat. Das Vertrauen in die eigenen Abläufe muss deshalb ebenso zurückkommen wie das Gefühl für das Motorrad unter Rennbedingungen.
Dass Ekerold sich dieser Herausforderung wieder stellt, hat aber offenbar einen einfachen Grund: Er möchte es.
Ohne die Familie Bauerschmidt würde Ekerold nicht einmal Motorrad fahren
So selbstverständlich es von außen wirken mag, wenn ein ehemaliger Spitzenfahrer wieder bei Rennen auftaucht, so wenig selbstverständlich sind die Voraussetzungen dafür. Motorräder, Ersatzteile, Training, Reisen und Renneinsätze kosten Geld. Und ohne Menschen, die bereit sind, einen solchen Weg mitzugehen, bleibt selbst die größte Motivation irgendwann nur ein guter Vorsatz.
Für Stefan Ekerold ist deshalb eines besonders wichtig: Die Familie Bauerschmidt steht hinter ihm und ermöglicht ihm überhaupt erst, wieder seiner Leidenschaft nachzugehen.
Wie entscheidend diese Unterstützung für ihn ist, macht er mit ungewöhnlich deutlichen Worten klar: „Ohne Motorrad Bauerschmidt hätte ich nichts, aber auch wirklich gar nichts von dem, was ich momentan mache, umsetzen können. Ich würde ohne die Familie Bauerschmidt nicht einmal Motorrad fahren.“
Das ist keine Erwähnung eines Sponsors, wie man sie aus vielen Interviews kennt. Ekerold macht deutlich, dass seine gesamte derzeitige sportliche Aktivität unmittelbar mit der Unterstützung durch Motorrad Bauerschmidt verbunden ist.
Sein Wiedereinstieg, die Supercross-Einsätze und letztlich auch die Möglichkeit, wieder größere Ziele ins Auge zu fassen, wären ohne diese Hilfe kaum denkbar.
Dabei geht es offenbar nicht allein um die Bereitstellung eines Motorrads oder die Unterstützung bei einzelnen Veranstaltungen. Vielmehr steht hinter Ekerold eine Familie, die ihm die Möglichkeit gibt, etwas weiterzuverfolgen, das für ihn persönlich einen hohen Stellenwert besitzt.
Gerade wenn man seine späteren Aussagen über die Angst vor dem Scheitern betrachtet, bekommt diese Unterstützung noch einmal eine andere Bedeutung. Denn jemandem zu ermöglichen, einen Traum zu verfolgen, bedeutet schließlich auch, ihm die Chance zu geben, herauszufinden, ob er diesen tatsächlich verwirklichen kann.
Supercross macht wieder Spaß – Stuttgart als nächste Station
Nach seinem Wiedereinstieg in Thurm zog es Ekerold auch wieder auf die Supercross-Strecken. Mit Assen stand bereits eine weitere Veranstaltung auf seinem Programm, und beim ADAC Supercross Stuttgart möchte er ebenfalls am Start stehen.
Dabei geht es ihm momentan weniger darum, eine möglichst umfangreiche Rennsaison zusammenzustellen. Vielmehr scheint er gerade die Herausforderungen zu genießen, die ihn früher über viele Jahre begleitet haben. „Ich möchte einfach weiter dranbleiben. Die Herausforderung des Ganzen macht mir momentan einfach Spaß. Erst mal bin ich in Stuttgart am Start. Danach schauen wir weiter.“
Das klingt zunächst unspektakulär, sagt aber einiges über seine derzeitige Einstellung aus. Ekerold muss niemandem mehr beweisen, dass er Motorrad fahren kann. Er hat genügend Jahre im Rennsport verbracht, um zu wissen, wie viel Arbeit hinter guten Ergebnissen steckt und wie schnell sich Pläne ändern können.
Trotzdem möchte er wieder Rennen fahren. Nicht, weil er muss, sondern weil ihm offenbar genau diese Mischung aus Anspannung, Wettbewerb und persönlicher Herausforderung gefehlt hat.
Neben der grundlegenden Unterstützung durch Motorrad Bauerschmidt hebt Ekerold auch die Hilfe von Lukes Racing hervor. Insbesondere Andre und Lukas Brübach haben dazu beigetragen, dass seine aktuellen Supercross-Pläne überhaupt umgesetzt werden konnten. „Hier auch ein riesiges Dankeschön an Lukes Racing. Ohne Andre und Lukas Brübach wäre das Ganze nicht möglich gewesen.“
Ob nach Stuttgart weitere Hallenrennen folgen, möglicherweise auch beim traditionsreichen Supercross in Dortmund, lässt Ekerold zunächst offen. Er möchte sich offenbar nicht zu früh auf ein umfangreiches Programm festlegen, sondern sehen, wie sich die nächsten Wochen entwickeln.
Amerika ist mehr als nur ein weiterer Rennkalender
Während Ekerold seine weiteren Einsätze in Europa noch offenlässt, beschäftigt ihn ein anderes Vorhaben schon deutlich länger. Bereits 2026 wollte er in der amerikanischen Pro Motocross Championship antreten. Daraus wurde nichts.
Den Gedanken hat er deshalb aber nicht verworfen. Im Gegenteil. Für 2027 hat er sich vorgenommen, sowohl ausgewählte Rennen der AMA Supercross West Coast als auch die Outdoors zu bestreiten. „Ja, definitiv. Mein Plan war schon, 2026 bei den Outdoors dabei zu sein. Leider hat es nicht geklappt. Aber 2027 möchte ich West Coast Supercross-Rennen und die Outdoors bestreiten.“
Die USA sind für viele europäische Motocross-Fahrer ein besonderer Maßstab. Dort trifft man auf eine enorme Leistungsdichte, andere Streckenbedingungen und ein Rennformat, das gerade im Supercross kaum Raum für Fehler lässt.
Für Ekerold liegt genau darin der Reiz. „Der Reiz daran ist einfach, mich mit den Besten zu messen.“
Dass er diesen Schritt nicht unterschätzt, dürfte angesichts seiner bisherigen Erfahrung kaum überraschen. Ein solches Programm verlangt schließlich nicht nur körperliche Fitness und Geschwindigkeit. Es braucht ein konkurrenzfähiges Motorrad, finanzielle Mittel, Kontakte, eine funktionierende Infrastruktur und vor allem die Bereitschaft, sich auf eine völlig andere Situation einzulassen.
Noch sind nicht alle Voraussetzungen geschaffen. Ekerold arbeitet allerdings daran, aus seiner Vorstellung ein konkretes Rennprogramm zu machen. „Ich bin dran, alles in die Wege zu leiten, und bin mir sicher, dass sich alles so ergeben wird, wie ich es mir vorstelle.“
Ob am Ende tatsächlich alle geplanten Rennen möglich sein werden, bleibt abzuwarten. Doch nach dem gescheiterten Anlauf für 2026 möchte er es offensichtlich nicht bei einem weiteren Versuch auf dem Papier belassen.
Die Angst vor dem Scheitern darf nicht entscheiden
Vielleicht liegt die wichtigste Aussage des gesamten Gesprächs gar nicht in seinen sportlichen Plänen. Denn auf die Frage, was er 2027 erreichen möchte, spricht Ekerold nicht von Meisterschaftspunkten, Platzierungen oder bestimmten Gegnern.
Er spricht davon, etwas durchzuziehen, das ihm persönlich viel bedeutet. „In Amerika zu fahren, ist momentan mein Ansporn. Mir selbst zu beweisen, dass ich das umgesetzt bekomme, darum geht’s.“
Darin steckt ein anderer Anspruch als der, den man gewöhnlich von einem Rennfahrer erwartet. Natürlich möchte Ekerold konkurrenzfähig sein. Niemand reist in die USA, um sich lediglich ein paar Rennen aus der Nähe anzusehen. Aber sein erstes Ziel scheint derzeit darin zu bestehen, überhaupt an diesen Startgattern zu stehen.
Und möglicherweise ist genau das für ihn die größere Herausforderung.
Denn wer sich ein ambitioniertes Ziel setzt, muss auch damit leben können, dass es am Ende vielleicht nicht so funktioniert wie erhofft. Dass die Ergebnisse ausbleiben, die finanziellen Möglichkeiten Grenzen setzen oder der sportliche Abstand zur Konkurrenz größer ist als erwartet.
Ekerold scheint sich dieser Möglichkeit bewusst zu sein. Trotzdem möchte er sich davon nicht aufhalten lassen. „Ich möchte nicht alt und grau werden und das Gefühl haben, ich hätte etwas nicht getan, weil ich vielleicht Angst davor hatte, zu scheitern.“ Dieser Satz erklärt vermutlich besser als jede Ergebnisliste, warum er wieder auf dem Motorrad sitzt.
Es geht nicht darum, die Vergangenheit zurückzuholen oder eine frühere Karriere einfach fortzusetzen. Es geht darum, sich selbst noch einmal eine Chance zu geben. Herauszufinden, was möglich ist, solange man die Möglichkeit dazu hat.
Was bleibt, wenn es nicht funktioniert?
Natürlich kann niemand vorhersagen, ob Ekerold 2027 tatsächlich bei den amerikanischen Supercross-Rennen und den Outdoors am Start stehen wird. Ebenso wenig lässt sich heute sagen, welche Ergebnisse er dort erzielen könnte.
Aber vielleicht ist das auch nicht die entscheidende Frage.
Wer seinen sportlichen Weg ausschließlich an Platzierungen misst, könnte einen solchen Versuch schnell als unnötiges Risiko betrachten. Warum noch einmal so viel Aufwand betreiben, wenn nicht einmal feststeht, ob man sich gegen die Konkurrenz behaupten kann?
Ekerold scheint die Sache anders zu sehen. Für ihn wäre es offenbar schwieriger, irgendwann auf diese Jahre zurückzublicken und sich eingestehen zu müssen, dass er seinen Traum aus Angst vor einem möglichen Misserfolg gar nicht erst ernsthaft verfolgt hat.
Bis es so weit ist, bleibt noch einiges zu erledigen. Zunächst stehen weitere Rennkilometer an, unter anderem beim Supercross Stuttgart. Parallel dazu arbeitet er an den Voraussetzungen für sein Amerika-Abenteuer.
Dabei kann er auf Menschen zählen, die seinen Weg nicht nur begleiten, sondern überhaupt erst möglich machen. Allen voran die Familie Bauerschmidt, ohne deren Unterstützung er nach eigener Aussage nicht einmal Motorrad fahren würde. Hinzu kommen Lukes Racing sowie Andre und Lukas Brübach, die ihm bei seinen aktuellen Supercross-Einsätzen zur Seite stehen.
Ob Ekerold seinen Traum am Ende verwirklicht, wird sich zeigen. Seine Motivation dafür hat er jedenfalls ziemlich deutlich beschrieben.
Und sollte es tatsächlich nicht funktionieren, hätte er zumindest eine Antwort auf jene Frage, die ihn offenbar mehr beschäftigt als die Möglichkeit einer Niederlage: Was wäre gewesen, wenn ich es versucht hätte?
