Star Racing zieht seine Fahrer zurück: Deegan fehlt beim MXoN in Ernée
Star Racing Yamaha wird keine Bikes und wohl auch nicht die Fahrer für das MXoN 2026 freigeben. / Foto: Align Media
Haiden Deegan wird beim Motocross of Nations 2026 in Ernée nicht für die USA antreten – zumindest wenn es nach seinem Team geht. Monster Energy Yamaha Star Racing und Yamaha Motor USA haben sowohl ihre 250er- als auch ihre 450er-Fahrer aus der Auswahl für das diesjährige MXoN zurückgezogen.
Damit verliert die AMA einen Fahrer, der nach seiner bisherigen Rookie-Saison auf der YZ450F durchaus zum Kreis der Kandidaten für Team USA gehörte. Die Entscheidung richtet sich allerdings nicht speziell gegen einen Start von Deegan. Star Racing verzichtet mit seinem kompletten Programm auf die Reise nach Frankreich.
Warum verzichtet Star Racing auf das MXoN?
Die offizielle Begründung fällt zunächst recht nüchtern aus. Der lange SMX-Kalender, der Reiseaufwand und die Kosten für einen professionellen Einsatz in Europa haben Star Racing und Yamaha gemeinsam zu diesem Schritt bewogen.
Wer sich allerdings anschaut, was hinter einem MXoN-Start steckt, versteht zumindest, warum ein Werksteam diese Rechnung aufmacht. Die Motorräder aus dem US-Rennbetrieb lassen sich nicht einfach nach Ernée schicken und dort unverändert einsetzen.
Star Racing müsste für Deegan mindestens zwei YZ450F vorbereiten. Hinzu kommen Anpassungen an die FIM-Vorgaben, Arbeit am Motor und Fahrwerk sowie Tests auf dem Prüfstand und der Strecke. Selbst der in Europa eingesetzte Kraftstoff verändert die Leistungscharakteristik und muss bei der Abstimmung berücksichtigt werden.
Das klingt für ein Factory-Team zunächst nach normalem Rennbetrieb. Der Zeitpunkt macht die Sache komplizierter.
SMX endet erst kurz vor Ernée
Die amerikanische Saison zieht sich durch Supercross, Pro Motocross und die anschließenden SMX-Playoffs bis Ende September. Das Motocross of Nations findet bereits am 4. Oktober statt.
Die Motorräder für Frankreich müssten allerdings wesentlich früher vorbereitet werden. Anfang September müsste das Material nach Europa geschickt werden. Genau zu diesem Zeitpunkt arbeitet Star Racing noch an seinem SMX-Programm.
Damit laufen zwei Projekte nebeneinander. Mechaniker und Techniker müssen die SMX-Bikes betreuen und parallel Motorräder aufbauen, testen und für den Transport nach Frankreich vorbereiten.
Das MXoN kommt für die US-Teams also nicht erst nach der Saison. Die Arbeit dafür beginnt mitten in der entscheidenden Phase der eigenen Meisterschaft.
Ein MXoN-Start kostet mehr als Flugtickets und Fracht
Ein weiterer Punkt sind die Kosten. Zwei Motorräder, Ersatzteile, Werkzeug, Personal, Flüge, Unterkunft und Transport müssen finanziert werden. Ein Einsatz mit nur einem Bike kommt für Star Racing aus Gründen der Ausfallsicherheit nicht infrage.
Genau hier prallen zwei Sichtweisen aufeinander. Aus Sicht vieler Fans sollte ein Fahrer wie Deegan beim wichtigsten Nationenrennen des Jahres selbstverständlich für sein Land antreten, wenn er nominiert wird.
Ein Team rechnet anders. Star Racing muss Personal und Material bereitstellen, obwohl das Motocross of Nations nicht zum eigentlichen US-Meisterschaftsprogramm gehört. Der Aufwand ist erheblich und das Team möchte zumindest vermeiden, mit einem solchen Einsatz zusätzlich Geld zu verlieren.
Und genau da wird die Sache etwas komplizierter als ein einfaches „Deegan will nicht“.
Deegan selbst steht nicht hinter der Absage
Bislang gibt es keinen Hinweis darauf, dass Haiden Deegan persönlich auf Ernée verzichten wollte. Die Entscheidung kommt von Monster Energy Yamaha Star Racing und Yamaha Motor USA.
Das ist ein wichtiger Unterschied. Gerade bei einem Fahrer wie Deegan dürfte schnell der Eindruck entstehen, er habe sich gegen das MXoN entschieden. Nach den bislang vorliegenden Informationen trifft das so nicht zu.
Star Racing zieht seine Fahrer aus der Auswahl zurück und nimmt der AMA damit faktisch die Möglichkeit, Deegan zu nominieren.
Der immer längere US-Kalender wird zum Problem
Star Racing gehört keineswegs zu den Teams, die das Motocross of Nations grundsätzlich ablehnen. Ein Einsatz 2026 wäre die vierte Teilnahme innerhalb von fünf Jahren gewesen.
Das Problem liegt zunehmend im Kalender. Die besten amerikanischen Fahrer bestreiten zunächst eine komplette Supercross-Saison, anschließend Pro Motocross und danach die SMX-Playoffs. Erst Ende September endet dieses Programm. Ein Fahrer kann theoretisch eine Woche später in Frankreich antreten. Ein Werksteam muss den Einsatz jedoch Wochen vorher vorbereiten.
Genau diese Entwicklung könnte dem MXoN in Zukunft häufiger Probleme bereiten. Je wichtiger die SMX-Playoffs für Hersteller und Teams werden und je später die US-Saison endet, desto schwieriger wird eine zusätzliche Übersee-Veranstaltung Anfang Oktober.
Team USA muss andere Fahrer finden
Die AMA muss ihre Planungen für Ernée nun ohne die Star-Racing-Piloten fortsetzen. Gerade der Verzicht auf Deegan dürfte schmerzen, denn der 20-Jährige hat sich in seiner ersten 450er-Saison schnell an die Spitze herangearbeitet und zuletzt regelmäßig auf dem Podium gestanden.
Aus sportlicher Sicht hätte ein Start in Ernée ebenfalls seinen Reiz gehabt. Deegan gegen die MXGP-Spitze auf europäischem Boden wäre eine der interessanteren Geschichten des diesjährigen Nations gewesen.
Dazu wird es 2026 nicht kommen. Und solange sich am Verhältnis zwischen SMX-Kalender und MXoN-Termin wenig ändert, dürfte dieselbe Diskussion spätestens vor dem Nations 2027 wieder beginnen.
