Sasha Coenen setzt in Pietramurata den Maßstab
Sasha Coenen behauptet sich in Pietramurata
Drei Läufe, drei Siege – das klingt nach Dominanz. Und doch erzählt das MX2-Wochenende in Pietramurata eine etwas differenziertere Geschichte.
Sacha Coenen war der bestimmende Fahrer. Von Beginn an. Holeshot im ersten Lauf, sofort die Kontrolle übernommen, dahinter Mathis Valin im Druckmodus – ohne echte Möglichkeit, den entscheidenden Angriff zu setzen. Coenen setzte sich zur Rennmitte leicht ab und verwaltete das Rennen sauber bis ins Ziel.
Auch im zweiten Lauf das gleiche Bild – zumindest über weite Strecken. Führung, Rhythmus, Kontrolle. Bis kurz vor Schluss ein Fehler passiert. Sturz, kurzer Bruch im Ablauf, ein Moment, der das gesamte Wochenende hätte kippen lassen können. Tut er aber nicht. Coenen bleibt ruhig, sammelt sich und bringt auch diesen Lauf noch nach Hause.
Genau darin liegt die eigentliche Qualität dieses Auftritts. Nicht die Siege an sich, sondern die Tatsache, dass selbst Fehler keine Unruhe mehr reinbringen. Es wirkt stabiler, strukturierter – weniger wild, mehr kontrolliert.
Farres nimmt, was die Strecke hergibt
Guillem Farres fährt ein Wochenende, das auf den ersten Blick unspektakulär wirkt – und genau deshalb so wertvoll ist.
Die Strecke ließ kaum Spielraum zu. Eng, technisch, wenig Linien – wer einmal festhing, blieb es oft auch. Genau das bekam Farres im ersten Lauf zu spüren, als er lange hinter Valin feststeckte. Versuche waren da, Tempo auch – aber schlicht kein Platz, um das umzusetzen.
Im zweiten Lauf kommt ein schlechter Start dazu. Farres muss sich durch das Feld arbeiten, investiert viel Energie und kommt schließlich bis auf Platz zwei nach vorne. Zu diesem Zeitpunkt ist Coenen allerdings längst außer Reichweite.
Mehr war an diesem Wochenende kaum möglich. Und genau deshalb ist dieser zweite Gesamtrang ein Ergebnis von kluger Einteilung und sauberem Arbeiten – nicht von spektakulären Einzelaktionen.
Valin zeigt sich vorne – und lernt im Rückschlag
Für Mathis Valin ist dieses Podium ein Schritt nach vorn – auch wenn es sich nicht komplett rund anfühlen dürfte. Im ersten Lauf passt vieles. Guter Start, direkt vorne dabei, über weite Strecken Druck auf Coenen. Doch wie bei vielen anderen gilt auch hier: Nähe bedeutet nicht automatisch Überholmöglichkeit. Die Strecke limitiert.
Im zweiten Lauf wird es komplizierter. Ein Sturz bringt ihn aus dem Rhythmus, kostet Positionen und zwingt ihn in die Verfolgerrolle. Danach geht es vor allem darum, das Rennen zu stabilisieren und den Schaden zu begrenzen. Dass es am Ende trotzdem fürs Podium reicht, zeigt vor allem eines: Das Tempo ist da. Jetzt geht es darum, solche Wochenenden sauber zusammenzubringen.
Längenfelder bleibt vorn – trotz schwierigem Wochenende
Während vorne um den Tagessieg kaum Zweifel bestanden, spielte sich dahinter eine andere Geschichte ab – die von Simon Längenfelder. Der Deutsche hatte sichtlich Mühe, einen konstanten Rhythmus zu finden. Abstimmungsänderungen, fehlendes Gefühl für den Untergrund, dazu ein erster Lauf, in dem er selbst von „Überleben“ sprach. Nichts lief wirklich zusammen.
Erst im zweiten Rennen fand Längenfelder wieder näher zu seinem normalen Niveau. Mehr Vertrauen, mehr Vortrieb – aber noch nicht die Souveränität, die man von ihm kennt. Es war eher Schadensbegrenzung als Angriff. Und trotzdem: Am Ende verlässt er Trentino weiterhin mit der Red Plate.
Das ist vielleicht die wichtigste Erkenntnis aus seiner Sicht. Kein gutes Wochenende – aber auch kein Einbruch. In einer Saison, in der die Leistungsdichte so hoch ist wie aktuell, kann genau das entscheidend werden.
Eine Strecke, die das Rennen vorgibt
Pietramurata war an diesem Wochenende weniger Bühne für spektakuläre Duelle als vielmehr ein Filter. Wer vorne war, blieb dort meist auch. Wer zurückfiel, musste arbeiten – oft ohne echte Überholoption.
Viele Fahrer beschrieben ähnliche Eindrücke: Am Samstag extrem trocken, kaum Linien, schwer zu lesen. Der Regen und die Nachbearbeitung am Sonntag halfen, aber lösten das Grundproblem nicht komplett. Enge Spuren, wenig Platz, wenig Variabilität.
Das erklärt auch, warum sich die Rennen früh sortierten und dann über lange Phasen stabil blieben.
Klare Rollen, klare Richtung
Dieses Wochenende hat weniger Fragen aufgeworfen als beantwortet. Coenen setzt aktuell den Maßstab. Farres zeigt, wie wichtig Konstanz geworden ist. Valin ist nah dran – aber noch nicht ganz stabil genug. Und Längenfelder beweist, dass man auch ohne Glanzleistung die Kontrolle behalten kann.
Kein Chaos, kein Zufall. Sondern ein Feld, das sich gerade klar sortiert.
