Sacha Coenen in Afyon: Wie lange konnte das überhaupt gutgehen?

Sacha Coenen hatte in Afyon ein Wochenende zum Vergessen

Sacha Coenen hatte in Afyon ein Wochenende zum Vergessen. / Foto: Ralph Marzahn

Schon vor dem ersten Start war klar, dass der Belgier nicht bei 100 Prozent war. Coenen hatte vor dem Wochenende mit einer Lebensmittelvergiftung zu kämpfen. Trotzdem stellte er sich in Afyon ans Gatter – und zeigte zunächst sogar genügend Speed, um sich im ersten Moto nach einem verkorksten Start wieder bis in die Top 6 zu arbeiten.

Dann kam der Abflug über den langen Triple.

Coenen verlor beim Sprung die Kontrolle über seine KTM und schlug bei der Landung heftig ein. Dass er dabei ohne größere Verletzung davonkam, bezeichnete er später selbst als Glück. „Heute Morgen ging es mir nicht gut. Es war schwer, mich zu konzentrieren und sogar richtig nach vorne auf die Strecke zu schauen. Nach diesem Crash kann ich froh sein, dass ich mich nicht verletzt habe.“

Gerade der erste Teil dieser Aussage lässt aufhorchen. Wer Schwierigkeiten hat, sich zu konzentrieren und auf der Strecke richtig vorauszuschauen, hat auf einer MX2 bei diesem Tempo ohnehin schon einen ziemlich bescheidenen Arbeitstag. Dazu kam nun noch der Einschlag aus dem ersten Lauf.

Eigentlich hätte man damit rechnen können, dass Coenens Sonntag beendet ist.

War er aber nicht.

Zwei Runden lang sah es plötzlich wieder normal aus

Coenen stellte sich für Moto 2 erneut ans Gatter – und zog den Holeshot. Seinen 15. in dieser Saison. Für einen kurzen Moment sah damit wieder alles nach einem ganz normalen Sacha-Coenen-Rennen aus. Vorne raus, freie Strecke und versuchen, sofort einen kleinen Abstand aufzubauen.

Selbst bei KTM war man offenbar überrascht, wie gut das zunächst funktionierte. Valentina Ragni erklärte gegenüber der TV-Crew, dass man nach der ersten Runde sogar kurz daran geglaubt habe, Coenen könne das Rennen trotz seines Zustands durchstehen.

Dann übernahm Farres die Führung. Wenig später war Coenen raus.

Die TV-Kommentatoren brachten anschließend die Möglichkeit ins Spiel, dass das Überholmanöver auch psychologisch ein Schlag gewesen sein könnte. Belegen lässt sich das nicht. Und wenn man sich anschaut, was Coenen bis dahin bereits hinter sich hatte, braucht es diese Erklärung eigentlich auch nicht zwingend.

Lebensmittelvergiftung, Konzentrationsprobleme, ein heftiger Crash im ersten Moto und anschließend wieder Renntempo – irgendwann kann schlicht der Punkt kommen, an dem nichts mehr geht.

Dass Coenen überhaupt noch einmal angetreten ist und direkt den Holeshot gezogen hat, sagt zumindest einiges darüber aus, wie sehr er versucht hat, an diesem Wochenende noch etwas zu retten.

Zwei DNF – aber trotzdem 13 WM-Punkte

Und tatsächlich ging Coenen wider Erwarten nicht einmal ganz leer aus. Obwohl er keinen der beiden Läufe beendete, wurden ihm sechs Punkte aus Moto 1 und sogar sieben aus Moto 2 auf seinem WM-Konto gutgeschrieben. Macht 13 Punkte für einen Sonntag mit zwei DNF.

Vor allem die sieben Punkte aus dem zweiten Lauf fallen dabei auf. Coenen fuhr gerade einmal zwei Runden, bevor er das Rennen aufgab. Ob zwei gefahrene Runden sieben WM-Punkte wert sein sollten, kann man durchaus diskutieren. Das Reglement beziehungsweise die Wertung machte es in Afyon jedenfalls möglich, und Coenen dürfte sich darüber an diesem Sonntag kaum beschwert haben.

Für seine Meisterschaft bleibt der Schaden trotzdem groß. Er liegt auf Rang drei und 60 Punkte hinter dem Red Plate.

Dabei fehlte ihm in Afyon offensichtlich nicht der Speed. Im ersten Moto kam er trotz seines Zustands aus dem Feld bis in die Top 6, im zweiten stand nach wenigen Metern bereits Holeshot Nummer 15 auf dem Zettel. Sein Problem war an diesem Wochenende vielmehr, diesen Speed körperlich lange genug aufrechterhalten zu können.

Coenen selbst wollte daraus anschließend keine große Geschichte machen. „Ein schwieriger Tag. Ich kann froh sein, dass ich mich bei dem Crash nicht verletzt habe. Einer zum Vergessen, und wir versuchen es wieder.“

Ganz vergessen kann er Afyon zumindest in der WM-Tabelle nicht. Die 13 Punkte stehen dort tatsächlich – auch wenn sieben davon nach gerade einmal zwei Rennrunden etwas ungewöhnlich zustande gekommen sind.