Nico Greutmann – Aufgeben kommt nicht infrage
Für Nico Greutmann wird der Traum MXGP auch nach dem Ende der Zusammenarbeit mit Meuwissen Motorsports weitergehen.
Für Nico Greutmann verläuft die Saison 2026 bislang anders als er es sich vorgestellt hatte. Der Schweizer kämpft nicht nur gegen die starke Konkurrenz der MXGP-Weltmeisterschaft, sondern auch gegen Umstände, die viele seiner Konkurrenten gar nicht kennen.
Während Werksfahrer und etablierte Teams auf eingespielte Strukturen zurückgreifen können, muss Greutmann aktuell große Teile seines Programms selbst organisieren. Eine Situation, die ursprünglich so nie geplant war.
Der Weg schien vorgezeichnet
Noch vor kurzer Zeit sprach vieles für eine erfolgreiche Weiterentwicklung seiner Karriere. 2024 gewann Greutmann den ADAC MX Youngster Cup und setzte sich damit gegen zahlreiche internationale Nachwuchstalente durch. Der Titel machte den Schweizer zu einem der interessantesten jungen Fahrer im europäischen Motocross und öffnete die Tür für den nächsten Schritt Richtung Weltmeisterschaft.
Der Wechsel in die MXGP-Klasse sollte diesen Weg fortsetzen. Doch die Rahmenbedingungen änderten sich schneller als erwartet.
Das Teamprojekt zerbrach früh
Eigentlich sollte Greutmann seine erste komplette MXGP-Saison im Rahmen eines gemeinsamen Projekts von Meuwissen Motorsports und der schweizerischen MX Academy absolvieren. Die Zusammenarbeit sollte ihm die notwendige Infrastruktur für den Einstieg in die Königsklasse bieten.
Doch das Projekt nahm früh eine andere Richtung.
Die Zusammenarbeit mit Meuwissen Motorsports beendete Nico nun nach wenigen Monaten. Die Unterstützung durch die MX Academy blieb hingegen bestehen, bzw. wird durch den Wegfall von Meuwissen Motorsports ausgebaut und bildet so einen wichtigen Bestandteil seines Programms.
Für Greutmann hatte das dennoch weitreichende Folgen. Durch das Ende der Kooperation mit Meuwissen Motorsports fielen die ursprünglich geplanten Teamstrukturen weg. Plötzlich musste der Schweizer viele Aufgaben selbst übernehmen und große Teile seines Rennbetriebs eigenständig organisieren.
Zwischen Rennfahrer und „Teammanager“
Heute übernimmt Greutmann viele Aufgaben selbst. Reisen organisieren, Motorräder vorbereiten (bis der eigentliche Mechaniker seinen Job antritt), Abläufe koordinieren – Dinge, die in professionellen Teams normalerweise von mehreren Personen erledigt werden, landen nun häufig auf seinem Schreibtisch.
Wie schwierig diese Situation sein kann, zeigte sich selbst beim MXGP of Germany. Eigentlich sollten Mechaniker vor Ort sein, erschienen jedoch nicht. Kurzfristig erhielt Greutmann Unterstützung von einem Helfer aus Deutschland, der einsprang und das Wochenende überhaupt erst möglich machte.
Der zusätzliche Aufwand kostet Kraft. Nicht nur körperlich, sondern auch mental.
Denn während sich viele Konkurrenten nahezu ausschließlich auf Training und Rennen konzentrieren können, beginnt für Greutmann die Arbeit oft lange vor dem ersten Training und endet erst nach dem letzten Lauf.
Rückschlag in Teutschenthal
Sportlich verlief das Deutschland-Wochenende ebenfalls nicht nach Wunsch. Bereits im Warm-up zum Qualifying stürzte der Schweizer und zog sich dabei eine Gehirnerschütterung zu. Die ohnehin schwierige Situation wurde dadurch zusätzlich verschärft.
Gerade solche Rückschläge treffen Privatfahrer oft besonders hart. Während große Teams auf umfangreiche Strukturen zurückgreifen können, muss Greutmann viele Herausforderungen selbst bewältigen.
Die MXGP bleibt das Ziel
Trotz aller Schwierigkeiten zweifelt der Schweizer nicht an seinem eingeschlagenen Weg. Den direkten Wechsel auf die 450er-Maschine betrachtet er weiterhin als richtige Entscheidung. Seine körperlichen Voraussetzungen und sein Fahrstil passen aus seiner Sicht besser zur MXGP-Klasse als zu den kleineren Motorrädern der MX2.
Auch wenn die Ergebnisse bislang nicht immer das widerspiegeln, was er sich selbst vorgenommen hat, sieht Greutmann seine Zukunft weiterhin in der Königsklasse des Motocross-Sports.
Aufgeben kommt nicht infrage
Die aktuelle Saison zeigt vor allem, wie schnell sich Karrieren im Motocross verändern können. Vor zwei Jahren stand Greutmann als Sieger des ADAC MX Youngster Cup ganz oben. Heute reist er mit kleinem Setup durch die Weltmeisterschaft und versucht, sich unter deutlich schwierigeren Bedingungen gegen die besten Fahrer der Welt zu behaupten.
Unterstützung erhält er dabei weiterhin von der MX Academy, die ihn auch nach dem Ende der Zusammenarbeit mit Meuwissen Motorsports begleitet. Die Strukturen eines vollwertigen Rennteams lassen sich dadurch allerdings langsam ersetzen.
Genau das macht seine Geschichte derzeit so bemerkenswert. Denn trotz der Rückschläge, des gescheiterten Teamprojekts und der zusätzlichen Belastungen arbeitet der Schweizer weiter an seinem Ziel, sich dauerhaft in der MXGP-Weltmeisterschaft zu etablieren.
Der Weg dorthin ist komplizierter geworden als geplant. Beenden will Greutmann ihn deshalb noch lange nicht.
