Neues Amateur-Finale ab 2027: Konkurrenz für die CROSS FINALS?

Das Deutsche Amateur Motocross Finale erklärt

Das Deutsche Amateur Motocross Finale erklärt

Ein neues Motocross-Format will 2027 genau die Fahrer zusammenbringen, die bei großen überregionalen Veranstaltungen häufig kaum eine Rolle spielen. Das „Deutsche Amateur-Motocross Finale“ richtet sich ausdrücklich an klassische Hobbyfahrer aus den Regionalserien. Wer DM-Punkte gesammelt hat, bei den ADAC MX Masters gefahren ist oder bereits in EM und WM unterwegs war, soll draußen bleiben.

Hinter dem Projekt stehen David Rosenstengel und Nico Heinrich. Beide kommen selbst aus dem Amateur-Motocross und haben Erfahrungen in Rennserien, Vereinsarbeit und der Organisation von Veranstaltungen gesammelt. Die Premiere ist für den 18. und 19. September 2027 geplant. Der Austragungsort steht noch nicht fest, soll aber möglichst zentral in Deutschland liegen.

Die Idee erinnert zwangsläufig an die CROSS FINALS. Auch dort treffen Fahrer verschiedener regionaler Rennserien aufeinander. Das neue AMX-Finale zieht die Grenze bei der Auswahl der Teilnehmer allerdings deutlich enger.

Der Amateur soll tatsächlich Amateur bleiben

Genau hier setzen Rosenstengel und Heinrich an. Nach ihrer Einschätzung geraten in den Regionalserien häufig jene Fahrer in den Vordergrund, die bereits auf einem deutlich höheren sportlichen Niveau unterwegs sind.

Ihre Veranstaltung soll deshalb den Fahrer erreichen, der unter der Woche arbeitet, nicht mehrmals pro Woche trainieren kann und am Wochenende mit überschaubarem Budget seine Regionalmeisterschaft fährt. Oft steht nur ein Motorrad in der Garage. Einen Mechaniker, der unter der Woche das Bike vorbereitet, gibt es ebenso wenig wie ein großes Sponsorenpaket.

Diese Fahrer bilden einen erheblichen Teil der deutschen Motocross-Basis – bekommen außerhalb ihrer eigenen Rennserie aber selten eine große Bühne.

Das AMX-Finale soll genau diese Bühne schaffen.

DM-Punkte, Masters, EM oder WM schließen einen Start aus

Die Veranstalter versuchen das schwierige Thema „Wer ist eigentlich Amateur?“ über klare sportliche Grenzen zu lösen.

Startberechtigt sollen nur Fahrer sein, die im aktuellen Jahr sowie in den beiden vorherigen Jahren keine Punkte in der Deutschen Meisterschaft gesammelt haben. Noch strenger fällt die Regel beim ADAC MX Masters aus: Wer bereits an einem Wertungslauf der Masters-Serie, des Youngster Cups oder eines Junior Cups teilgenommen hat, erfüllt die vorgesehenen Kriterien nicht.

Einsätze in Europa- oder Weltmeisterschaften schließen eine Teilnahme ebenfalls aus.

Damit dürfte sich das Starterfeld deutlich von vielen anderen großen Amateurveranstaltungen unterscheiden. Ein schneller Regionalfahrer bleibt willkommen. Ein Pilot, der parallel regelmäßig auf nationaler oder internationaler Ebene startet, nicht.

Die Organisatoren behalten sich ausdrücklich vor, Fahrer abzulehnen, die den Anforderungen nicht entsprechen.

Die Regionalserien entscheiden, wer nachrückt

Sechs Klassen stehen aktuell auf dem Plan: 50 ccm, 65 ccm, 85 ccm, MX2 Youngster, MX2 und MX Open.

Die Qualifikation läuft über die Regionalmeisterschaften. Startberechtigt sind jeweils die ersten zwei oder drei Fahrer einer Serie, welche die festgelegten Kriterien erfüllen. Hinzu kommt eine weitere Bedingung: Ein Teilnehmer muss seinen Wohnsitz in dem Bundesland haben, in dem die Regionalserie ausgetragen wird, für die er startet.

Damit verfolgen Rosenstengel und Heinrich noch ein zweites Ziel. Das Finale soll die regionalen Meisterschaften stärken. Wer im September beim großen Amateur-Finale dabei sein möchte, muss sich zuvor in seiner heimischen Serie qualifizieren.

Gerade dieser Ansatz könnte für kleinere Meisterschaften interessant werden. Das Finale schafft einen zusätzlichen sportlichen Anreiz, ohne die Fahrer während der Saison aus ihren regionalen Serien herauszuziehen.

Last Chance Race statt einfacher Startberechtigung

Auch sportlich soll das Wochenende mehr bieten als zwei gewöhnliche Wertungsläufe.

Freies Training und Zeittraining eröffnen das Programm. Die 35 Schnellsten des Zeittrainings qualifizieren sich direkt, fünf weitere Plätze werden über ein Last Chance Race vergeben. Damit stehen anschließend 40 Fahrer im Quali Race.

Am zweiten Tag folgen Warm-up sowie zwei Wertungsläufe.

Eine Besonderheit steckt in der Punktevergabe. Nicht erst die beiden Hauptrennen zählen. Auch das Quali Race fließt in die Wertung ein. Ein schwaches Qualifikationsrennen lässt sich damit nicht einfach abhaken.

Neben den Klassensiegern planen die Organisatoren eine Teamwertung, Preise für die Holeshots und eine Wertung der schnellsten Runden.

Alternative zu den CROSS FINALS?

Der Vergleich mit den CROSS FINALS liegt nahe, sollte aber nicht zu weit getrieben werden. Beide Veranstaltungen verfolgen zunächst dieselbe Grundidee: Die besten Fahrer aus unterschiedlichen Regionen treffen sich am Ende der Saison zu einem gemeinsamen Rennen.

Beim entscheidenden Punkt gehen die Konzepte auseinander.

Die CROSS FINALS haben sich über Jahre zu einem großen Saisonhöhepunkt entwickelt, bei dem das sportliche Niveau entsprechend hoch ist. Genau diese Entwicklung möchten Rosenstengel und Heinrich mit ihrem neuen Format offenbar bewusst vermeiden. Ihr Finale soll nicht herausfinden, welcher bekannte nationale Fahrer sich gegen Regionalpiloten durchsetzt. Gesucht wird ausdrücklich der schnellste Amateur.

Das ist ein wichtiger Unterschied.

Wer regelmäßig DM fährt oder den Sprung ins ADAC MX Masters geschafft hat, besitzt bereits andere Möglichkeiten, sich auf nationaler Ebene zu präsentieren. Das AMX-Finale will stattdessen diejenigen belohnen, deren sportlicher Alltag zwischen Beruf, Familie, heimischer Rennserie und eigener Motorradvorbereitung stattfindet.

Damit könnte das neue Rennen weniger eine direkte Kopie der CROSS FINALS als eine Alternative für eine andere Zielgruppe werden.

Entscheidend wird die Definition des Amateurs

Genau an diesem Punkt wartet allerdings auch die größte Herausforderung. Auf dem Papier lassen sich DM-, Masters-, EM- und WM-Starter relativ einfach herausfiltern. Geschwindigkeit und Professionalität enden aber nicht automatisch an diesen Meisterschaftsgrenzen.

Es gibt schnelle Regionalfahrer, die aus finanziellen oder zeitlichen Gründen nie DM oder Masters gefahren sind. Andere haben möglicherweise das Tempo für nationale Rennen, verzichten aber bewusst darauf. Nach den bisher veröffentlichten Kriterien wären sie trotzdem startberechtigt.

Die Organisatoren werden deshalb spätestens bei den ersten Nennungen erleben, wie schwierig eine wasserdichte Amateurdefinition im Motocross tatsächlich ist.

Ihr Ansatz hat dennoch einen klaren Vorteil: Die Grenze wird vor dem Rennen gezogen und nicht erst diskutiert, wenn ein überlegener Sieger auf dem Podium steht.

Kosten sollen bewusst niedrig bleiben

Auch finanziell soll sich das Konzept vom immer professioneller werdenden Rennbetrieb abheben. Rosenstengel und Heinrich nennen niedrige Kosten für Teilnehmer und Teams ausdrücklich als eine ihrer wichtigsten Vorgaben. Auch die Eintrittspreise für Zuschauer sollen möglichst gering bleiben.

Unterstützung aus der Motorradindustrie ist trotzdem vorgesehen. Die Partner sollen helfen, den Fahrern etwas zurückzugeben, ohne den Grundgedanken des Amateur-Finales zu verändern.

Bis zur Premiere bleibt noch mehr als ein Jahr Zeit. Einige Details können sich nach Angaben der Organisatoren noch ändern, der Austragungsort muss ebenfalls erst bekannt gegeben werden.

Der Termin steht bereits: 18. und 19. September 2027.

Ob daraus tatsächlich eine Alternative zu den CROSS FINALS entsteht, entscheidet am Ende weniger die Größe der Veranstaltung als die Frage, ob das AMX-Finale seinen eigenen Anspruch dauerhaft durchhalten kann: ein großes Saisonfinale, bei dem der Amateur nicht gegen ehemalige oder aktuelle nationale Spitzenfahrer antreten muss, sondern gegen Fahrer mit einem vergleichbaren sportlichen Hintergrund.