MXoN Team Niederlande: Warum Roan van de Moosdijk und nicht Kay Karssemakers?

Roan van de Moosdijk wird das MXoN Team der Niederlande in der MX2 vertreten

Roan van de Moosdijk wird das MXoN Team der Niederlande in der MX2 vertreten

Warum setzt Team Niederlande beim Motocross of Nations in Ernée ausgerechnet Roan van de Moosdijk auf die 250er, obwohl mit Kay Karssemakers ein schneller MX2-WM-Pilot zur Verfügung steht?

Bei Jeffrey Herlings und Kay de Wolf dürfte Teammanager Barry Forschelen nicht lange überlegt haben. Herlings gehört auch 2026 zur absoluten MXGP-Spitze, de Wolf hat sich nach seinem Wechsel auf die 450er direkt vorne etabliert. Offen war dagegen lange der dritte Platz – und damit die Frage, wer beim MXoN die 250er fährt.

Die Wahl fiel auf Roan van de Moosdijk.

Das ist interessant, denn der 25-Jährige fährt gerade eine richtig starke Saison auf der 450er. Erst am vergangenen Wochenende krönte er sich in Vellahn vorzeitig zum ADAC MX Masters-Champion 2026. Auch bei seinen Einsätzen in der MXGP-WM zeigte er mehrfach Top-10-Speed, dazu kamen zwei Starts in der AMA Pro Motocross Championship.

Die 450er liegt ihm offensichtlich. Und ausgerechnet jetzt soll er für Ernée wieder auf die 250er.

Was spricht gegen Kay Karssemakers?

Karssemakers‘ Saison sieht in der WM-Tabelle schlechter aus, als sein Speed vermuten lässt. Einige DNFs haben ordentlich Punkte gekostet, wobei mehrere dieser Ausfälle außerhalb seines Einflusses lagen. Wenn er ohne Probleme durchkam, konnte er durchaus das Tempo der schnellen MX2-Piloten mitgehen.

Cas Valk wäre ebenfalls ein Kandidat gewesen, ist nach seiner Verletzung aber erst seit kurzer Zeit wieder auf dem Motorrad. Jens Walvoort fällt für den Rest der Saison aus. Damit wäre Karssemakers eigentlich die naheliegende Lösung gewesen.

Vor allem müsste man bei ihm nichts umstellen. Er fährt Woche für Woche eine 250er unter WM-Bedingungen und bringt genau die aktuelle Rennpraxis mit, die van de Moosdijk erst wieder aufbauen muss.

Natürlich ist das kleine Bike für den frischgebackenen Masters-Champion kein Neuland. Van de Moosdijk war jahrelang in der MX2-WM unterwegs und stand dort mehrfach auf dem Podium. Trotzdem fährt er inzwischen 450er und hat sich auf das größere Motorrad eingestellt.

Beim MXoN kommt noch eine Besonderheit hinzu. Die MX2-Fahrer treffen in ihren Rennen auch auf die 450er. Gerade nach einem schlechten Start kann das mit dem kleineren Motor unangenehm werden. Wer zwischen mehreren 450ern festhängt, muss sich seine Überholmanöver anders erarbeiten.

Karssemakers macht seinen Job momentan jedes Wochenende auf einer 250er. Van de Moosdijk muss dieses Gefühl wiederfinden.

Kein MX2-Rennen möglich – aber Drehna könnte zum Test werden

Einfach noch einen MX2-Lauf vor Ernée einzuschieben, funktioniert für van de Moosdijk nicht.

Mit seinen 25 Jahren liegt er über der Altersgrenze der MX2-Weltmeisterschaft, die bei 23 Jahren liegt. Auch im ADAC MX Youngster Cup kann er nicht mehr antreten. Dort liegt die Altersgrenze bei 21 Jahren.

Die beiden naheliegenden Möglichkeiten, vor Ernée noch ein Rennen in einer reinen 250er-Klasse zu bestreiten, fallen damit weg. Einen anderen Plan gibt es aber bereits. Wie uns sein Team mitteilte, wird darüber nachgedacht, van de Moosdijk beim ADAC MX Masters-Finale in Fürstlich Drehna mit der 250er in der Masters-Klasse starten zu lassen.

Das könnte sogar ein ziemlich passender Test für Ernée werden.

Der Titel ist bereits gewonnen, van de Moosdijk muss in Drehna also keine Meisterschaft mehr verwalten. Stattdessen könnte er das Wochenende nutzen, um die 250er unter Rennbedingungen zu bewegen – und das gegen 450er.

Gerade die Starts wären interessant. Ebenso die Frage, wo er beim Herausbeschleunigen verliert und ob er diesen Nachteil mit Kurvenspeed und Linienwahl ausgleichen kann. Dazu kommt die Renndistanz. Ein paar schnelle Trainingsmotos sind das eine, mit einer 250er zwischen den 450ern um Positionen zu kämpfen etwas anderes.

Sollte das Team diesen Plan tatsächlich umsetzen, wäre Drehna mehr als ein ungewöhnlicher Auftritt des frischgebackenen Champions. Es wäre ein ziemlich brauchbarer Probelauf für das MXoN.

Herlings hätte ebenfalls einen 450er-Piloten genommen

Dass Forschelen überhaupt auf einen aktuellen 450er-Piloten für die MX2-Position setzt, ist allerdings nicht so ungewöhnlich, wie es zunächst aussieht.

Jeffrey Herlings hatte nach dem MXGP in Arnhem selbst eine konkrete Vorstellung von seiner niederländischen Wunschmannschaft. Auch bei ihm wäre der Platz nicht an einen aktuellen MX2-WM-Piloten gegangen.

Sein Kandidat war Glenn Coldenhoff. „Wenn ich Teammanager wäre, würde ich Kay und mich für MXGP und Open nominieren, egal wie herum. Dann würde ich Glenn Coldenhoff auf eine Werks-Yamaha 250 setzen“, erklärte Herlings.

Noch interessanter ist seine Begründung: „Wenn Kay und ich dieses Niveau halten und der MX2-Fahrer ein gutes Ergebnis nach Hause bringt, können wir um den Sieg kämpfen. Wäre das einfach? Nein. Aber es wäre möglich. Ich glaube, dass wir gewinnen können.“

In diese Aussage kann man einiges hineininterpretieren. Mit Herlings und de Wolf haben die Niederländer zwei Fahrer, denen man in Ernée absolute Spitzenergebnisse zutrauen darf. Der dritte Mann muss deshalb vielleicht gar nicht der schnellste verfügbare Niederländer auf einer 250er sein. Viel wichtiger könnte sein, dass er zweimal zuverlässig punktet.

Und dafür hat van de Moosdijk 2026 einige Argumente gesammelt.

Vellahn lieferte gerade das passende Beispiel. Jörgen-Matthias Talviku gewann alle drei Läufe, van de Moosdijk wurde dreimal Zweiter und machte damit den Masters-Titel vorzeitig klar. Er musste Talviku nicht auf Teufel komm raus schlagen, sondern nahm die Ergebnisse mit, die er für die Meisterschaft brauchte.

Genau diese Konstanz könnte bei der Auswahl eine größere Rolle gespielt haben als die aktuelle MX2-Routine von Karssemakers.

Das heißt nicht, dass Karssemakers für Ernée die schlechtere Wahl gewesen wäre. Sein Speed auf der 250er spricht für ihn. Forschelen scheint bei seiner Entscheidung aber andere Punkte höher gewichtet zu haben: Erfahrung, aktuelle Form und die Aussicht auf zwei Ergebnisse, mit denen Herlings und de Wolf arbeiten können.

Ob diese Rechnung aufgeht, könnte sich zumindest teilweise schon vor Ernée zeigen.

Sollte van de Moosdijk beim Finale in Fürstlich Drehna tatsächlich mit der 250er zwischen den 450ern stehen, bekommen wir einen ersten echten Hinweis. Dann geht es nicht mehr darum, wie schnell er irgendwann einmal auf einer 250er war, sondern wie schnell er jetzt darauf ist.

Der Masters-Titel ist bereits sicher. Für van de Moosdijk könnte Drehna deshalb plötzlich eine ganz andere Aufgabe bekommen: der letzte Renntest für Ernée.