MXoN 2026: Das Power Ranking für Ernée

Beim MXoN in Ernee wird Romain Febvre ein letztes Mal auf der Kawasaki ans Startgatter rollen

Beim MXoN in Ernee wird Romain Febvre ein letztes Mal auf der Kawasaki ans Startgatter rollen. / Foto: Ralph Marzahn

Frankreich vor Spanien und Belgien: So sieht meine Favoritenliste für das Motocross of Nation 2026 aus. Entscheidend ist dabei nicht allein, wer einzelne Läufe gewinnen kann. Es geht darum, welche Mannschaft über das gesamte Wochenende die wenigsten Schwachstellen zeigt.

Wer bringt die schnellsten Fahrer mit – und wer das stärkste Team? Beim MXoN sind das zwei unterschiedliche Fragen. Ein Spitzenfahrer kann seine Nation nach vorne bringen. Für den Gesamtsieg müssen aber auch die beiden anderen liefern.

Ich gewichte deshalb die Ausgeglichenheit der Mannschaften stärker als die Aussicht auf einzelne Laufsiege. Dazu kommen die Klassenbesetzung und die Frage, wie gut die MX2-Fahrer im gemischten Feld bestehen können.

1. Frankreich – das überzeugendste Gesamtpaket

MXGP: Romain Febvre | MX2: Mathis Valin | Open: Tom Vialle

Frankreich steht für mich an erster Stelle, weil diese Mannschaft auf allen drei Positionen überzeugende Argumente mitbringt. Febvre kann vorne angreifen, Vialle ebenfalls. Valin muss sich in diesem Aufgebot keineswegs verstecken.

Der Heimvorteil kommt hinzu. Die Unterstützung in Ernée kann tragen, sie erhöht allerdings auch die Erwartung. Frankreich wird sich kaum mit einem ordentlichen Podestplatz zufriedengeben.

Die entscheidende Stärke liegt für mich in der Besetzung: Die Siegchance hängt nicht allein daran, dass ein Fahrer zwei außergewöhnliche Läufe abliefert. Frankreich hat mehrere Möglichkeiten, ein starkes Mannschaftsergebnis einzufahren. Das macht die Gastgeber zu meinem Favoriten.

2. Spanien – Prado und Farres machen den Unterschied

MXGP: Jorge Prado | MX2: Guillem Farres | Open: Francisco Garcia

Prado und Farres sind ein starkes Argument dafür, Spanien ganz oben einzuordnen. Prado traue ich zu, das Geschehen in seinen Läufen maßgeblich zu bestimmen. Farres kann in der MX2 den Beitrag liefern, den eine Mannschaft mit Siegambitionen braucht: möglichst wenige Fahrer vor sich, auch im direkten Vergleich mit den 450ern.

Francisco Garcia übernimmt dabei eine wichtige Aufgabe. Spanien braucht von ihm zwei brauchbare Ergebnisse, damit die Leistungen der beiden anderen tatsächlich für den Gesamtsieg reichen können.

Genau deshalb steht Spanien bei mir knapp hinter Frankreich. Die Spitze ist ausgesprochen stark. Wie belastbar das gesamte Paket ist, muss sich in Ernée zeigen.

3. Belgien – genügend Tempo für den Sieg

MXGP: Lucas Coenen | MX2: Sacha Coenen | Open: Liam Everts

Wer Belgien schlagen will, muss zunächst einmal mit dem Tempo dieser Mannschaft zurechtkommen. Lucas und Sacha Coenen können Rennen früh in ihre Richtung ziehen. Everts bringt eine weitere sportlich starke Komponente hinzu.

Bei einem Nationenrennen zählt allerdings auch, wie viel von diesem Tempo am Ende auf dem Ergebnisblatt steht. Ein Angriff, der im Grand Prix noch vertretbar erscheint, kann für die Mannschaft teuer werden.

Für mich ist Belgien ein echter Siegkandidat. Platz drei bedeutet hier keine klare Abstufung gegenüber Spanien. Es ist die Gewichtung zwischen möglicher Spitzenleistung und der Sicherheit, diese über das gesamte Wochenende abzurufen.

4. Niederlande – Herlings allein reicht nicht

MXGP: Roan van de Moosdijk | MX2: Glenn Coldenhoff | Open: Jeffrey Herlings

Herlings gibt den Niederlanden die Möglichkeit, in der Open-Klasse ganz vorne anzusetzen. Die spannendere Frage betrifft Coldenhoff auf der 250er.

Im gemischten Feld muss er das kleinere Motorrad anders einsetzen: Schwung halten, Linien früher vorbereiten und nach einem schlechten Start möglichst wenig Zeit hinter den 450ern verlieren. Erfahrung hilft dabei, ersetzt aber nicht die Anpassung.

Van de Moosdijk muss gleichzeitig seinen Teil beitragen. Die Niederlande können gewinnen. Ich sehe bei dieser Aufstellung jedoch mehr Voraussetzungen, die zusammenpassen müssen, als bei den drei Teams davor.

5. USA – gefährlich, auch ohne Favoritenstatus

MXGP: Julien Beaumer | MX2: Levi Kitchen | Open: Cooper Webb

Die USA auf Rang fünf einzuordnen, heißt nicht, ihnen das Podium abzusprechen. Kitchen kann in der MX2 einen wertvollen Beitrag liefern, Webb traue ich zu, auch unter schwierigen Bedingungen ein Ergebnis zusammenzuhalten.

Beaumer ist für mich die größte Variable. Wie schnell findet er in Ernée seinen Rhythmus? Kann er sich im direkten Vergleich mit den europäischen Spitzenfahrern behaupten?

Für den Sieg müsste dieses Team auf mehreren Positionen über meine Erwartung hinausfahren. Für ein Podestergebnis braucht es deutlich weniger. Die Amerikaner bleiben eine Mannschaft, die man am Sonntag besser nicht zu früh abschreibt.

6. Lettland – mein Kandidat für eine MXoN-Überraschung

MXGP: Karlis Alberts Reisulis | MX2: Janis Martins Reisulis | Open: Pauls Jonass

Lettland gefällt mir als Mannschaft, weil die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt werden kann. Jonass bringt Erfahrung mit, die Reisulis-Brüder geben dem Team zusätzliche Möglichkeiten.

Für einen Platz weit vorne muss Lettland vor allem die kostspieligen Ergebnisse vermeiden. Die Mannschaft braucht keinen spektakulären Einzellauf, wenn alle drei Fahrer ihren Beitrag liefern.

Rang sechs ist deshalb meine Ausgangsposition. Läuft das Wochenende sauber und geraten einige Favoriten in Schwierigkeiten, kann Lettland weiter nach vorne rücken.

7. Italien – Potenzial für mehr

MXGP: Andrea Adamo | MX2: Ferruccio Zanchi | Open: Alberto Forato

Italien bringt eine Mannschaft mit, der ich einen Platz in der vorderen Hälfte der Top Ten zutraue. Dafür müssen allerdings alle drei Positionen funktionieren.

Bei Adamo interessiert mich besonders, wie überzeugend er seine Aufgabe in der MXGP-Klasse löst. Zanchi muss sich im gemischten Feld behaupten, Forato die Mannschaft auf der zweiten großen Maschine stützen.

Für einen Sieg sehe ich andere Teams besser aufgestellt. Italien kann aber durchaus Mannschaften unter Druck setzen, die in diesem Ranking weiter vorne stehen.

8. Australien – die Mannschaft muss gemeinsam liefern

MXGP: Jed Beaton | MX2: Alex Larwood | Open: Aaron Tanti

Ohne die Lawrence-Brüder verändert sich Australiens Ausgangslage deutlich. Beaton, Larwood und Tanti verdienen dennoch eine Bewertung ihrer eigenen Möglichkeiten.

Beaton kann der Mannschaft Orientierung geben. Entscheidend wird, wie gut Larwood und Tanti ihre Ergebnisse danebenstellen. Australien braucht drei funktionierende Beiträge, um die Teams vor sich unter Druck zu setzen.

Ich sehe diese Besetzung im Kampf um die hinteren Top-Ten-Plätze, mit der Möglichkeit, bei einem gelungenen Wochenende weiter vorzurücken.

9. Schweden – über die Mannschaft ins Ergebnis

MXGP: Isak Gifting | MX2: Alve Callemo | Open: Alvin Östlund

Schweden gehört für mich in die Top Ten, weil ein geschlossenes Mannschaftsergebnis erreichbar erscheint. Gifting und Östlund müssen dafür den Rahmen setzen, Callemo braucht in der MX2 zwei Läufe, die das Team im Rennen halten.

Die Aufgabe ist klar: gute Starts nutzen, unnötige Fehler vermeiden und auch dann weiterarbeiten, wenn die Spitze außer Reichweite liegt.

Zwischen Rang sieben und zehn dürfte es eng werden. Schweden kann in diesem Bereich Plätze gewinnen, ohne dafür einen der großen Favoriten im direkten Duell schlagen zu müssen.

10. Schweiz – Seewers MX2-Einsatz macht neugierig

MXGP: Valentin Guillod | MX2: Jeremy Seewer | Open: Kevin Brumann

Besonders interessant ist Seewer auf der 250er. Seine Erfahrung spricht für ihn; wie gut er sie unter diesen Bedingungen nutzen kann, wird ein wichtiger Teil der Schweizer Rechnung.

Guillod und Brumann müssen dafür die passenden Ergebnisse auf den großen Motorrädern liefern. Wenn das gelingt, ist mehr als Platz zehn möglich.

Außerhalb der Top Ten: Slowenien und Deutschland

Slowenien steht ohne Tim Gajser vor einer schwierigen Aufgabe. Jan Pancar, Jaka Peklaj und Lukas Osek müssen den fehlenden Spitzenfahrer gemeinsam auffangen. Für meine Top Ten reicht diese Besetzung zunächst nicht.

Auch Deutschland sehe ich mit Tom Koch, Valentin Kees und Noah Ludwig außerhalb der ersten zehn. Ein Platz darin wäre für mich ein starkes Ergebnis. Dafür müssen alle drei ihren Beitrag leisten – und die Mannschaft die Gelegenheiten nutzen, die ein MXoN fast immer bietet.