MXGP Südafrika: Was die Fahrer zwischen den Zeilen wirklich sagten

Start der MXGP Klasse bei einem Lauf zur Motocross Weltmeisterschaft 2026

Start der MXGP Klasse bei einem Lauf zur Motocross Weltmeisterschaft 2026

Der erste MXGP in Südafrika seit fast zwei Jahrzehnten war für viele Fahrer etwas Besonderes. In den Aussagen nach dem Rennwochenende ging es allerdings nicht nur um die Rückkehr auf den afrikanischen Kontinent. Zwischen den Zeilen wurde deutlich, wer derzeit Selbstvertrauen tankt, wer nach Lösungen sucht und wer die Meisterschaft immer stärker im Blick hat.

Lucas Coenen fährt in der MXGP-Klasse derzeit fehlerlos

Lucas Coenen hätte sein Wochenende kaum besser zusammenfassen können. „Besser als 1-1-1 geht nicht.“

Dabei sprach der Belgier weniger über seine Dominanz als über die Starts. Auf einer Strecke, auf der Überholen nur schwer möglich war, wusste Coenen genau, wie wichtig die ersten Meter waren. Wer vorne lag, hatte beste Karten.

Jeffrey Herlings musste sich zwar zweimal mit Rang zwei zufriedengeben, wirkte nach dem Wochenende aber keineswegs wie ein geschlagener Fahrer. Aus seiner Sicht entschieden nicht Geschwindigkeit oder Fitness über Sieg und Niederlage, sondern die Streckencharakteristik. Der Honda-Pilot machte deutlich, dass auf dem südafrikanischen Kurs kaum Platz für echte Angriffe blieb. Wer nach dem Start vorne war, konnte das Rennen weitgehend kontrollieren.

Zwischen den Zeilen wird deutlich: Herlings sieht sich weiterhin auf Augenhöhe mit Coenen. Der Abstand entsteht derzeit weniger durch das Tempo als durch Kleinigkeiten wie Starts, Streckenlayout und Renndynamik.

Febvre sieht sich im Dreikampf

Auch Romain Febvre ordnete das Kräfteverhältnis an der Spitze ein. „Wir drei haben uns inzwischen vom Rest des Feldes abgesetzt.“

Der Kawasaki-Pilot sprach dabei von sich selbst, Herlings und Coenen. Trotz Schmerzen nach einer Knieverletzung im ersten Lauf hielt er im zweiten Rennen lange den Druck von Herlings stand und zeigte sich überzeugt, den Anschluss an die beiden Titelrivalen gefunden zu haben.

Für Febvre zählt inzwischen nicht mehr nur ein Podium. Er möchte regelmäßig um Siege kämpfen.

Vlaanderen genießt sein Heimrennen

Für Calvin Vlaanderen war Südafrika weit mehr als ein normales MXGP-Rennwochenende. „Der Druck war riesig.“ Familie, Freunde und heimische Fans sorgten für eine besondere Atmosphäre. Dass ihm trotz dieser Erwartungen ein starkes Ergebnis gelang, scheint ihn fast mehr zu freuen als die Platzierung selbst.

Noch wichtiger ist jedoch ein anderer Satz. „Das Selbstvertrauen kommt zurück.“ Nach schwierigen Monaten spricht Vlaanderen inzwischen wieder über Fortschritte statt Probleme. Ducati scheint gemeinsam mit ihm eine Richtung gefunden zu haben.

Längenfelder klingt wieder wie ein Titelkandidat

Simon Längenfelder gehörte zu den Fahrern, die nach Südafrika deutlich zufriedener klangen als noch eine Woche zuvor. „Es ist gut, dass die Intensität und das Feuer zurück sind.“

Nach einigen eher selbstkritischen Wochen wirkte Längenfelder wieder deutlich positiver. Dass er bereits den Blick auf Foxhill richtete und sich neugierig auf die neue Strecke zeigte, unterstreicht diesen Eindruck zusätzlich. Die Unsicherheit der vergangenen Rennen scheint vorerst einer neuen Zuversicht gewichen zu sein.

Sacha Coenen denkt langfristig

Sacha Coenen sprach kaum über seine Platzierungen. Viel wichtiger war ihm ein anderer Punkt. „Ich bin bereit, jedes Wochenende zu kämpfen.“

Der Belgier bewertet sein Wochenende nicht danach, ob er gewonnen hat oder Zweiter geworden ist. Entscheidend ist für ihn, dass die Geschwindigkeit stimmt und er konstant vorne mitfahren kann. Genau diese Gelassenheit könnte im weiteren Saisonverlauf ein Vorteil werden.

Farres bestätigt seine Form

Portugal war kein Ausreißer. Genau das machte Guillem Farres in Südafrika deutlich. Der Triumph-Pilot sprach davon, den Schwung aus Agueda mitgenommen zu haben. Wieder waren es starke Starts und eine kontrollierte Fahrweise, die den Unterschied machten.

Zwischen den Zeilen wird deutlich: Farres sieht sich inzwischen als regelmäßigen Sieganwärter.

McLellan kennt sein Problem

Camden McLellan musste nach seinem Heimrennen nicht lange überlegen. „Ich muss endlich meine Starts in den Griff bekommen.“

Der Südafrikaner zweifelt weder an seiner Geschwindigkeit noch an seiner Fitness. Sein Problem liegt ausschließlich in den ersten Metern nach dem Start. Dass er dieses Thema selbst so deutlich anspricht, zeigt, woran das Team in den kommenden Wochen arbeiten dürfte.

Yamaha sucht Antworten

Bei Yamaha klangen die Aussagen deutlich unterschiedlich. Tim Gajser machte vor allem die Strecke verantwortlich. Wer nach dem Start festhing, hatte kaum Chancen auf Überholmanöver. Maxime Renaux ging deutlich weiter. „Ich habe einfach nichts mehr im Tank.“

Der Franzose wirkt momentan ratlos. Anders als noch vor wenigen Wochen spricht er nicht mehr nur von einem Virus, sondern davon, seine gewohnte Leistungsfähigkeit überhaupt nicht mehr zu erreichen. Die eigentliche Botschaft lautet: Das Problem ist noch längst nicht gelöst.

Reisulis sammelt weiter Selbstvertrauen

Janis Reisulis stand zum zweiten Mal in Folge auf dem Podium. Interessant war jedoch, welcher Moment ihm besonders in Erinnerung blieb. Nicht das Podium selbst, sondern das Duell mit Camden McLellan kurz vor Rennende. „Da kam plötzlich dieses Feuer.“

Dass er sich die Position direkt zurückholte und dadurch erneut aufs Podium fuhr, dürfte seinem Selbstvertrauen mindestens genauso viel geben wie das Ergebnis selbst.

Sein Bruder Karlis fiel dagegen deutlich selbstkritischer aus. Gute Starts allein reichen momentan nicht aus, wenn die Rennpace fehlt.

Die Top Ten sind Olivers neues Ziel

Oriol Oliver bestätigt seinen Aufwärtstrend. Nach dem Sturz im Qualifikationsrennen kämpfte sich der KTM-Pilot noch auf die Plätze zehn und neun nach vorne. Viel wichtiger als die Ergebnisse war für ihn jedoch die Erkenntnis, dass er auch von einer ungünstigen Startposition aus konkurrenzfähig sein kann.

Seine Aussagen zeigen, dass sich der Spanier auf der 450er immer wohler fühlt. Die Lernphase scheint langsam in die nächste Stufe zu gehen.

Ein Wochenende zum Durchatmen

Nach drei Grand Prix an drei aufeinanderfolgenden Wochenenden erwähnten auffallend viele Fahrer dieselbe Sache. Pause.

Ob Alberto Forato, Brent Van Doninck oder Liam Everts – überall war von Erholung die Rede. Die körperliche Belastung des Triple-Headers hat Spuren hinterlassen.

Die kurze Unterbrechung dürfte deshalb fast allen Teams gelegen kommen. Danach wartet mit dem MXGP of Great Britain in Foxhill bereits die nächste Herausforderung – und für viele Fahrer die Chance, die Aussagen aus Südafrika auf der Strecke zu bestätigen.

Die Ergebnisse des MXGP of South Africa findest Du hier