Jeffrey Herlings: „Die MXGP braucht mehr Möglichkeiten zum Überholen“
Jeffrey Herlings lobt zwar den Terra Topia MX Track, vermisste aber Überholmöglichkeiten. / Foto: Bavo Swijgers
Jeffrey Herlings stand beim MXGP of South Africa erneut auf dem Podium. Zwei zweite Plätze bedeuteten Rang zwei in der Tageswertung – zufrieden war der Honda-Pilot damit trotzdem nur bedingt. Nach dem Rennen sprach der Niederländer vor allem über ein Thema, das ihn schon länger beschäftigt: Das Überholen in der MXGP wird immer schwieriger.
Dabei überraschte Herlings zunächst mit einem großen Kompliment für den Terra Topia MX Track.
„Eine der schönsten Strecken des Jahres“
Der Niederländer zeigte sich begeistert von der neuen Strecke in Südafrika. „Ehrlich gesagt war das eine der schönsten Strecken, die wir in diesem Jahr gefahren sind.“ Trotzdem sah er einen entscheidenden Schwachpunkt. Die Strecke sei zwar breit angelegt und erinnere vom Layout an amerikanische Motocross-Kurse, im Rennen hätten sich aber kaum Möglichkeiten zum Überholen ergeben.
Gerade wenn zwei Fahrer ein ähnliches Tempo fahren, werde es fast unmöglich, noch einen Angriff zu setzen.
Der Blick geht nach Amerika
Um seine Kritik zu verdeutlichen, zog Herlings den Vergleich zur AMA Pro Motocross Championship. Als Beispiel nannte er RedBud. Dort gebe es in fast jeder Kurve zahlreiche Linien, sodass Überholmanöver deutlich einfacher seien. „In RedBud kannst du fast überall innen oder außen angreifen. Hier war das deutlich schwieriger.“
Aus seiner Sicht müsse man bei europäischen Strecken künftig stärker darauf achten, mehrere Fahrspuren entstehen zu lassen. Besonders auf Anlagen mit viel Platz, wie in Südafrika, sei dafür genügend Potenzial vorhanden.
Starts entscheiden inzwischen zu viel
Dass Lucas Coenen beide Wertungsläufe gewann, führte Herlings deshalb nicht allein auf dessen Geschwindigkeit zurück. Der Schlüssel lag für ihn am Start.
Während Coenen beide Rennen vom Holeshot aus kontrollieren konnte, musste sich Herlings jeweils aus dem Bereich um Platz fünf nach vorne arbeiten. „Wenn ich zweimal den Holeshot gehabt hätte und Lucas zweimal von Platz fünf hätte starten müssen, wäre das Ergebnis vielleicht genau andersherum ausgegangen.“
Am Tempo habe es aus seiner Sicht nicht gelegen. „Ich glaube, wir waren ziemlich gleich schnell.“ Gerade deshalb sei es so entscheidend geworden, möglichst als Erster aus der ersten Kurve zu kommen.
Honda sammelt noch Erfahrungen
Ein weiteres Thema war die Höhe von Johannesburg. Für Honda war das Neuland. Herlings erklärte, dass er aus seiner KTM-Zeit genau wusste, welche Übersetzung und welche Abstimmung unter solchen Bedingungen funktionieren. Mit der Honda fehlten diese Erfahrungswerte noch.
„Mit KTM hatte ich über Jahre Daten gesammelt. Mit der Honda mussten wir vieles ausprobieren.“ Trotzdem funktionierte das Motorrad insgesamt gut. Lediglich bei den Starts sieht Herlings noch Luft nach oben.
Zwei Schreckmomente
Ganz ohne Herzklopfen verlief das Wochenende ebenfalls nicht. Im ersten Lauf rutschte ihm bei der Jagd auf Lucas Coenen plötzlich das Hinterrad weg. Einen heftigen Highsider konnte er gerade noch verhindern.
Noch spektakulärer wurde es im zweiten Rennen. Nach einem aggressiven Scrub geriet das Motorrad erneut aus der Balance. „Ich habe den Boden schon auf mich zukommen sehen. Ehrlich gesagt weiß ich nicht, wie ich das noch retten konnte.“
Nach dieser Szene beschloss der Niederländer, nichts mehr zu riskieren. „Da war mein Glück für diesen Tag wohl aufgebraucht.“
Platz zwei mit gemischten Gefühlen
Unterm Strich nahm Herlings zwei zweite Plätze und wichtige WM-Punkte mit nach Hause. Gleichzeitig hatte er aber das Gefühl, dass an diesem Wochenende sogar noch mehr möglich gewesen wäre. Für ihn steht deshalb weniger das Ergebnis im Vordergrund als eine grundsätzliche Entwicklung im Motocross.
Wenn die Fahrer an der Spitze auf einem ähnlichen Niveau unterwegs sind, dürfen Rennen seiner Meinung nach nicht schon nach der ersten Kurve entschieden sein. Mehr Linien, mehr Überholmöglichkeiten und weniger Abhängigkeit vom Start – genau das würde der MXGP aus Sicht des fünffachen Weltmeisters guttun.
