Lucas Coenen: Verletzung wirft den Belgier zurück

Lucas Coenen im Gespräch mit Vater Rafael

Lucas Coenen im Gespräch mit Vater Rafael

Innerhalb von nur acht Tagen hat sich die Situation für Lucas Coenen komplett verändert. Nach seinem heftigen Sturz beim AMA-Pro-Motocross in Southwick folgte am vergangenen Wochenende in Foxhill der nächste Rückschlag. Statt den Vorsprung in der MXGP-Weltmeisterschaft auszubauen, kämpft der Red Bull KTM-Werksfahrer nun gegen die Zeit – und um sein Red Plate.

Der entscheidende Moment in Foxhill

Das Unheil nahm bereits im Qualifikationsrennen am Samstag seinen Lauf. Direkt nach dem Start kollidierte Coenen auf einem Sprung mit Maxime Renaux. Beide Fahrer kamen zu Fall, für den Belgier war das Wochenende damit praktisch schon früh überschattet.

Trotz der Blessuren stellte sich der WM-Führende am Sonntag an das Startgatter. Doch sowohl im ersten als auch im zweiten Lauf musste er das Rennen vorzeitig beenden. Die Schmerzen im Bein waren schlicht zu groß.

„Zum Wochenende gibt es nicht viel zu sagen. Am Samstag hatte ich Pech bei der Kollision mit Maxime Renaux. Ich habe mir das Bein verletzt, und danach war es für mich so gut wie unmöglich, weiterzufahren. Wir können nicht viel tun, aber wir werden es in Loket erneut versuchen.“, erklärte Coenen nach dem Grand Prix.

Aus 68 Punkten werden elf

Sportlich hätte das Wochenende kaum schlechter laufen können. Mit einem komfortablen Vorsprung von 68 Punkten auf Jeffrey Herlings war Coenen nach Großbritannien gereist. Während der Belgier kaum Zähler sammelte, nutzte Herlings die Gelegenheit konsequent aus, gewann beide Läufe und verkürzte den Rückstand auf nur noch elf Punkte.

Dabei hatte Coenen die Situation in den vergangenen Wochen eigentlich fest im Griff. Seit Trentino war es ihm gelungen, Rennen für Rennen Punkte auf den Honda-Werksfahrer gutzumachen und sich ein beruhigendes Polster aufzubauen. Foxhill hat diese Ausgangslage innerhalb weniger Stunden komplett verändert.

Verletzung sorgt für Zeitdruck

Offiziell hat KTM bislang keine Diagnose veröffentlicht. Aus dem Fahrerlager ist jedoch zu hören, dass sich Coenen einen Muskelfaserriss im linken Adduktorenbereich zugezogen haben soll. Außerdem soll auch sein linker Knöchel erneut in Mitleidenschaft gezogen worden sein.

Viel Zeit zur Erholung bleibt allerdings nicht. Bereits am kommenden Wochenende gastiert die MXGP in Loket, nur eine Woche später folgt mit Lommel eines der körperlich anspruchsvollsten Rennen des Jahres.

Hatte Southwick Auswirkungen?

Nach dem Sturz in Southwick gab es im Fahrerlager Stimmen, die vermuteten, Lucas Coenen sei in Foxhill nicht mit seinem sonst so ausgeprägten Selbstvertrauen unterwegs gewesen. Der heftige Einschlag in den USA habe möglicherweise Spuren hinterlassen und könnte seinen Fahrstil beeinflusst haben.

Diese Theorie lässt sich allerdings weder belegen noch widerlegen. Mindestens genauso naheliegend ist eine deutlich einfachere Erklärung: Der Zwischenfall mit Maxime Renaux war ein klassischer Rennunfall, wie er im Motocross jederzeit passieren kann. Zwei Fahrer treffen sich unmittelbar nach dem Start auf einem Sprung – Situationen dieser Art gehören leider zum Sport und passieren auch ohne Vorgeschichte immer wieder.

Den Sturz deshalb unmittelbar mit dem USA-Ausflug in Verbindung zu bringen, erscheint zumindest zum jetzigen Zeitpunkt spekulativ. Entscheidend ist vielmehr, wie schnell Coenen seine Verletzungen auskurieren kann.

Wettlauf gegen die Zeit

Für Lucas Coenen beginnt nun ein Rennen gegen die Uhr. Sollte sich der Verdacht auf einen Muskelfaserriss bestätigen, wird jeder Tag bis zum Grand Prix in Loket wichtig sein. Der Belgier hält die Red Plate zwar weiterhin in seinen Händen – doch aus einem komfortablen Vorsprung ist innerhalb eines Wochenendes ein offener Titelkampf geworden.