KTM: Neben Joel Smets soll auch Valentina Ragni gehen

Joel Smets könnte nicht nur seinen Job als KTM Factory Racing Teammanager verloren haben

Joel Smets könnte nicht nur seinen Job als KTM Factory Racing Teammanager verloren haben. / Foto: Ray Archer

Hat die enttäuschende WM-Saison 2026 Joel Smets seinen Posten gekostet? Verschiedene Quellen bestätigten, dass der fünffache Weltmeister seine Führungsaufgabe bei KTM verloren haben soll. Doch offenbar steht eine weitere personelle Veränderung bevor: Auch die langjährige Teamkoordinatorin Valentina Ragni soll den österreichischen Hersteller verlassen. Eine offizielle Bestätigung für die beiden Personalien steht bislang aus.

Während die Zukunft von Smets und Ragni ungewiss erscheint, soll sich ein anderer ehemaliger Grand-Prix-Pilot seinen Platz in der KTM-Struktur gesichert haben. Marc de Reuver wird dem Vernehmen nach weiterhin als Coach tätig sein und künftig sowohl die Reisulis-Brüder als auch Simon Längenfelder betreuen.

Smets nach nur zwei Jahren vor dem Aus?

Erst im Oktober 2024 hatte KTM Joel Smets als Nachfolger von Harry Norton vorgestellt. Ab der Saison 2025 sollte der Belgier das Red Bull KTM Factory Racing Team führen. Damals setzte der Hersteller ausdrücklich auf seine Erfahrung, seine Kenntnis der Mannschaft und seine Fähigkeit, junge Fahrer weiterzuentwickeln.

Nun soll diese Aufgabe bereits wieder beendet sein. Offen bleibt allerdings, ob Smets lediglich seinen Posten als Team Manager verliert oder seine Zusammenarbeit mit KTM vollständig endet. Auch über die Gründe einer möglichen Ablösung ist bislang nichts offiziell bekannt.

Sportlich blieb KTM 2026 hinter den eigenen Erwartungen zurück. Simon Längenfelder ging als MX2-Weltmeister von 2025 in die Saison, beendete seine Titelverteidigung jedoch nur auf Rang fünf. Für einen Hersteller, dessen Werkseinsatz auf den Gewinn von Weltmeisterschaften ausgerichtet ist, war das eine Enttäuschung.

Auch bei Sacha und Lucas Coenen erfüllten sich die Titelhoffnungen nicht. Verletzungen zur Saisonmitte nahmen beiden die Möglichkeit, bis zum Schluss um die Meisterschaften zu kämpfen. Damit blieben gleich mehrere Titel aus, die angesichts des Fahreraufgebots durchaus erreichbar erschienen.

Ob diese Bilanz tatsächlich eine Rolle bei der möglichen Ablösung von Smets spielte, ist allerdings nicht bekannt. Zudem müssen die Zuständigkeiten innerhalb der KTM-Werksstruktur berücksichtigt werden. Längenfelder und Andrea Adamo fuhren 2026 in der von Smets geführten Mannschaft, während die Coenen-Brüder zur italienischen De-Carli-Struktur gehörten.

Smets selbst hatte Längenfelders fünften WM-Platz zum Saisonende deutlich unter den Erwartungen eingeordnet. Adamos fünften Rang in dessen erster MXGP-Saison bewertete er dagegen positiver. Die beiden Ergebnisse waren aus sportlicher Sicht trotz identischer Platzierung unterschiedlich zu beurteilen.

Valentina Ragni: Mehr als zwei Jahrzehnte bei KTM

Noch überraschender wäre der mögliche Abschied von Valentina Ragni. Die Italienerin gehört seit 2003 zur KTM-Motocross-Abteilung und ist damit seit mehr als zwei Jahrzehnten eine feste Größe im Grand-Prix-Fahrerlager.

Als Team Coordinator war Ragni für einen großen Teil der organisatorischen Abläufe verantwortlich. Reiseplanungen, Hotels, Mietwagen, Fahrermeldungen, Medientermine und die Koordination während der Rennwochenenden gehörten zu ihrem Aufgabenbereich. Gleichzeitig war sie eine wichtige Ansprechpartnerin für die Fahrer, weit über rein organisatorische Fragen hinaus.

Ihre Verbindung zum Motocross begann bereits in ihrer Kindheit im italienischen Cingoli. Über Aufgaben beim italienischen Motorsportverband und eine Tätigkeit im Straßenrennsport kam sie schließlich zu KTM. Ende 2002 erhielt sie das Angebot, in die Motocross-Abteilung nach Österreich zu wechseln. Anfang 2003 trat sie ihre neue Stelle an.

Damals gehörten unter anderem Joel Smets, Pit Beirer, James Dobb und Yves Demaria zum österreichischen Aufgebot. Auf der anderen Seite der damaligen KTM-Struktur fuhren Fahrer wie Ben Townley, Steve Ramon und Marc de Reuver. Ragni hat damit nicht nur zahlreiche Weltmeister kommen und gehen sehen, sondern auch mehrere Generationen von Teamchefs erlebt.

In einem ausführlichen Interview mit GateDrop sprach sie über ihre Zusammenarbeit mit Dirk Gruebel, Antonio Cairoli, Harry Norton und Joel Smets. Dabei machte sie deutlich, wie wichtig Erfahrung und gegenseitiges Vertrauen für die Arbeit innerhalb eines Werksteams sind.

Besonders bemerkenswert ist ihre damalige Einschätzung häufiger Führungswechsel. Ragni vertrat die Ansicht, dass neue Teammanager ausreichend Zeit benötigen, um in ihre Aufgaben hineinzuwachsen. Aus ihrer Sicht fehlte es bei manchen personellen Entscheidungen an Geduld.

Auch ihre persönliche Bindung an KTM beschrieb sie als außergewöhnlich eng. Obwohl sie im Laufe der Jahre Angebote anderer Mannschaften erhalten hatte, sah sie keinen Anlass für einen Wechsel. Solange ihr die Arbeit im Fahrerlager Freude bereite, wollte sie weitermachen.

Sollte Ragni KTM nun tatsächlich verlassen, würde der Hersteller nicht nur eine langjährige Mitarbeiterin verlieren, sondern auch einen erheblichen Teil seiner organisatorischen Erfahrung und gewachsenen Beziehungen innerhalb des Fahrerlagers.

Marc de Reuver platziert sich im KTM Team

Während bei Smets und Ragni vieles auf einen Abschied hindeutet, soll Marc de Reuver eine wichtige Rolle in der sportlichen Betreuung übernehmen.

Der frühere Grand-Prix-Pilot arbeitete bereits in der Saison 2026 mit Simon Längenfelder zusammen. Diese Zusammenarbeit soll fortgesetzt werden. Zusätzlich ist offenbar vorgesehen, dass de Reuver künftig die Reisulis-Brüder Janis und Karlis betreut.

Das wäre insbesondere vor dem Hintergrund der erwarteten Veränderungen im KTM-Fahreraufgebot interessant. Janis Reisulis wird mit einem Wechsel in die österreichische MX2-Werksmannschaft in Verbindung gebracht, während sein Bruder Karlis als möglicher Fahrer einer werksunterstützten KTM in der MXGP gilt. Offiziell bestätigt sind diese Konstellationen bislang nicht.

De Reuver würde damit eine wichtige Verbindung zwischen den jungen Fahrern und der sportlichen Entwicklung innerhalb der KTM-Struktur bilden. Seine eigene Vergangenheit mit der Marke reicht weit zurück: Bereits 2003 gehörte er als aktiver Fahrer zum damaligen KTM-Aufgebot.

Wie tiefgreifend wird der Umbau bei KTM?

Mit Smets und Ragni könnten zwei Personen gehen, deren Aufgaben kaum unterschiedlicher waren. Während Smets für die sportliche Führung und Fahrerentwicklung verantwortlich war, hielt Ragni über viele Jahre wesentliche organisatorische Abläufe zusammen.

Dass KTM nach einer Saison ohne die erhofften WM-Titel Veränderungen prüft, wäre grundsätzlich nachvollziehbar. Ob die mutmaßlichen Personalentscheidungen tatsächlich eine Reaktion auf die Ergebnisse von 2026 sind oder wie laut unseren Quellen vermutet, Budgetanpassungen der wahre Grund sind, bleibt jedoch offen.

Fest steht bislang nur, dass die Informationen über die möglichen Abschiede von Joel Smets und Valentina Ragni sowie die künftige Rolle von Marc de Reuver noch nicht offiziell bestätigt wurden. Eine Stellungnahme von KTM steht aus.