Kove vor dem Einstieg: Neues Werksteam nimmt Form an
Der Kove Factory Racing Workshop. / Foto: Steensels
Im MXGP-Paddock kursieren seit Wochen erste Hinweise, jetzt verdichten sich die Informationen zu einem klareren Bild: Die Marke Kove arbeitet an einem eigenen Werksteam – und das Projekt ist deutlich weiter, als es von außen bislang wirkte. Aus Gesprächen mit dem Umfeld wird deutlich, dass es sich nicht um lose Gedankenspiele handelt, sondern um eine strukturierte Aufbauphase mit konkretem Zeitplan.
Ins Leben gerufen wurde das Team von Tom Steensels, der nach Jahren im etablierten Umfeld bewusst den Schritt in ein komplett neues Projekt gegangen ist.
Klare Roadmap bis in die MX2-Klasse
Die strategische Ausrichtung ist dabei klar umrissen. 2026 steht im Zeichen von Tests und Entwicklung, 2027 soll der Einstieg in die EMX250 erfolgen. Perspektivisch ist für 2028 der Schritt in die MX2-Klasse vorgesehen – allerdings mit einem entscheidenden Vorbehalt: Der Zeitpunkt hängt maßgeblich vom Entwicklungsstand des Motorrads ab.
Gerade dieser Punkt zeigt, wie das Projekt intern bewertet wird. Es geht nicht um einen schnellen Markteintritt um jeden Preis, sondern um eine sportlich belastbare Basis. Der EMX250-Einstieg gilt dabei als logischer Zwischenschritt, um Strukturen, Material und Abläufe unter Wettbewerbsbedingungen zu prüfen.
Entwicklung läuft bereits auf Hochtouren
Dass diese Phase längst begonnen hat, zeigen die in Kürze anstehenden Tests. Intern wird der Fortschritt des Projekts bereits als „ziemlich weit“ beschrieben – eine Einschätzung, die darauf hindeutet, dass zentrale Bausteine wie Bike, Teamstruktur und technische Abläufe zumindest im Grundsatz stehen.
Auch ein möglicher erster Renneinsatz noch in der Saison 2026 ist kein ausgeschlossenes Szenario. Aktuell wird darüber nachgedacht, gegen Ende des Jahres ausgewählte Einsätze unter Rennbedingungen zu fahren. Ein klassischer Ansatz, um die Lücke zwischen Testbetrieb und realem Wettbewerb zu schließen.
250R als Basis – Potenzial vorhanden, Arbeit bleibt
Technisch baut das Projekt auf der neuen Kove 250R auf, die wir kürzlich testen durften. Das Motorrad wird als „sehr gut out of the box“ beschrieben – eine Einschätzung, die zunächst für die Basis spricht. Gleichzeitig wird aber kein Hehl daraus gemacht, dass noch umfangreiche Entwicklungsarbeit notwendig ist.
Genau hier liegt einer der entscheidenden Faktoren für den weiteren Verlauf. Denn der Schritt vom soliden Serienmotorrad zum konkurrenzfähigen EMX250-Bike ist erfahrungsgemäß groß. Fahrwerk, Motorabstimmung, Haltbarkeit unter Renndistanz – all das sind Themen, die erst im intensiven Testprogramm ihre echte Belastungsprobe erfahren.
Enge Anbindung an das Werk in China
Ein zentraler Unterschied zu vielen anderen Projekten liegt in der direkten Anbindung an den Hersteller. Kove stellt nicht nur Ressourcen zur Verfügung, sondern ist eng in den Entwicklungsprozess eingebunden. Das Team arbeitet im direkten Austausch mit der Racing- und R&D-Abteilung des Werks in China.
Diese Struktur kann sich als entscheidender Vorteil erweisen. Kurze Wege, schnelle Rückmeldungen und unmittelbarer Zugriff auf technische Anpassungen sind im internationalen Wettbewerb ein nicht zu unterschätzender Faktor – gerade in einer frühen Projektphase, in der Lernkurven möglichst steil verlaufen müssen.
Neustart nach KTM: Projekt statt Sicherheit
Nach vielen Jahren im KTM-Umfeld ist der Schritt für Steensels alles andere als selbstverständlich. Die Entscheidung wirkt weniger wie ein klassischer Karriereschritt, sondern vielmehr wie ein bewusst gewählter Perspektivwechsel.
Der Reiz liegt offenbar genau darin: ein Projekt von Grund auf mitzugestalten, statt in bestehenden Strukturen zu funktionieren. Aktuell sind sportliche Zielsetzungen bewusst offen gehalten. Der Fokus liegt klar auf dem Aufbau – Strukturen schaffen, das Motorrad entwickeln, Erfahrungen sammeln.
Zwischen Aufbruch und Realitätstest
Mit einer Eintrittswahrscheinlichkeit von „99 Prozent“ für den EMX250-Start 2027 ist die Richtung klar. Gleichzeitig bleibt die entscheidende Phase noch vor dem Projekt. Die kommenden Monate – Tests, mögliche Renneinsätze, erste Vergleichsdaten – werden darüber entscheiden, wie konkurrenzfähig Kove beim geplanten Einstieg tatsächlich ist.
Was sich aber jetzt schon festhalten lässt: Dieses Projekt ist kein Gerücht mehr. Es ist ein Vorhaben mit Struktur, Zeitplan und direkter Werksanbindung. Und genau das macht es spannend – weil es nicht nur um einen weiteren Namen im Fahrerlager geht, sondern um die Frage, wie schnell ein neuer Hersteller den Anschluss an die europäische Spitze finden kann.
