Koch und Haberland wechseln zu ERC Kawasaki
Die ERC Kawasaki von Tom Koch. / Foto: Uwe Reinhardt
Holt Uwe Reinhardt mit ERC Kawasaki ein Stück MXGP ins Fahrerlager der ADAC MX Masters? Was der Teamchef gestern präsentierte, lässt zumindest erkennen, in welche Richtung seine Planungen für 2027 gehen. Neben den Bikes für die kommende Saison gab es gleich zwei Personalentscheidungen zu bestätigen. Tom Koch und Paul Haberland werden künftig für ERC Kawasaki antreten. Und auch abseits der Rennstrecke hat Reinhardt einiges vor.
Die Verpflichtung der beiden deutschen Piloten war bereits seit einiger Zeit ein Thema, über das wir berichtet hatten. Nun machte Reinhardt die Sache offiziell – allerdings nicht mit einer klassischen Pressemitteilung, sondern über die Präsentation der neuen Motorräder auf seinem privaten Instagram-Account. Auf den beiden Kawasaki waren bereits die Startnummern von Koch und Haberland angebracht.
Dass Reinhardt auf Kawasaki setzt, kommt nicht überraschend. Der Teamchef fühlt sich der japanischen Marke verbunden, mit der er auch diverse Straßensport-Rennen bestreitet. Mit Koch und Haberland hat er nun zwei Fahrer verpflichtet, die das Geschehen in den ADAC MX Masters bestens kennen und darüber hinaus internationale Erfahrung mitbringen.
Vor allem für Koch wird der Wechsel technisch eine Umstellung. Nach seiner Saison auf KTM beim Sarholz Racing Team sitzt er erstmals seit vielen Jahren wieder auf einem japanischen Motorrad.
„Ich freue mich auf ein neues Abenteuer. Ich bin zuletzt 2016 Suzuki gefahren und seitdem keinen Japaner mehr. Deshalb bin ich echt gespannt, wie sich so ein Motorrad fahren lässt. Gerade im Vergleich zu den Stahlrahmen, aber auch von der Geometrie her und wie das Ganze für mich passt“, erklärt Koch.
Ein nachvollziehbarer Gedanke. Wer über Jahre auf europäischen Motorrädern mit Stahlrahmen unterwegs war, wird beim Wechsel auf das Aluminiumchassis der Kawasaki Unterschiede feststellen. Wie groß diese ausfallen und welche Anpassungen notwendig werden, müssen die ersten Tests zeigen.
Koch geht die Sache jedenfalls mit Vorfreude an. „Ich bin guter Dinge und freue mich auf das, was kommt.“
Auch Paul Haberland bringt reichlich Erfahrung in das neue Projekt ein. Gemeinsam mit Koch bildet er ein Fahrerduo, das Reinhardt eine solide sportliche Grundlage für seine Pläne bietet. Beide kennen die Anforderungen der Masters und wissen, worauf es bei der Vorbereitung eines Rennwochenendes ankommt.
Koch plant Masters, MXGP und Strand-WM
Das gemeinsame Programm von Koch und ERC Kawasaki soll sich nicht ausschließlich auf die ADAC MX Masters beschränken. Auch einzelne MXGP-Läufe stehen auf seiner Wunschliste. Dazu kommt ein Vorhaben, das selbst für einen erfahrenen Piloten wie Tom Koch Neuland bedeutet: Er möchte noch in die laufende FIM Sand Races Weltmeisterschaft einsteigen.
„Wir wollen die letzten Läufe der Strand-WM noch angreifen. Das ist etwas komplett Neues für mich. Wahrscheinlich gehe ich da ein bisschen blind rein, ohne große spezifische Vorbereitung. Ich lasse das einfach auf mich zukommen und schaue, was am Ende herauskommt.“
Dass Koch sich auf dieses Abenteuer einlassen möchte, passt durchaus zu seinem Wechsel. Neue Mannschaft, neues Motorrad und dazu eine Disziplin, in der er bislang keine vergleichbare Rennerfahrung gesammelt hat.
Für 2027 liegt sein sportlicher Schwerpunkt aber weiterhin auf den ADAC MX Masters und ausgewählten WM-Einsätzen. „Wir haben einen guten Deal zusammenbekommen und wollen nächstes Jahr gemeinsam Gas geben. Vor allem wieder bei den Masters und bei ein paar WM-Läufen. Ich freue mich auf die neue Reise“, sagt Koch.
Dabei ist ihm wichtig, dass sein Abschied von Sarholz nicht als Bruch verstanden wird. Nach einem Jahr mit Höhen und Tiefen zieht er eine insgesamt positive Bilanz. „Ich bin dankbar für das Jahr bei Sarholz. Wir haben nach wie vor einen guten Draht und konnten alles vernünftig klären. Es war nicht immer ganz einfach, aber rückblickend hatten wir ein solides Jahr und einen guten gemeinsamen Abschluss.“
Ein zweiter Truck nur für die Hospitality
Während die Fahrerbesetzung nun feststeht, arbeitet Uwe Reinhardt offenbar auch an einem Fahrerlager-Konzept, das man in dieser Form eher aus der MXGP kennt.
Der erste Truck soll den technischen Mittelpunkt des Teams bilden. Hier finden die Mechaniker ihre Arbeitsplätze, während gleichzeitig genügend Raum für die beiden Kawasaki und das benötigte Material vorgesehen ist.
Bis hierhin unterscheidet sich die Planung nicht grundsätzlich von dem, was man bei größeren Teams der ADAC MX Masters gewohnt ist.
Doch Reinhardt möchte einen Schritt weitergehen.
Zusätzlich zum Renntruck plant er einen zweiten Auflieger, der ausschließlich als Hospitality dienen soll. Die technische Arbeit und die Betreuung von Fahrern, Sponsoren und Gästen würden damit räumlich voneinander getrennt.
Wer schon einmal durch das MXGP-Paddock gelaufen ist, kennt dieses Konzept. Gerade die großen Werksteams betreiben einen erheblichen Aufwand, um ihren Fahrern und Mitarbeitern möglichst gute Arbeitsbedingungen zu bieten. Gleichzeitig schaffen sie mit ihren Hospitality-Bereichen einen entsprechenden Rahmen für Sponsoren und Gäste.
Ein Beispiel ist das Yamaha-Werksteam, das seine technische Infrastruktur und die Hospitality ebenfalls auf unterschiedliche Einheiten verteilt.
In den ADAC MX Masters ist eine solche Trennung dagegen keineswegs selbstverständlich. Selbst größere Mannschaften müssen ihre verfügbare Fläche häufig so organisieren, dass Werkstatt, Ersatzteillager und Aufenthaltsbereich möglichst platzsparend untergebracht werden.
Mit einem eigenen Hospitality-Truck könnte ERC Kawasaki diese Bereiche konsequenter voneinander trennen.
Für die Mechaniker bedeutet das vor allem mehr Ruhe bei der Arbeit. Wer während eines Rennwochenendes schon einmal versucht hat, zwischen Motorrädern, Werkzeugwagen und Besuchern einen Motor zu wechseln, weiß, dass zusätzliche Bewegungsfreiheit durchaus willkommen ist.
Auch für die Fahrer kann eine getrennte Hospitality Vorteile haben. Sie bietet einen Rückzugsort abseits der Arbeiten an den Motorrädern, während Sponsoren und Gäste empfangen werden können, ohne den technischen Ablauf zu stören.
Natürlich ist ein solches Konzept mit zusätzlichem logistischem Aufwand verbunden. Zwei Trucks müssen transportiert, aufgebaut und betrieben werden. Doch Reinhardt scheint bereit zu sein, genau diesen Weg zu gehen.
Welche Dimensionen nimmt ERC Kawasaki 2027 an?
Mit der Präsentation der beiden Motorräder wird allmählich deutlich, dass Reinhardt für die kommende Saison mehr vorbereitet als einen gewöhnlichen Fahrerwechsel.
Koch und Haberland bringen die sportliche Erfahrung mit. Kawasaki bildet die technische Grundlage, und mit der geplanten Infrastruktur möchte der Teamchef auch organisatorisch eine Mannschaft aufstellen, die sich an Strukturen aus der Weltmeisterschaft orientiert.
Dabei geht es nicht allein um die äußere Erscheinung. Eine klar organisierte Teamstruktur kann den Arbeitsalltag erleichtern und schafft gleichzeitig Möglichkeiten, Partner und Sponsoren entsprechend zu betreuen.
Ob Reinhardt damit tatsächlich neue Maßstäbe im Fahrerlager der ADAC MX Masters setzen wird, hängt davon ab, wie das fertige Konzept aussieht. Die bisherigen Pläne lassen jedenfalls einen Auftritt erwarten, der sich von vielen anderen Mannschaften unterscheiden dürfte.
Sportlich bleibt zunächst die Frage, wie schnell Koch und Haberland mit den Kawasaki zurechtkommen. Gerade Koch hat nach seinen Jahren auf europäischen Motorrädern selbst angesprochen, dass er auf die Unterschiede bei Chassis und Geometrie gespannt ist.
Für Reinhardt dürfte deshalb in den kommenden Monaten nicht nur die Fertigstellung seiner neuen Teamstruktur auf dem Programm stehen. Auch auf der Strecke wartet reichlich Arbeit, um beide Fahrer mit einem konkurrenzfähigen Paket in die Saison 2027 zu schicken.
Und während die Vorbereitungen für die ADAC MX Masters anlaufen, möchte Koch mit den ersten Strand-WM-Einsätzen bereits das nächste Abenteuer auf seiner neuen Kawasaki beginnen.
