Ken Roczen. Glendale. Gänsehaut.
Ken Roczen feiert in Glendale ersten Sieg der Sasion 2026. / Foto: Feld Entertainment - Align Media
Der fünfte Lauf der AMA Supercross Saison 2026 in Glendale wurde für Ken Roczen zu einem der rundesten Auftritte des Jahres. Im State Farm Stadium präsentierte sich der Suzuki-Pilot abgeklärt und kontrolliert – weit über das Ergebnis hinaus.
Ein Rennen mit Widerständen – und der perfekten Antwort
Der Start ins 450SX Main Event lief nicht ideal. Roczen kam gut aus dem Gatter, wurde in der ersten Kurve jedoch ausgebremst – Momentum weg, Holeshot futsch. „Ich wusste ehrlich gesagt, dass es dort eng werden würde. Vince (Friese) hat mich geschnitten, dadurch war der Schwung erstmal weg“, erklärte Roczen später. Doch statt hektisch zu reagieren, blieb der Suzuki-Pilot ruhig. Schritt für Schritt arbeitete er sich nach vorne, setzte Hunter Lawrence unter Druck und übernahm schließlich die Führung.
Was folgte, war kein wildes Wegfahren, sondern Kontrolle pur. Die Strecke war schnell, kantig, mit hohen Sprüngen und wenig Raum für Fehler. „Es war extrem schwer, überhaupt eine Lücke aufzubauen. Die Strecke war super schnell, alles war hoch gebaut und sehr technisch“, sagte Roczen. Genau hier zeigte er seine Klasse: konstante Runden, saubere Linien, kein unnötiges Risiko. Der Vorsprung pendelte sich bei gut drei Sekunden ein – genug, um zu atmen, aber nicht so viel, dass Nachlässigkeit erlaubt gewesen wäre.
Nach 20 Minuten plus einer Runde war es soweit: Sieg Nummer 24 in der AMA-Karriere. Der vierte unterschiedliche Sieger in nur fünf Saisonrennen. „Unreal. Jeder einzelne dieser Siege fühlt sich mittlerweile besonders an“, so Roczen. Ein deutliches Zeichen, wie offen – und gleichzeitig gnadenlos – diese frühe Phase der Meisterschaft ist.
Mehr als ein Sieg
Doch Glendale war für Roczen mehr als nur ein weiterer Eintrag in der Statistik. Bereits vor dem Wochenende hatte sein Team eine Nachricht veröffentlicht, die dem Abend eine besondere emotionale Ebene verlieh: Teammanager Larry Brooks – eine der prägendsten Figuren der AMA-Pits seit Jahrzehnten – wurde mit Darmkrebs im Stadium 2 diagnostiziert.
Brooks, der einst Legenden wie Jeremy McGrath, Chad Reed und James Stewart managte, befindet sich aktuell in Behandlung und kann die Rennen nicht vor Ort begleiten. Roczen ließ nach dem Ziel keinen Zweifel daran, wem dieser Sieg gehörte. „Ich möchte diesen Sieg ganz bewusst Larry widmen. Er konnte die letzten Rennen nicht hier sein, und das tut uns allen im Team weh“, erklärte der Deutsche. „Wir sprechen jeden Tag miteinander. Auch wenn er nicht an der Strecke ist – er ist immer dabei. Dieser Sieg ist für ihn.“
Emotionen auf dem Podium
Besonders stark: Roczen feierte den Sieg gemeinsam mit seinen Kindern auf dem Podium. Ein Moment, der dem Abend zusätzliche Bedeutung verlieh. „Das sind die Augenblicke, die alles zusammenbringen“, sagte er. Familie, Erfahrung, Haltung – und ein Fahrer, der genau weiß, warum er diesen Sport noch immer auf höchstem Niveau betreibt.
Fünf Siege im State Farm Stadium sprechen ohnehin eine klare Sprache. „Arizona ich liebe euch“, sagte Roczen mit einem Lächeln. Selten jedoch hatte ein Sieg hier so viel Gewicht wie dieser.
Ein Statement im Titelkampf
Sportlich war der Abend ebenfalls von Bedeutung. Während Eli Tomac nach einem frühen Crash nicht über Platz zwölf hinauskam, übernahm Hunter Lawrence die Führung in der Meisterschaft. Roczen rückte mit seinem Sieg bis auf fünf Punkte an die Spitze heran – leise, kontrolliert und ohne große Gesten. Genau so, wie dieser Abend insgesamt war.
