Larry Brooks: Der umstrittene Strippenzieher hinter Roczens Meisterstück

Larry Brooks ist der Mann hinter dem Titelgewinn von Ken Roczen

Larry Brooks ist der Mann hinter dem Titelgewinn von Ken Roczen

Am vergangenen Wochenende gewann Ken Roczen endlich seinen ersten Titel in der 450SX-Klasse der AMA Supercross Championship. Eine Meisterschaft, die sich über Monate aufgebaut hatte. Mit Druck. Rückschlägen. Zweifelphasen. Und mit einem Team, das über die gesamte Saison hinweg fast wie eine kleine Gegenbewegung zu den großen Factory-Strukturen wirkte. Mitten in dieser Geschichte steht plötzlich wieder ein Name, den viele im Fahrerlager längst abgeschrieben hatten: Larry Brooks.

Für ältere Supercross-Fans ist Brooks keine unbekannte Figur. Anfang der 2000er gehörte er zu den prägendsten Teammanagern der amerikanischen Szene. Laut, direkt, kompromisslos – und nie weit entfernt von Diskussionen oder Kontroversen. Brooks war keiner dieser ruhigen Funktionäre im Hintergrund. Er lebte Racing extrem. Teilweise wahrscheinlich zu extrem.

Die große Zeit mit Stewart und L&M Yamaha

Seine bekannteste Phase erlebte Brooks während der L&M- beziehungsweise San Manuel Yamaha-Ära mit James Stewart. Gemeinsam mit Mike Kranyak hatte er das Team aufgebaut und Stewart zu einer der dominierenden Figuren im Supercross gemacht.

Brooks galt damals als jemand, der ständig nach neuen Wegen suchte, um einen Vorteil zu finden. Technische Grauzonen, aggressive Entscheidungen, maximale Detailarbeit – genau dafür war er bekannt. Die damalige Diskussion rund um GPS-Sensoren und Datenaufzeichnungen an Stewarts Bike passte perfekt zu diesem Bild.

Im Fahrerlager war Brooks respektiert, gleichzeitig aber auch umstritten. Viele beschrieben ihn als extrem intensiv. Teilweise einschüchternd. Immer unter Spannung.

Und irgendwann verschwand er plötzlich fast komplett aus dem Fokus.

Der Absturz und das Verschwinden aus dem Rampenlicht

2012 begannen erste Gerüchte über interne Probleme innerhalb des San Manuel Yamaha Teams. James Stewart soll sich zunehmend stärker in die Teamstruktur eingebracht haben, während gleichzeitig die bekannten L&M-Strukturen immer mehr verschwanden.

Dann fehlte Brooks plötzlich bei einem Supercross-Rennen in Atlanta – zum ersten Mal seit rund 16 Jahren. Offiziell sprach man damals lediglich von „family time“. Im Hintergrund wurde jedoch längst darüber spekuliert, dass Brooks intern entmachtet oder sogar komplett aus dem Team gedrängt worden sei.

Danach wurde es ruhig.

Während sich die Supercross-Welt veränderte und immer professioneller wurde, wirkte Larry Brooks fast wie ein Charakter aus einer anderen Zeit. Kein moderner PR-Teammanager. Kein glatt geschliffener Factory-Funktionär. Sondern ein Racer alter Schule.

Viele dachten vermutlich, dass seine Zeit vorbei sei.

Die Rückkehr mit HEP Suzuki

Doch Brooks tauchte Jahre später plötzlich wieder auf. Erst bei kleineren Projekten wie BarX Suzuki, später bei HEP Suzuki. Anfangs eher unauffällig. Ohne große Schlagzeilen.

Intern scheint er jedoch das eingebracht zu haben, was Roczen offenbar gebraucht hat.

Ken Roczen sprach in den vergangenen Wochen immer wieder darüber, wie eng die Zusammenarbeit innerhalb des Teams gewesen sei. Über lange Testtage. Über Startsessions bis spät abends. Über Larry Brooks, der selbst Motorräder testet, Kupplungen ausprobiert und komplett in den technischen Prozess eingebunden ist.

Das wirkt fast wie ein Gegenentwurf zu vielen modernen Factory-Programmen. Nicht steril. Nicht überorganisiert. Sondern roh, direkt und komplett racergetrieben.

Mehr als nur ein Teammanager

Interessant ist vor allem, wie Roczen inzwischen über Brooks spricht.

Früher wurde Brooks oft als harter Antreiber beschrieben. Roczen dagegen zeichnet ein deutlich persönlicheres Bild. Fast schon eine Vaterfigur innerhalb des Teams. Jemand, der Ruhe vermittelt, Erfahrung einbringt und den Fahrer mental auffängt.

Gerade nach den schwierigen Jahren bei Honda und den vielen Verletzungen scheint diese Art von Umfeld für Roczen enorm wichtig geworden zu sein.

Und dann kommt noch eine weitere Ebene hinzu.

Denn Brooks kämpfte zuletzt selbst mit gesundheitlichen Problemen und einer Krebserkrankung. Auch deshalb bekommt diese gesamte Geschichte inzwischen fast etwas Symbolisches. Zwei Figuren, die viele bereits abgeschrieben hatten, stehen plötzlich gemeinsam wieder ganz oben.

Roczen gewinnt mit 32 Jahren endlich seinen ersten 450SX-Titel.

Und Larry Brooks stand wieder dort, wo er gefühlt immer hingehört hat: mitten im Titelkampf. Nicht als Nebendarsteller. Sondern als einer der wichtigsten Bausteine hinter einer der bemerkenswertesten Meisterschaften der letzten Jahre.