Heiko Klepka über Ken Roczens Titel: „Ich wollte damals sogar, dass du aufhörst“

Ken Roczen mit Vater Heiko Klepka beim MXoN in Ernee im Jahr 2023

Ken Roczen mit Vater Heiko Klepka beim MXoN in Ernee im Jahr 2023

Für Heiko Klepka ist der erste 450SX-Titel seines Sohnes kein gewöhnlicher sportlicher Erfolg. In seinen auf Instagram veröffentlichten Worten wird schnell deutlich, dass diese Meisterschaft für ihn vor allem den Höhepunkt eines jahrzehntelangen gemeinsamen Weges symbolisiert.

„Wenn ich heute auf deine Karriere zurückblicke, dann sehe ich nicht nur einen Champion – ich sehe unseren gemeinsamen Weg“, schreibt Heiko über Ken Roczen.

Dieser Weg begann lange vor großen Stadien, Factory-Teams und AMA-Titeln. Genauer gesagt auf der kleinen Strecke in Mattstedt, wo Roczen bereits mit zweieinhalb Jahren erstmals auf einem Motorrad saß.

Die ersten Schritte in Mattstedt

Dass Ken Roczen überhaupt so früh mit dem Motocross-Sport in Berührung kam, war kein Zufall. Heiko Klepka war selbst aktiver Motocrossfahrer. In der damaligen DDR, in der er aufwuchs, spielte der Breiten- und Leistungssport eine deutlich größere Rolle als heute. Motorsport gehörte deshalb schon früh zum Alltag der Familie.

„Dort bist du mit zweieinhalb Jahren zum ersten Mal auf einem Motorrad gefahren“, erinnert sich sein Vater an die ersten Schritte in Mattstedt. Gleichzeitig beschreibt er, wie früh bereits sichtbar gewesen sei, mit welcher Leidenschaft und welchem Ehrgeiz Roczen diesen Sport betrieb.

Vor allem die gemeinsamen Jahre fernab der Öffentlichkeit scheinen ihn bis heute besonders zu prägen. „Gemeinsam haben wir unzählige Stunden auf dieser Strecke verbracht – bei Wind, Regen, Hitze und Kälte.“ Später führte dieser Weg quer durch Europa und schließlich bis nach Amerika.

Die schwierigsten Jahre der Karriere

Neben den Erfolgen spricht Heiko Klepka allerdings auch die dunkelsten Momente der Karriere offen an. Besonders die schweren Armverletzungen ab 2017 scheinen ihn bis heute tief zu beschäftigen. „Es gab Momente, in denen niemand mehr daran geglaubt hat, dass du jemals wieder auf höchstem Niveau fahren kannst.“

Noch eindringlicher wirkt dabei eine andere Aussage. Heiko macht offen klar, dass er sich zeitweise sogar gewünscht habe, sein Sohn würde seine Karriere beenden. „Ich wollte damals sogar, dass du aufhörst, weil ich gesehen habe, wie groß die Schmerzen und Belastungen waren.“

Warum dieser Titel für die Familie so besonders ist

Genau deshalb besitzt dieser Titel innerhalb der Familie offenbar eine deutlich tiefere Bedeutung, als viele Außenstehende vermutlich erahnen.

Für Heiko Klepka steht die Meisterschaft vor allem für die mentale Stärke seines Sohnes. „Du hast niemals aufgegeben. Du hast immer weitergekämpft – gegen Verletzungen, gegen Zweifel und gegen all die Menschen, die dich schon abgeschrieben hatten.“

Dass Roczen nun als erster deutscher Fahrer überhaupt den AMA-Supercross-Titel in der Königsklasse gewonnen hat, beschreibt sein Vater fast ehrfürchtig. „Vom kleinen Jungen aus Mattstedt bis ganz nach oben in Amerika – das ist Geschichte.“

Stolz auf den Menschen hinter dem Fahrer

Auffällig ist außerdem, dass Heiko Klepka den Fokus immer wieder auf den Menschen hinter dem Fahrer legt. Nicht der Titel allein erfüllt ihn mit Stolz, sondern die Entwicklung seines Sohnes über all die Jahre. „Ich ziehe meinen Hut vor dir. Nicht nur wegen dieses Titels, sondern wegen des Menschen, der du geworden bist.“

Die Worte wirken dadurch weniger wie klassische Glückwünsche nach einer Meisterschaft. Vielmehr entsteht das Bild eines Vaters, der auf Jahrzehnte voller Hoffnung, Rückschläge, Sorgen und gemeinsamer Erinnerungen zurückblickt.